Wer an Schwergewichte denkt, die einen Aktienindex dominieren, denkt an die USA. An Titel wie Nvidia, Apple oder Microsoft. Doch wie sieht es eigentlich vor der eigenen Haustür aus? Sind europäische Indizes breiter gestreut und weniger abhängig von einzelnen Titeln? Dass diese Annahme nur zum Teil zutrifft, zeigt eine Analyse von Jan Tachtler.

Der Leiter der Fonds- und Managerselektion beim Family Office HQ Trust hat für den Zeitraum vom 31. Mai 2012 bis zum 31. Mai 2026 ausgewertet, welche Aktien mit welchem Gewicht monatlich zu den zehn größten Titeln im MSCI Europe zählten. Jan Tachtlers Analyse umfasst damit insgesamt 169 Monate. Sie zeigt, wie stark die größten Unternehmen den europäischen Aktienmarkt prägen und wie häufig sich die Besetzung der Spitzenplätze verändert hat.
„Die Situation an den US-Aktienmärkten ist seit Jahren ein zentrales Thema unter Investoren. Wenige Tech-Giganten bestimmen maßgeblich die Richtung der Indizes, was dort zu einer historisch hohen Konzentration führt. In Europa ist dieses Phänomen deutlich weniger ausgeprägt. Viele Investoren kennen daher die genaue Struktur an der Spitze des europäischen Marktes daher auch kaum. An Europas Spitze findet zwar ein permanentes Stühlerücken statt, die Gesamtkonzentration der zehn größten Titel ist über die vergangenen 15 Jahre hinweg jedoch bemerkenswert stabil geblieben.“
Detailergebnisse der Analyse
„Nur drei Aktien schafften es, in kompletten Zeitraum unter den zehn größten zu bleiben: Roche, Novartis und Nestlé. Alle drei stammen aus der Schweiz. Fünf weitere Aktien stiegen im Laufe des Zeitraums in die Top 10 auf und verließen sie seitdem nicht mehr: ASML, Shell, AstraZeneca, HSBC und LVMH. Am häufigsten pendelte Totalenergies zwischen den Top 10 und der zweiten Reihe hin und her: Die Aktie kommt auf 21 Auf- oder Abstiege. GlaxoSmithKline folgt mit 15 Wechseln. Gerade einmal drei deutsche Aktien schafften es im gesamten Zeitraum in die europäische Börsenspitze: SAP, Bayer und Siemens. Aktuell ist davon nur noch Siemens vertreten. Zeitweise waren sowohl die A- als auch die B-Aktie von Royal Dutch Shell unter den größten Indexpositionen vertreten. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Aktiengattungen ist steuerrechtlicher Natur. Drei Titel erreichten zeitweise einen Indexanteil von über 4 %: Nestlé, Novo Nordisk und ASML. Per Ende Mai 2026 gilt das nur noch für ASML.“
Was die Analyse für Investoren bedeutet
„Wer über Konzentrationsrisiken im Aktienmarkt spricht, schaut häufig nur auf den Anteil der größten Titel. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Frage, welche Unternehmen diese Spitzenplätze überhaupt einnehmen. Der MSCI Europe zeigt, dass sich die Top Ten im Zeitablauf deutlich verändern kann, selbst wenn die Konzentration nahezu konstant bleibt. Wer glaubt, durch die Wahl eines breiten europäischen Index automatisch Klumpenrisiken zu vermeiden, liegt zwar nicht völlig falsch. Aber wer die Zusammensetzung nicht im Blick behält, merkt möglicherweise erst im Nachhinein, welche Sektoren und Länder gerade die Spitze dominieren.“













