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Fondspolicen: Finanzielle Resilienz bei Vorsorge und Vermögensaufbau

Foto: Liechtenstein Life
Dr. Marcel Vaschauner: "Resilienz in der Altervorsorge bedeutet, Versicherungsportfolios müssen ihr langfristiges Renditepotenzial auch in Zeiten fallender Kurse und globaler Unsicherheiten erhalten und bei Renteneintritt realistisch liefern können."

Das Jahr 2025 hat Anlegern einen Vorgeschmack auf das gegeben, was ihre Altersvorsorge in den kommenden Jahren erwartet. Abrupte Einbrüche an den Kapitalmärkten, geopolitische Schocks und Kursübertreibungen bei digitalen Hype-Themen stellen Fondspolicen vor permanente Herausforderungen. Wie lässt sich das Absturzrisiko in kritischen Phasen reduzieren, ohne die langfristige Renditekraft des Portfolios zu opfern? Von Dr. Marcel Vaschauner

Risiken gehören zwar zum Kapitalmarkt dazu – aber Kunden sind ihnen nicht schutzlos ausgeliefert. Gerade in kritischen Zeiten entscheidet nicht nur das Auf und Ab an den Börsen über die Entwicklung des Altersvorsorgekapitals, sondern das vorausschauende Risiko- und Chancenmanagement durch Versicherungsvermittler und ihre Kunden. Vertragsstruktur, Timing und Gestaltungsmöglichkeiten entscheiden darüber, ob Marktturbulenzen das Fundament der Vorsorge erschüttern oder lediglich temporäre Schwankungen in einem langfristig arbeitenden Plan bleiben. Natürlich wird Altersvorsorge dadurch nicht krisenfrei – aber krisenfester.

Die unterschätzten Risiken für fondsgebundene Vorsorge

Der Inbegriff für Sicherheit in der Vorsorge waren lange Zeit Garantien: Plötzliche Risiken wurden zumindest vordergründig minimiert, indem man einfach Auszahlungssummen und Investmentregeln festschrieb – eine Art Vollkaskomentalität für Lebensversicherungen.

Unter der Oberfläche dieser scheinbaren Verlässlichkeit handelten sich Vorsorgende damit jedoch neue Risiken ein, die für die Finanzierung des eigenen Ruhestandes viel gravierender sein können: Inflation und Preissteigerungen können aus der garantierten Sicherheit schnell einen realen Wertverlust machen, der nicht abgewendet werden kann. Die Deutschen verabschieden sich zwar immer mehr von klassischen Garantien, doch auch bei kapitalmarktorientieren Vorsorgeinstrumenten fehlt es häufig am Management von schleichenden Risiken – die fürs Ruhestandsportfolio viel gefährlicher sein können.

Erstens: Kurze Anlagehorizonte. Werden Fondspolicen für kurze Zeithorizonte abgeschlossen, ist der wichtigste interne Korrekturmodus für Kapitalmarktschwankungen stark eingeschränkt: Je länger der Anlagehorizont, desto effektiver können Schwankungen und Krisen über die Zeit ausgeglichen werden. Hebel wie der Cost-Average- und der Zinseszins-Effekt ermöglichen es, Turbulenzen besser auszubalancieren, und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, langfristige Renditeziele zu erreichen.

Zweitens: Klumpenrisiken. Regionale Übergewichtungen, einseitige Exponierung auf bestimmte Branchen oder Währungsabhängigkeiten machen Portfolios anfällig für genau jene Krisen, die aufgrund übertriebener Renditehoffnungen entstehen: platzende Technologieblasen, protektionistische Handelspolitik oder geopolitische Eskalationen.

Drittens: Inflation. Niedrig verzinste, garantierte Anlagen schützen Kapital bei Schwankungen nur gegen Totalverlust, sie schreiben damit aber in der Regel auch reale Kaufkraftverluste fest. In Phasen strukturell höherer Inflation kann diese Inflexibilität zum eigentlichen Risiko für Investitionen in Vorsorge und Vermögensbildung werden.

Viertens: Keine Entnahmeplanung: Schlechte Börsenjahre kurz vor Rentenbeginn wirken überproportional negativ, wenn sie nicht korrigiert werden können. In diesem Fall haben Kunden bei fallenden Kursen investiert, können aber die überproportional positiven Renditen bei steigenden Kursen nicht mehr abschöpfen.

