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Rentenstreit: Warum Kanzler Merz recht hat

Foto: Florian Sonntag
Kim Brodtmann

Friedrich Merz spricht aus, was seit Jahren bekannt ist: Die gesetzliche Rente allein wird künftig kaum ausreichen. Dennoch dominiert politische Empörung. Viele Reaktionen wirken weniger sachlich als reflexhaft – und lenken vom eigentlichen Problem ab. Ein Kommentar von Kim Brodtmann, Cash.

Die Aufregung ist groß, seit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der vergangenen Woche beim Bundesverband deutscher Banken erklärte: „Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung für das Alter sein.“ Vor allem beim Koalitionspartner SPD stieß diese Aussage auf scharfe Kritik. Im „Spiegel“ kündigte Generalsekretär Tim Klüssendorf bereits „erbitterten Widerstand“ an, sollte Merz die Rente „rasieren“ wollen. „Ich habe die Formulierung nicht verstanden“, sagte Sozialministerin Bärbel Bas in der ARD-Sendung „Maischberger“. Inzwischen habe sie mit dem Kanzler gesprochen – „er hat es so nicht sagen wollen“.


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Doch warum eigentlich nicht? Dass die gesetzliche Rente allein künftig nicht mehr ausreicht, ist längst eine Binsenweisheit. Merz hat dies wiederholt betont – ebenso wie zahlreiche Experten, Ökonomen und Politiker. Seit Jahren wird Bürgerinnen und Bürgern geraten, zusätzlich privat vorzusorgen. Neu ist diese Erkenntnis also keineswegs. Umso erstaunlicher wirkt die aktuelle Aufregung.

Gewiss: Über den Zeitpunkt der Aussage lässt sich streiten. Es wäre vermutlich klüger gewesen, eine derart pointierte Formulierung erst nach Vorlage der Ergebnisse der Rentenkommission der Bundesregierung Ende des zweiten Quartals 2026 zu wählen. In der Sache jedoch liegt der Kanzler richtig. Mehr noch: Seine Worte könnten dazu beitragen, das Bewusstsein für die Notwendigkeit zusätzlicher privater Vorsorge in der Bevölkerung erneut zu schärfen.

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