Am Mittwochabend entscheidet die Fed über die Zinsen, am Donnerstagnachmittag folgt die EZB. Die Märkte rechnen bei beiden Notenbanken mit einer Zinspause. In Europa wird ein Leitzins von 2,5 Prozent erwartet, in den USA eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent.
Umso wichtiger werden die anschließenden Pressekonferenzen von Kevin Warsh und Christine Lagarde. Auf den ersten Blick könnten die Zinsentscheide jedoch im Schatten der Quartalszahlen großer US-Tech-Konzerne stehen.
Warsh steht nach den überraschend hohen September-Inflationsdaten (3,7 Prozent) unter Erklärungsdruck. Lagarde muss dagegen einordnen, wie stark die gestiegenen langfristigen Zinsen die ohnehin fragile europäische Wirtschaft belasten. Beide Notenbanken verfolgen einen datenabhängigen Kurs. Das lässt ihnen zwar Spielraum, macht die Geldpolitik aber schwerer vorhersehbar.
Die Folgen des Konflikts im Nahen Osten und Ölpreise von über 100 Dollar pro Barrel belasten den Inflationsausblick. Hinzu kommen politische und finanzielle Unsicherheiten. Besonders kritisch ist die Lage in Frankreich, wo die Finanzierungskosten des Staates deutlich gestiegen sind.
Die Notenbanken kämpfen damit gegen einen externen Angebotsschock. Wenn sie teures Öl mit Zinserhöhungen bekämpfen, riskieren sie gleichzeitig, die Konjunktur abzuwürgen. Genau darin liegt das größte Frustrationspotenzial für die Aktienmärkte.
Der Markt fürchtet vor allem zwei Dinge: Eine geldpolitische Überreaktion und eine Belastung der Unternehmensgewinne. Die entscheidende Frage lautet daher, wie viel wirtschaftlichen Schmerz die Notenbanken akzeptieren, um die ölgetriebene Inflation einzudämmen.
Eine nachhaltige Entspannung im Nahen Osten könnte die Ölpreise und damit auch die Inflation deutlich senken. Das würde den Druck auf Fed und EZB verringern, die Zinsen länger hoch zu halten. Ein niedrigerer Ölpreis würde Verbraucher und Unternehmen entlasten und die Aktienmärkte stützen.
Autor Maximilian Wienke ist Marktanalyst bei eToro.














