Ölpreisschock trifft KI-Boom: Wo Schwellenländer jetzt Chancen bieten

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Ölpreisschock und KI
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Ölpreise, KI und Nearshoring prägen Schwellenländeraktien. Entscheidend ist die Auswahl nach Ländern und Branchen.

Steigende Energiepreise belasten viele Schwellenländer, während der KI-Boom Taiwan und Südkorea antreibt. Auch China und Lateinamerika bieten Chancen – doch Anleger müssen genauer auswählen.

Schwellenländeraktien starten nach Einschätzung von James Donald, Leiter der Emerging-Markets-Plattform bei Lazard Asset Management, robust in die kommenden Monate. Allerdings entwickeln sich Länder und Regionen zunehmend unterschiedlich. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat diese Unterschiede durch höhere Energiepreise, gestörte Transportwege und wachsende Inflationsrisiken weiter verschärft.

„Der Iran-Konflikt macht einmal mehr deutlich, dass Anleger Schwellenländer nicht als einheitlichen Block betrachten können“, sagt Donald. Nach Ausbruch des Konflikts stiegen die Ölpreise zeitweise auf mehr als 120 Dollar je Barrel. Störungen in der Straße von Hormus verstärkten die Sorgen um die Energieversorgung.


Das könnte Sie auch interessieren:

Kurzfristig geraten vor allem energieimportierende Volkswirtschaften unter Druck. Die langfristigen Treiber für Schwellenländeraktien bleiben Donald zufolge jedoch intakt. Dazu zählen der Ausbau der KI-Infrastruktur, die Halbleiterproduktion und die Neuordnung globaler Lieferketten.

Hohe Energiepreise belasten asiatische Schwellenländer

Indien, Südkorea, Indonesien, die Philippinen, Thailand und Vietnam sind besonders von anhaltend hohen und schwankenden Energiepreisen betroffen. Die Regierungen reagierten zunächst mit Subventionen, Steuersenkungen, strategischen Reserven und alternativen Liefervereinbarungen. Hält der Preisdruck an, könnten mehrere Zentralbanken ihre Geldpolitik vorsichtiger lockern oder leicht straffen.

Indien trifft der Preisanstieg sowohl direkt über höhere Energiekosten als auch indirekt über teurere Düngemittel und Nahrungsmittel. Steigende Lebensmittelpreise könnten zudem die Inflation in Ländern erhöhen, in denen Nahrungsmittel einen großen Anteil am Warenkorb ausmachen. Dazu zählen neben Indien auch die Philippinen und Ägypten.

„Für Anleger bedeutet das: Selbst strukturell attraktive Wachstumsmärkte könnten kurzfristig durch makroökonomische Belastungen gebremst werden“, sagt Donald.

Taiwan und Südkorea treiben den KI-Zyklus

Der stärkste strukturelle Wachstumstreiber bleibt nach Donalds Einschätzung der Technologiesektor Nordasiens. Taiwan und Südkorea profitieren vom Ausbau von KI-Infrastruktur, Halbleiterproduktion und Rechenzentren. Gefragt sind insbesondere moderne Logikchips, Advanced Packaging und High-Bandwidth Memory.

In Taiwan bildet die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company einen zentralen Knotenpunkt der Lieferkette. Südkoreanische Speicherhersteller profitieren von der hohen Nachfrage nach High-Bandwidth Memory für KI-Chips. Das Angebot bleibt im Verhältnis zur Nachfrage begrenzt.

„Taiwan und Südkorea sind längst nicht mehr nur zyklische Technologiemärkte“, sagt Donald. „Sie sind zentrale Bausteine der globalen KI-Infrastruktur und damit strategisch wichtige Bestandteile vieler Emerging Markets-Portfolios.“ Laut MSCI legten die Aktienmärkte Taiwans und Südkoreas bis Ende Juni 2026 in Dollar gerechnet um 62 beziehungsweise 119 Prozent zu. Für 2027 sind Umsatzprognosen allerdings mit größeren Unsicherheiten verbunden.

China zeigt sich vergleichsweise widerstandsfähig

China ist gegenüber direkten Engpässen bei der Energieversorgung besser geschützt als viele andere asiatische Volkswirtschaften. Strategische Reserven, diversifizierte Importkanäle und der Wechsel zwischen unterschiedlichen Energiequellen verschaffen dem Land Flexibilität.

Die Risiken liegen vor allem in einem schwächeren Wachstum wichtiger Handelspartner, höheren industriellen Inputkosten sowie möglichen Lieferkettenproblemen bei Petrochemikalien und anderen Vorprodukten. Für Anleger kommt es deshalb darauf an, kurzfristige konjunkturelle Belastungen von strukturellen Branchentrends zu trennen.

In Lateinamerika unterscheiden sich die Rahmenbedingungen ebenfalls deutlich. In Brasilien richten sich die Blicke auf die Präsidentschaftswahlen im Oktober. Zugleich profitiert das Land von der chinesischen Nachfrage nach Sojabohnen und Fleisch sowie von der Neuordnung amerikanischer Lieferketten.

„Schwellenländeraktien bleiben widerstandsfähig. Die nächste Phase wird jedoch noch stärker von Differenzierung geprägt sein. Wer nur auf die Anlageklasse als Ganzes schaut, übersieht die eigentlichen Chancen. Besonders interessant sind aus unserer Sicht weiterhin Märkte und Unternehmen, die von strukturellen Trends wie KI-Infrastruktur, Halbleitern, Rohstoffen oder der Neuordnung globaler Lieferketten profitieren.“


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments