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ELTIFs: Nicht alles, was sich an Privatanleger verkaufen lässt, gehört auch in ihr Depot

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Stefan Schmitt sitzt auf der Vorderkante eines Sessels
Foto: Inno Invest
Stefan Schmitt, Inno Invest

Wenn selbst Bafin-Präsident Mark Branson vor den Risiken illiquider Anlageprodukte für Privatanleger warnt, sollten Banken und Vertriebe ihre Verkaufsoffensive vielleicht noch einmal überdenken. Gast-Kommentar von Stefan Schmitt, Inno Invest

Illiquidität, schwer nachvollziehbare Bewertungen, hohe Kosten, eingeschränkte Rückgabemöglichkeiten und im Extremfall der Totalverlust des investierten Kapitals: ELTIFs vereinen Risiken, deren Tragweite viele Privatanleger kaum einschätzen können. Besonders gefährlich wird es, wenn ein vermeintlich gewöhnliches Fondsprodukt im Depot liegt, der Anleger aber erst in einer Krise feststellt, dass er an sein eigenes Geld nicht mehr oder nur mit erheblichen Abschlägen herankommt. Wie sollten Vermögensverwalter mit dieser Herausforderung umgehen? Brauchen wir mehr Regulierung?

Wem nutzen ELTIFs: dem Investor oder der Bank?

ELTIFs (European Long-Term Investment Funds) sind langfristig ausgerichtete alternative Investmentfonds, mit denen Anleger unter anderem in Private Equity, Private Debt, Immobilien und Infrastruktur investieren können. Sie eröffnen Otto-Normalkunden Zugang zu Anlageklassen, die früher überwiegend institutionellen und vermögenden Investoren vorbehalten waren.

Dass Banken, Produktanbieter und Vertriebe diese komplexen Fonds nun mit niedrigen Einstiegssummen massenmarktfähig machen, dürfte allerdings nicht nur der Demokratisierung der Geldanlage dienen: Neue Kundengruppen bedeuten neue Absatzmärkte und lukrative Gebühreneinnahmen. Die Frage ist, ob hier tatsächlich ein Anlageproblem des Kunden gelöst oder vielmehr ein neues Provisionsprodukt mit exklusiver Renditestory geschaffen wurde.

Denn das ist ein Problem: Bei manchen ELTIFs ist schwer nachvollziehbar, wie viel die enthaltenen Anlagen tatsächlich wert sind. Besonders problematisch: Fondsmanager können teilweise schon dann Erfolgsprämien kassieren, wenn der Wert der Anlagen nur auf dem Papier gestiegen ist - obwohl noch gar kein Gewinn erzielt wurde. Das kann für Anleger problematischer sein als die Tatsache, dass sie nicht jederzeit an ihr Geld kommen.

Vertriebsagios von fünf Prozent sind da keine Seltenheit, zusätzlich zu den hohen Verwaltungskosten innerhalb der Fonds. Echte Private-Equity- oder Family-Office-Kunden würden diese Gebühren niemals zahlen; dem Normalkunden quatscht man sie auf.

Kritik von höchster Stelle

Für mich gehören ELTIFs weder in ein durchschnittliches Privatanlegerdepot noch zum Standardrepertoire der Altersvorsorge. Bei vielen dieser Produkte steht das Renditepotenzial in keinem überzeugenden Verhältnis zu den Risiken.

Im Mai 2026 schreckten die Risiken für Privatanleger auch die Bafin auf. Im Interview mit dem „Handelsblatt“ warnte Bafin-Präsident Mark Branson: „Da ist höchste Vorsicht geboten… Jetzt ist daher die richtige Zeit, um sicherzustellen, dass nicht die falschen Kundinnen und Kunden in diese Investments hineinstolpern.“

Als Vermögensverwalter teile ich diese Ansicht. Bei Inno Invest bieten wir Privatkunden ELTIFs aus genau diesen Gründen nicht an. Auch diejenigen unserer Vertriebspartner, die zunächst Interesse an ELTIFs geäußert hatten, winken inzwischen ab. Denn wenn wir Kosten und Aufwand in Relation zueinander setzen, fällt die Bilanz in den meisten Fällen ernüchternd aus. Was im Retail-Vertrieb eher Standard ist, wird von professionellen Vermögensmanagern, die im Sinne ihrer Kunden und nicht provisions- oder zielvereinbarungsorientiert arbeiten, abgelehnt.


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Verantwortungsbewusste statt vertriebsgetriebene Beratung

Zugegeben: Die Bandbreite an ELTIFs ist groß. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel eines Totalausfalls ist, hängt von den Assets und der Struktur des jeweiligen Produkts ab. Nicht umsonst verlangt die MIFID II beziehungsweise die ELTIF-Verordnung, dass die Zielmarktbestimmung an eine zwingende Eignungsprüfung und die ausdrückliche Zustimmung des Kunden gekoppelt ist, falls dieser außerhalb des definierten Zielmarkts agiert. Wer also in komplexe, schwer handelbare Anlageprodukte wie ELTIFs investiert, muss wissen, dass er unter Umständen jahrelang nicht an sein Geld kommt oder sein Investment vielleicht gar mit einem Totalverlust einhergeht.

Genau dieses Risikobewusstsein kann man von einem durchschnittlichen Privatanleger nicht erwarten. Abgesehen von den viel zu hohen Kosten stehen die überschaubaren Renditen der Fonds, die von echten Private Equity-Investitionen weit entfernt sind, meiner Meinung nach in keinem adäquaten Verhältnis. Bleibt die Hoffnung, dass Anleger Berater an der Seite haben, die auf verständliche Art und Weise aufklären und ihre Vertriebsinteressen nicht über die Kundeninteressen stellen. Diversifikation in Privatanlegerdepots lässt sich in den allermeisten Fällen auch mit kostensensitiven ETFs herstellen.

Brauchen wir strengere Vorschriften?

Sind die bestehenden Vorschriften geeignet, Fehlanreize im Vertrieb von ELTIFs wirksam zu begrenzen? Ich denke, nein. Nicht jeder Anlegerschutz braucht jedoch ein neues Gesetz. Entscheidend ist, ob die bestehenden Regeln zur Geeignetheitsprüfung, Kostentransparenz und Offenlegung von Vertriebsvergütungen tatsächlich verhindern, dass das komplexe Produkt bei den falschen Kunden landen.

Würde ich entscheiden dürfen, lägen die Mindesteinstiegssummen für ELTIFs bei 50.000 Euro. Alleine das würde schon dafür sorgen, dass nur Anleger, die in der Lage sind, den Verlust zu verkraften, auch mit dem Risiko umgehen können. In der Regel ist es ja so, dass vermögendere Kunden von Natur aus kostensensibel und eher aufgeklärt agieren. Bevor der Gesetzgeber neue Vorschriften erlässt, sollten Aufsicht und Anbieter daher erst einmal die vorhandenen Vorgaben konsequent durchsetzen. Durch transparente Risikoaufklärung und Zielmarktbestimmung wird das allgemeine Interesse an solchen Produkten naturgemäß klein bleiben.

Ausnahmen bestätigen die Regel

Wer in komplexe Produkte wie ELTIFs investiert, sollte deren Risiken verstehen, Erfahrungen mit volatilen und illiquiden Anlagen besitzen und wirtschaftlich in der Lage sein, das eingesetzte Kapital vollständig abzuschreiben. Wer letzteres nicht ertragen kann, lässt besser die Finger von ELTIFs. Die Erfahrungen mit geschlossenen Beteiligungen in der Zeit nach der Finanzkrise sollte der Branche und den Anlegern eine Lehre gewesen sein. Unterm Strich konnte man sagen, dass fast jedes Produkt, das zum Massenvertrieb zugelassen wurde, früher oder später kippte und überproportional viele Fonds abgewickelt wurden. Zur Altersvorsorge sollte man diese Art von Fonds daher auf keinen Fall heranziehen.

Natürlich gibt es auch Anlegergruppen, die mit diesen Risiken umgehen können. Sie müssen von Private Bankern erkannt werden. Oft liegt das Problem nicht im Produkt selbst, sondern in der falschen Kundenzuordnung und den Vertriebserwartungen an den Berater. Im Rahmen eines professionellen Financial Plannings können ausgewählte ELTIFs für vermögende Anleger durchaus eine ergänzende Rolle spielen, sofern ihre Risiken verstanden werden und die Investition nur einen überschaubaren Teil des Gesamtvermögens ausmacht. Solches Kapital sollte gedanklich ähnlich behandelt werden wie eine direkte Venture-Capital-Beteiligung: mit langfristigem Anlagehorizont und der realistischen Möglichkeit eines vollständigen Verlusts.

Mein Grundsatz ist einfach: Nur weil Private Equity jetzt auch für 100 Euro erhältlich ist, wird daraus keine vernünftige Geldanlage für jedermann. Zum Massenvertrieb zugelassene komplexe Fonds bergen oftmals Risiken, die erst zum Tragen kommen, wenn das Kind längst in den Brunnen gefallen ist. Dann ist es aber auch für den Anleger zu spät. Mein Rat an alle Otto-Normalkunden: Investieren Sie aufgrund einer Beratung in ELTIFs, schließen Sie gleich eine Rechtschutzversicherung mit ab.

Autor Stefan Schmitt ist Geschäftsführer des Haftungsdach-Vermögensverwalters Inno Invest.

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