Fed vor schwerer Zinsentscheidung: Erhöhen oder abwarten?

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Spannun vor dem Fed-Zinsentscheid
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Die Fed steht vor einer schwierigen Zinsentscheidung. Inflation, Energiepreise und Markterwartungen bestimmen den Kurs.

Eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September gilt als wahrscheinlich. Doch Inflation, Energiepreise und die Reaktion der Märkte erschweren die Entscheidung. Für die Fed könnte deshalb nicht der Zinsschritt, sondern dessen Kommunikation zur größten Herausforderung werden.

Ausgehend von aktuellen Markteinschätzungen erscheint eine Zinserhöhung bei der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) der Federal Reserve (Fed) im September sehr wahrscheinlich. Seit der vorangegangenen FOMC-Sitzung zeigen die Arbeitsmarktdaten eine Erholung der Einstellungen bei Vollbeschäftigung, ohne dass sich ein zunehmender Lohndruck abzeichnet. Dies schließt Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt im Wesentlichen aus. Unterdessen schwankt die Inflation etwas oberhalb dessen, was noch als akzeptabel angesehen werden könnte. Aus einer falkenhaften Perspektive mag es ausreichende Gründe für eine Zinserhöhung geben. Diese Argumentation begann wahrscheinlich mit der falkenhaften Rede des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh in Jackson Hole. Darin warnte er, dass die Zentralbank noch mehr zu tun habe, sofern sich die zugrundeliegende Inflation nicht deutlich und schnell genug in Richtung des Ziels bewege. Gouverneur Christopher Waller präzisierte diesen Gedanken später und erklärte, die Fed könne abwarten, falls sich die Inflation verbessere, oder die Zinsen anheben, falls sie hoch bleibe. Wir stimmen dem zu, da auch unser Mantra lautet: die Inflation muss jeden Monat sinken, damit die Fed die Zinsen unverändert lässt. Doch hier beginnen die eigentlichen Probleme.


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Die Kerninflation sank im August im Jahresvergleich von 2,5 Prozent auf 2,4 Prozent. Die monatliche Veränderung fiel mit 0,3 Prozent jedoch höher aus als erwartet. Dieser Wert liegt leicht über dem angestrebten Wert von 0,2 Prozent, welcher impliziert, dass sich die Inflation mittelfristig dem Ziel von zwei Prozent annähern könnte. Die Enttäuschung im August ist hauptsächlich auf Preisanpassungen bei Mobilfunkdiensten zurückzuführen. Zwar können monatliche Veränderungen bei Preisanpassungen volatil sein, doch sie führen selten zu einem breiteren Trend. Ein weiterer zu berücksichtigender Faktor sind die Energiepreise. Insbesondere das Risiko von Zweitrundeneffekten. Angesichts des derzeit moderaten Lohnwachstums ist es jedoch schwer vorstellbar, dass Unternehmen den gesamten Energiepreisdruck aggressiv weitergeben. Die Hochrechnung des Kern-Konsumdeflators, der nach der Sitzung veröffentlicht wird, deutet angesichts der bisherigen Daten weiterhin auf einen moderaten Anstieg von rund 0,2 Prozent im Monatsvergleich hin.

Da volkswirtschaftliche Daten das Problem diesmal wahrscheinlich nicht allein lösen werden, versuchen wir es aus einer anderen Perspektive. Welche Auswirkungen hätte eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte? Dieser entschlossene Schritt würde sich wahrscheinlich positiv auf die Glaubwürdigkeit und das Management der Inflationserwartungen auswirken. Unter dem neuen Grundsatz, auf jegliche Aussagen über zukünftige Schritte zu verzichten, wird dies jedoch kompliziert. Ohne ausreichenden Kontext könnten die Märkte eine Zinserhöhung falsch interpretieren und annehmen, dass die Zentralbanker besorgter sind, als sie angedeutet haben. Dies könnte dazu führen, dass Anleger einen länger andauernden Straffungszyklus erwarten – eine Tendenz, die sich möglicherweise bereits in Teilen des Zinsmarkts abzeichnet. Aktuell rechnen die Märkte bereits mit 3,5 Zinserhöhungen in den kommenden zwölf Monaten. Andererseits könnte eine Beibehaltung der Zinsen im September – entsprechend der Auffassung des Fed-Vorsitzenden Warsh, wonach die Märkte einen Teil der Arbeit für die Fed übernehmen – als Ignorieren der Inflationsrisiken ausgelegt werden. Dies könnte die Renditen weiter in die Höhe treiben, da die Märkte ihre Inflationserwartungen nach oben anpassen könnten – etwas, vor dem Warsh gewarnt hat. Schließlich würde eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte weder die Probleme auf den globalen Energiemärkten noch bei den Zollverhandlungen lösen. Sie würde die Opportunitätskosten für Neueinstellungen, Konsum und Investitionen erhöhen. Diese sind derzeit zwar in Ordnung, aber abgesehen von künstlicher Intelligenz boomen sie sicherlich nicht. Ein Mittelweg wäre ein falkenhaftes Festhalten am aktuellen Zinsniveau oder eine taubenhafte Zinserhöhung. Beide Optionen würden jedoch eine präzise Kommunikation erfordern, um erfolgreich zu sein. Dies wäre für einen Fed-Vorsitzenden, der sich ungern in die Karten schauen lässt, sicherlich riskant.

Insgesamt wären wir nicht überrascht, wenn die Fed bei ihrer kommenden Sitzung die Zinsen anhebt. Wir sehen jedoch auch ein Szenario, in dem sie dies nicht tut. Zugegebenermaßen ist die Messlatte dafür hoch und es würde sicherlich zu mehr Abweichlern führen als bei der Sitzung im Juli. Unabhängig davon bleibt die Frage: Wie sehen die mittelfristigen Pläne aus? Angesichts der Tatsache, dass die meisten Inflationsprobleme auf externe Schocks zurückzuführen sind, fällt es schwer, sich einen ausgeprägten Zinserhöhungszyklus vorzustellen. Dieser zielt nämlich hauptsächlich auf die Binnennachfrage ab. Ebenso ist es schwer vorstellbar, dass der Fed-Vorsitzende Warsh die Erwartungen hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen deutlich dämpfen wird, da dies einer „Forward Guidance“ gefährlich nahekäme.

Christian Scherrmann ist Chefvolkswirt USA bei der DWS.


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