Frauen investieren deutlich seltener in Aktien und ETFs als Männer. Das geht aus Daten von Verivox hervor. Stattdessen bevorzugen sie häufiger Tages- und Festgeld oder Sparkonten. Nach einer repräsentativen Umfrage aus dem Frühjahr 2025 hält sich nur etwa jede dritte Frau bei Finanzinvestitionen für kompetent.
Der Anteil der Befragten, die Aktien, Fonds oder ETFs nutzen, lag unter Männern fast eineinhalbmal so hoch wie unter Frauen. Diese Zurückhaltung kann den langfristigen Vermögensaufbau erheblich bremsen. Je länger die Sparphase dauert, desto stärker wirkt sich der Renditeunterschied zwischen klassischen Sparprodukten und Kapitalmarktanlagen aus.
Eine Modellrechnung von Verivox verdeutlicht die Größenordnung: Wer vom 20. Lebensjahr bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren monatlich 100 Euro in einen weltweit gestreuten ETF investiert und eine jährliche Rendite von 7,5 Prozent erzielt, verfügt nach Steuern über rund 403.000 Euro. Auf einem Sparkonto mit 2,5 Prozent Zinsen wären es lediglich rund 102.000 Euro. Der Unterschied beträgt damit mehr als 300.000 Euro.
Früher Einstieg verstärkt den Zinseszinseffekt
Auch bei einem späteren Einstieg bleibt der Abstand erheblich. Beginnt die Sparphase mit 30 Jahren, entstehen bei einer monatlichen Rate von 100 Euro im ETF bis zum Renteneintritt rund 192.000 Euro. Auf dem Sparkonto wären es etwa 71.000 Euro.
„Gerade bei langen Anlagezeiträumen entscheidet die Rendite maßgeblich darüber, wie groß das Vermögen im Alter ausfällt. Schon vergleichsweise kleine Sparraten können durch den Zinseszinseffekt langfristig einen sechsstelligen Unterschied machen“, sagt Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox.
Dabei können Frauen häufig weniger Geld für die Altersvorsorge zurücklegen. Einer repräsentativen Verivox-Umfrage vom Januar 2026 zufolge sparen 42 Prozent der Frauen monatlich höchstens 100 Euro für das Alter. Unter den Männern legt dagegen mehr als jeder Dritte über 100 Euro im Monat zurück.
Rendite gewinnt bei kleinen Sparraten an Bedeutung
„Bei geringeren Sparmöglichkeiten kommt es besonders auf die Wahl der Geldanlage an. Denn wer weniger Geld zur Seite legen kann, sollte die vorhandene Sparrate möglichst renditestark investieren“, sagt Ulbrich.
Eine 30-Jährige, die monatlich 50 Euro in einen ETF einzahlt, erreicht laut Modellrechnung bis zum Renteneintritt ein Vermögen nach Steuern von rund 96.000 Euro. Auf einem Sparkonto wäre dafür mindestens die doppelte Monatsrate nötig. Selbst bei 100 Euro monatlich läge das Vermögen dort mit rund 71.000 Euro noch deutlich niedriger.
„Gerade Menschen mit geringeren Sparmöglichkeiten profitieren besonders von den Renditechancen des Kapitalmarkts. Über lange Anlagezeiträume kann der Zinseszinseffekt einen erheblichen Teil geringerer Sparmöglichkeiten ausgleichen. Wer ausschließlich auf niedrig verzinste Sparformen setzt, verzichtet langfristig auf einen großen Teil seines Vermögenspotenzials“, sagt Ulbrich.
Inflation verringert die spätere Kaufkraft
Auch höhere nominale Erträge gleichen den Kaufkraftverlust durch Inflation nicht vollständig aus. Bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von zwei Prozent entsprechen 300.000 Euro nach 40 Jahren nur noch einer heutigen Kaufkraft von rund 136.000 Euro. Ulbrich empfiehlt deshalb, die Sparrate mit steigendem Einkommen regelmäßig anzupassen.
Für die Berechnung unterstellt Verivox beim ETF eine konstante Jahresrendite von 7,5 Prozent. Das entspricht der historischen Durchschnittsrendite des MSCI World abzüglich üblicher ETF-Kosten. Veräußerungsgewinne wurden mit Abgeltungsteuer und Solidaritätszuschlag belastet, mögliche Steuerabzüge während der Sparphase jedoch nicht berücksichtigt. Beim Sparkonto rechnet Verivox mit 2,5 Prozent Zinsen. Kapitalmarktrenditen sind nicht garantiert, Aktienkurse können erheblich schwanken und fallen.
Die Angaben zum Anlageverhalten stammen aus einer Onlinebefragung des Marktforschungsinstituts Innofact im Auftrag von Verivox. Dafür wurden im April 2025 insgesamt 1.004 Menschen zwischen 18 und 79 Jahren befragt. Die Erhebung ist nach Alter, Geschlecht und Bundesland bevölkerungsrepräsentativ.