Resilienz: Management statt Börsenfatalismus

Resilienz in der Altersvorsorge bedeutet schlicht: Versicherungsportfolios müssen ihr langfristiges Renditepotenzial auch in Zeiten fallender Kurse und globaler Unsicherheiten erhalten und bei Renteneintritt realistisch liefern können.

Die Kapitalmarktforschung hat dafür erstaunlich robuste Prinzipien für eine Vielzahl von Risiken formuliert. Als langfristige Instrumente der Vorsorge und Vermögensbildung können Fondspolicen Börsenentwicklungen über die Zeit ausgleichen: Je länger der Anlagehorizont, desto stärker werden die Risiken über die Zeit reduziert, während die Chancen auf interessante Renditen steigen.
Dieser Effekt hilft auch, die stillen Wertvernichter zu schlagen und Inflationsrisiken zu minimieren. Klumpenrisiken lassen sich durch eine saubere Portfoliostruktur deutlich reduzieren. Globale Diversifikation und Risikostreuung haben sich als eine der effektivsten Schutzstrategien dagegen erwiesen und sind für fondsgebundene Versicherungsprodukte kein Luxus mehr, sondern ein absolutes Muss. Die Voraussetzung hierfür ist ein umfangreiches Fondsuniversum, das Diversifizierung nicht nur ermöglicht, sondern Anlagen idealerweise bereits für dieses Ziel kuratiert.


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Auch Portfoliostrukturen müssen „mit der Zeit gehen können“, also anpassbar sein, wenn sich die Koordinaten für die Anlageziele ändern. Fehlende Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen eines Rebalancing, enge Fondsuniversen, oder hohe Wechselkosten bei Shifts oder Switches können selbst das beste Portfolio in kritischen Zeiten wehrlos machen. Wenn Produkte diese Flexibilität nicht leisten können, bergen sie für Kunden ein implizites Risiko. Gestaltungsmöglichkeiten in guten Vermittlerhänden sind dabei ein Wert, der gerade in volatilen Zeiten wichtiger werden könnte als schillernde Strategien und Assetklassen.

Entnahmerisiken lassen sich durch vorausschauendes Ablaufmanagement erheblich abfedern. Bewährt haben sich defensivere, dynamische Ausstiegsszenarien: Hohe Aktienquoten zum Start, die über die Zeit renditewirksam arbeiten und regelbasierte Reduzierung von Risiken in den letzten fünf bis zehn Jahren vor Rentenbeginn, kombiniert mit einem Flexibilitätspuffer unmittelbar vor Renteneintritt. Moderne, investmentorientierte Tarife sehen eine entsprechende Strukturierung automatisch vor und weisen Vermittler auf notwendige Anpassungen hin. 

Resilienz ist das Fundament für spätere Rendite

Krisen lassen sich nicht verhindern, aber die Auswirkungen auf die kapitalmarktorientierte Altersvorsorge sind auch eine Frage des vorausschauenden Managements. Wer die Gestaltungsmöglichkeiten fondsgebundener Vorsorge nutzt, macht aus einem Renditeversprechen einen belastbaren Plan und aus scheinbar schicksalhaften Entwicklungen am Kapitalmarkt die Möglichkeit für Plan B oder C, wenn Anpassungen erforderlich sind. Resilienz ist in einer Welt platzender Blasen, politischer Brüche und wirtschaftlicher Umbrüche die eigentliche Währung für langfristige Vorsorge.

Für Versicherungsvermittler ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Vorsorgeprodukte müssen nicht nur auf Renditeerwartungen, sondern auf Belastbarkeit und Steuerbarkeit in kritischen Phasen geprüft werden. Wer heute die wichtigsten Risiken gemeinsam mit seinen Kunden adressiert, stärkt nicht nur die Altersvorsorge – sondern auch das Vertrauen in die eigene Beratung. Resiliente Portfolios entstehen nicht, wenn die Krise da ist, sondern durch vorausschauende Entscheidungen. Das heißt konkret: Der optimale Zeitpunkt für den Resilienz-Check ist jetzt.

Autor Dr. Marcel Vaschauner ist Chief Investment Officer der Liechtenstein Life Assurance AG

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