DAX-Pensionswerke erreichen Rekordwert beim Deckungsgrad

Foto: Cash./KI-generiert
DAX-Pensionswerke, WTW Analyse vom 28. April 2026 als Basis

Die Pensionswerke der DAX-Unternehmen sind so gut finanziert wie nie. Eine aktuelle WTW-Analyse zeigt jedoch, dass der Rekordwert Risiken nicht beseitigt. Welche Strategien jetzt diskutiert werden.

Die Pensionswerke der DAX-Unternehmen haben 2025 einen Höchststand erreicht. Das zeigt die aktuelle Analyse „Pensionswerke im DAX 2025“ des Beratungshauses WTW. Demnach liegt der Deckungsgrad bei 87 Prozent und damit über dem bereits hohen Vorjahresniveau.

Autorinnen und Autoren der Untersuchung sind Hanne Borst, Managing Director und Head of Retirement Germany/Austria, Dr. Johannes Heiniz, Senior Director Retirement und Head of General Consulting Germany, sowie Nikolaus Schmidt-Narischkin, Chief Commercial Officer und Head of Growth D-A-CH bei WTW. Sie ordnen die Entwicklung in ein Umfeld ein, das weiterhin von Unsicherheiten geprägt ist.

Trotz des Rekordwerts verweisen die WTW-Experten auf anhaltende Risiken durch geopolitische Spannungen, volatile Kapitalmärkte und konjunkturelle Schwankungen. Der hohe Ausfinanzierungsgrad sei daher kein Selbstläufer, sondern erfordere weiterhin aktives Management.

Kapitalanlage zwischen Stabilität und Rendite

Ein zentraler Ansatzpunkt bleibt laut WTW die Kapitalanlage. In einem Umfeld schwankender Zinsen rückt die Abstimmung von Vermögenswerten und Verpflichtungen stärker in den Fokus. Liability-Driven-Investment-Strategien zielen darauf ab, Zinsrisiken zu begrenzen und die Auswirkungen auf den Deckungsgrad zu reduzieren.


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Gleichzeitig nimmt mit dem Reifegrad vieler Pensionswerke die Bedeutung laufender Auszahlungen zu. Monatliche Rentenzahlungen steigen, wodurch planbare Erträge und ausreichende Liquidität wichtiger werden. Hier sehen die Autoren Vorteile bei sogenannten Cashflow-Driven-Investmentstrategien. Diese setzen auf Anlageklassen mit stabilen Zahlungsströmen, etwa Anleihen mit Investmentgradestatus, Infrastrukturfinanzierungen oder Immobilien mit langfristigen Mietverträgen.

Solche Strategien können insbesondere für ältere Pensionspläne mit festen Leistungszusagen relevant sein. Sie bieten eine besser planbare Ertragsbasis, sind jedoch in der Regel mit geringeren Renditechancen verbunden als stärker wachstumsorientierte Anlagen.

Balance zwischen Absicherung und Wachstum

Die Analyse betont zugleich, dass Unternehmen ihre Absicherungsstrategien nicht zugunsten kurzfristiger Renditechancen aufgeben sollten. Wachstumsorientierte Anlagen könnten eine Ergänzung sein, müssten aber zur jeweiligen Risikotragfähigkeit passen.

Marktbeobachter verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass eine zu starke Fokussierung auf Sicherheit in Phasen steigender Zinsen auch Opportunitätskosten verursachen kann. Umgekehrt erhöhen höhere Aktienquoten oder alternative Anlagen die Schwankungsanfälligkeit der Deckungsgrade. Vor diesem Hintergrund gewinnt das Asset-Liability-Management weiter an Bedeutung. Regelmäßige Analysen sollen helfen, Veränderungen auf der Verpflichtungs- und der Anlageseite frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.

Pension Buyouts als strukturelle Option

Neben der Kapitalanlage rücken strukturelle Maßnahmen stärker in den Fokus. Dazu zählt die Übertragung von Pensionsverpflichtungen auf externe Träger. Ein etablierter Zwischenschritt ist die Gründung von Rentnergesellschaften, auf die Verpflichtungen gegenüber Rentnern und unverfallbar ausgeschiedenen Mitarbeitenden übertragen werden.

Die WTW-Analyse beschreibt darüber hinaus eine Entwicklung, die im deutschen Markt an Bedeutung gewinnt: die anschließende Veräußerung solcher Gesellschaften an spezialisierte Anbieter. Diese übernehmen neben der Administration auch zentrale Risiken wie Zinsänderungen, Langlebigkeit, Inflation und Kapitalmarktschwankungen.

Für Unternehmen kann dies zu einer Entlastung der Bilanz führen und Kennzahlen wie EBITDA und Free Cashflow beeinflussen. Gleichzeitig geben sie damit jedoch auch einen Teil der Steuerung über die Pensionsverpflichtungen ab.

Auswirkungen auf Unternehmen und Begünstigte

Die Transaktionen unterliegen nicht dem Versicherungsaufsichtsrecht, sondern orientieren sich an arbeits-, umwandlungs- und gesellschaftsrechtlichen Vorgaben. Die Zustimmung der Versorgungsberechtigten ist nicht erforderlich, da sich an deren rechtlicher Stellung nichts ändert. Leistungsumfang, Pensionszusage sowie steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Behandlung bleiben bestehen. In Einzelfällen kann sich die finanzielle Absicherung verbessern, etwa wenn eine höhere Kapitaldeckung erreicht wird.

Gleichzeitig hängt der langfristige Erfolg solcher Modelle wesentlich von der Kapitalanlage und der Governance beim übernehmenden Anbieter ab. Die Analyse betont die Notwendigkeit klarer Steuerungs- und Kontrollmechanismen sowie regelmäßiger Überprüfungen der Anlagestrategie.

Auch die strategische Asset-Allokation müsse flexibel bleiben, um auf veränderte Marktbedingungen reagieren zu können. Entsprechende Asset-Liability-Management-Prozesse gelten als Voraussetzung, um die langfristige Erfüllung der Verpflichtungen sicherzustellen.

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