Gold vor dem Fed-Entscheid: Hält die Marke von 4.000 US-Dollar?

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Gold am Scheideweg
Bild: KI-generiert
Hält die Marke von 4.000 US-Dollar für Gold?

Vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank rückt Gold nahe an die Marke von 4.000 US-Dollar je Unze. Die Märkte rechnen überwiegend mit einer Zinspause. Entscheidend könnte deshalb sein, welchen Kurs Fed-Chef Kevin Warsh für die kommenden Monate signalisiert.

Am Vorabend des mit Spannung erwarteten Zinsentscheids der US-Notenbank rückt die psychologisch wichtige Schwelle von 4.000 US-Dollar je Unze in das Zentrum des Terminmarktes. Nach einem Rücksetzer um rund 3,4 Prozent notiert das Edelmetall in Schlagdistanz zu dieser runden Marke, während das Federal Open Market Committee am Mittwoch, dem 28. Oktober, seine nächste Entscheidung verkünden wird. Da die Prognosemärkte mit überwältigender Mehrheit von einer Zinspause ausgehen, richtet sich der Fokus der Rohstoffanleger weniger auf den Beschluss selbst als vielmehr auf die Rhetorik zur künftigen Zinspfad-Gestaltung.

Federal Reserve: Prognosemärkte taxieren Pause-Wahrscheinlichkeit auf 86 Prozent

Die zweitägige Zusammenkunft der Federal Reserve vom 27. bis 28. Oktober endet am Mittwoch um 14:00 Uhr New Yorker Ortszeit mit der Bekanntgabe des Zinsbeschlusses. Da es sich um keinen Quartalstermin handelt, entfallen die Aktualisierungen der makroökonomischen Projektionen sowie des Zinspfad-Diagramms (Dot Plot). Die Marktteilnehmer sind folglich vollständig auf den Wortlaut des Statements und die anschließende Pressekonferenz von Notenbankchef Kevin Warsh angewiesen. Der US-Leitzins verharrt seit der jüngsten Straffung am 16. September in einer Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Auf den Prognoseplattformen Kalshi und Polymarket spiegelte sich per 22. Oktober eine Wahrscheinlichkeit von rund 86 Prozent für ein Aussetzen weiterer Schritte wider, während einer erneuten Anhebung lediglich eine Chance von etwa 12 Prozent beigemessen wurde - eine deutliche Verschiebung gegenüber Ende September, als ein Folgeschritt noch als offenes Rennen galt.


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Dieser Stimmungswechsel prägte auch die jüngste Preisfindung beim Gold. Nach einem Schlusskurs von 4.194 US-Dollar je Unze und einem Tageshoch von 4.198 US-Dollar am 9. Oktober gab der Spotpreis nach CME-Daten, die von GoldSilver analysiert wurden, bis zum Vormittag des 22. Oktober auf rund 4.053 US-Dollar nach. Rund zwei Prozentpunkte dieses 3,4-prozentigen Zehn-Tage-Rückgangs vollzogen sich dabei allein am 22. Oktober, als der Kurs nach einer Eröffnung bei 4.141 US-Dollar innerhalb weniger Handelsstunden abtauchte. Diese dynamische Kontraktion kurz vor einem richtungsweisenden Notenbanktermin werten Analysten primär als taktische Positionsbereinigungen spekulativer Marktteilnehmer und weniger als fundamentalen Bruch des Aufwärtstrends.

Goldman Sachs und Zentralbanknachfrage stützen das langfristige Gefüge

Für den Terminmarkt zeichnen sich zwei Reaktionsmuster ab. Bestätigt die Notenbank die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, entfällt ein unmittelbarer Belastungsfaktor, wenngleich das zinslose Metall daraus noch keinen automatischen Aufwärtsimpuls ableiten kann. Die Signalwirkung verlagert sich dann komplett auf Warshs Ausführungen. Sollte die Notenbank die Zinsen wider Erwarten ein zweites Mal in Folge anheben, dürften anziehende Realrenditen und ein festerer US-Dollar den laufenden Konsolidierungskurs kurzfristig verlängern. Dennoch bleiben die tragenden Säulen - fiskalische Schieflagen, Realzinsdynamiken und die De-Dollarisierung der Reservewährungen - intakt. Dass Korrekturen derzeit primär konjunktursensible Segmente treffen, verdeutlicht der Silberpreis: Das weiße Metall brach von 60,82 auf 55,17 US-Dollar je Unze um 9,3 Prozent ein - und setzte den Trend sogar nocjh fort. Infolgedessen weitete sich das Gold-Silber-Verhältnis von 68,96 auf 73,46 aus - ein marktübliches Phänomen, nachdem das Ratio bereits im September binnen zwölf Wochen von 61,7 auf 70,4 geklettert und anschließend wieder auf 66,3 zurückgefallen war.

Unterhalb der kurzfristigen Terminmarktschwankungen bleibt das fundamentale Nachfragefundament solide. Nach Erhebungen des World Gold Council summierten sich die weltweiten Zentralbankkäufe im zweiten Quartal 2026 auf netto 289 Tonnen - ein historischer Rekordwert für ein zweites Quartal -, wenngleich das erste Quartal nachträglich auf 57 Tonnen abwärtsrevidiert wurde und das Gesamtjahr 2026 damit hinter dem außergewöhnlichen Rekordtempo von 2025 zurückbleiben dürfte. Auch auf Analystenseite überwiegt trotz vorsichtigerer Töne der strukturelle Optimismus: So passte Goldman Sachs seinen Fair Value für Gold per Ende 2026 von 4.900 auf 4.650 US-Dollar je Unze an, bestätigte jedoch gleichzeitig das Kursziel für Ende 2027 bei 5.400 US-Dollar. Für Rohstoffinvestoren fungieren die 4.000-Dollar-Marke und die Fed-Konferenz somit als Gradmesser dafür, wie schnell der Markt von der geldpolitischen Nervosität wieder in seinen übergeordneten Aufwärtstrend übergeht.

Autor Björn Junker ist Chefredakteur von Goldinvest.de und seit über 15 Jahren Wirtschaftsjournalist mit Schwerpunkt Edel-, Basis- und Batteriemetalle.

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