Bereits Monate vor dem geplanten Start des Altersvorsorgedepots im Jahr 2027 bringen sich erste Anbieter in Stellung. Scalable Capital stellt ETF-Sparen zu Kosten von 0,15 Prozent in Aussicht und hat eine Vorregistrierung mit Gewinnspiel gestartet. Die ING führt eine Warteliste, während große Sparkassen Interessenten zu Beratungsterminen in ihren Filialen auffordern.
Weitere Banken, Versicherer und Finanzdienstleister dürften nach Einschätzung von Finanztip bald konkrete Produktdetails veröffentlichen. Der Geldratgeber empfiehlt Verbrauchern deshalb, mit einer Entscheidung zu warten. Nachteile bei der staatlichen Förderung entstehen dadurch nicht, da die neuen Produkte ohnehin erst ab 2027 abgeschlossen werden können.
„Der frühe Wettbewerb ist grundsätzlich gut für Verbraucher“, sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip. „Gerade weil es beim AV-Depot um einen Vertrag geht, der oft über Jahrzehnte laufen soll, ist ein genauer Blick auf alle Angebote entscheidend – inklusive ihrer Kosten, Leistungen und der zu erwartenden Rendite. Immerhin kann man aber später den Anbieter noch wechseln.“
Kosten und ETF-Auswahl entscheiden über die Rendite
Für den langfristigen Vermögensaufbau empfiehlt Finanztip grundsätzlich passive Aktien-ETFs mit weltweiter Streuung. Beim Vergleich der neuen Altersvorsorgedepots sollten Verbraucher daher nicht allein auf die Depotgebühren achten. Entscheidend ist auch, welche ETFs und weiteren Anlageprodukte der jeweilige Anbieter zur Verfügung stellt und welche laufenden Kosten dafür anfallen.
Scalable Capital hat den Preiswettbewerb bereits eröffnet. Für das Standarddepot will der Neobroker keine Gebühr verlangen. Die darüber besparten ETFs sollen im ersten Jahr ebenfalls gebührenfrei sein und anschließend 0,15 Prozent pro Jahr kosten. Seit Ende August können sich Interessenten vorregistrieren und an einem Gewinnspiel teilnehmen.
„Von einer solchen Marketingaktion sollte man sich nicht zu einer vorschnellen Entscheidung verleiten lassen. Der Markt entwickelt sich erst noch. Bis zum Start im Jahr 2027 bleibt genug Zeit, die Angebote in Ruhe zu vergleichen“, sagt Sulilatu. Ab Herbst dürften neben Neobrokern und Banken auch Versicherer verstärkt um Kunden werben.
Riester-Sparer sollten Wechselangebote prüfen
Besonders Riester-Sparer könnten in den kommenden Wochen Post von ihren Anbietern erhalten. Finanztip erwartet, dass viele Unternehmen ihre Bestandskunden über einen möglichen Wechsel in das neue Altersvorsorgedepot informieren werden.
„Für viele Riester-Sparer kann sich ein Wechsel zum AV-Depot lohnen, aber auch hier sollte man die Produkte vorher gründlich vergleichen“, sagt Sulilatu. Ob ein Übertrag in das neue System finanziell sinnvoll sein könnte, lässt sich über einen Vergleichsrechner von Finanztip prüfen.
Wie groß die Auswirkungen der laufenden Kosten sein können, zeigt eine Modellrechnung des Geldratgebers. Bei einer durchschnittlichen Rendite von sechs Prozent pro Jahr vor Kosten wächst das Vermögen einschließlich der staatlichen Zulagen bei Effektivkosten von 0,1 Prozent auf rund 145.000 Euro. Bei Effektivkosten von 0,6 Prozent bleiben etwa 133.000 Euro, bei einem Prozent rund 124.000 Euro.
Mehr als 20.000 Euro Unterschied durch laufende Kosten
Der Abstand zwischen der günstigsten und der teuersten Variante beträgt damit rund 21.000 Euro. Der Berechnung liegt eine 1990 geborene Person mit einem Bruttojahreseinkommen von 40.000 Euro zugrunde, die bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren monatlich 150 Euro in ein Altersvorsorge-Depot einzahlt.
Die vorgesehene Förderung orientiert sich am Eigenbeitrag. Für die ersten 360 Euro zahlt der Staat 50 Cent je eingezahltem Euro hinzu. Für jeden weiteren Euro bis zu einem maximalen Eigenbeitrag von 1.800 Euro erhalten Sparer eine Zulage von 25 Cent. Unter bestimmten Voraussetzungen kommen Kinderzulagen hinzu.











