Die geplante Frühstartrente soll den langfristigen Vermögensaufbau bereits im Kindesalter fördern. Dafür will der Staat über mehrere Jahre einen festen Betrag in ein Altersvorsorgedepot einzahlen. Durch den langen Anlagezeitraum sollen vor allem die Erträge des Zinseszinseffekts genutzt werden.
Für die Höhe der gesetzlichen Altersrente bleibt jedoch weiterhin entscheidend, wie viele Beiträge während des Erwerbslebens in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden. Wer über längere Zeit in Teilzeit arbeitet, weniger verdient oder früher aus dem Berufsleben ausscheidet, sammelt entsprechend weniger Entgeltpunkte und erhält später eine niedrigere gesetzliche Rente.
Nach Einschätzung von Altersvorsorgeexperten besteht deshalb die Gefahr eines Trugschlusses. Der frühzeitige Vermögensaufbau könne den Eindruck vermitteln, später weniger auf die gesetzliche Rentenversicherung angewiesen zu sein. Tatsächlich ergänze die Frühstartrente die Altersvorsorge lediglich, ersetze sie jedoch nicht.
Vorzeitiger Renteneintritt kann hohe Verluste verursachen
Besonders deutlich werden die finanziellen Folgen bei einem vorzeitigen Renteneintritt. Für jeden Monat, den die Altersrente vor der Regelaltersgrenze beginnt, reduziert sich die gesetzliche Rente dauerhaft um 0,3 Prozent. Wer vier Jahre früher in den Ruhestand geht, muss somit lebenslange Abschläge von 14,4 Prozent hinnehmen.
Tabelle 1: Rentenbeginn bis zu vier Jahre früher
| Reguläre Monatsrente | 1 Jahr früher (-3,6 Prozent) | 2 Jahre früher (-7,2 Prozent) | 3 Jahre früher (-10,8 Prozent) | 4 Jahre früher (-14,4 Prozent) |
|---|---|---|---|---|
| 1.500 Euro | 1.446 Euro | 1.392 Euro | 1.338 Euro | 1.284 Euro |
| 2.000 Euro | 1.928 Euro | 1.856 Euro | 1.784 Euro | 1.712 Euro |
| 2.500 Euro | 2.410 Euro | 2.320 Euro | 2.230 Euro | 2.140 Euro |
| 3.000 Euro | 2.892 Euro | 2.784 Euro | 2.676 Euro | 2.568 Euro |
Die monatlichen Kürzungen summieren sich über viele Jahre zu erheblichen Beträgen. Bei einer regulären Monatsrente von 2.500 Euro beträgt der Verlust durch einen um vier Jahre vorgezogenen Renteneintritt 360 Euro pro Monat. Über einen Rentenbezug von 20 Jahren ergibt sich daraus ein Minderbetrag von 86.400 Euro.
Lebenslange Abschläge können sechsstellige Summen erreichen
Je höher die ursprüngliche Rente ausfällt, desto größer sind auch die langfristigen Einbußen.
Tabelle 2: Rentenverlust über 20 Jahre
| Reguläre Monatsrente | Monatsrente bei Rentenbeginn 4 Jahre früher | Monatlicher Verlust | Verlust über 20 Jahre |
|---|---|---|---|
| 1.500 Euro | 1.284 Euro | 216 Euro | 51.840 Euro |
| 2.000 Euro | 1.712 Euro | 288 Euro | 69.120 Euro |
| 2.500 Euro | 2.140 Euro | 360 Euro | 86.400 Euro |
| 3.000 Euro | 2.568 Euro | 432 Euro | 103.680 Euro |
Modellrechnung ohne Rentenanpassungen, Steuern oder Inflation.
Die Frühstartrente kann den langfristigen Vermögensaufbau unterstützen und bietet durch den frühen Einstieg grundsätzlich gute Voraussetzungen für attraktive Kapitalmarkterträge. Ob die Erträge später ausreichen, um geringere Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung vollständig auszugleichen, hängt jedoch von der Höhe der Einzahlungen, der Anlagestrategie und der Entwicklung der Kapitalmärkte ab.
Für Arbeitnehmer bedeutet das: Die Frühstartrente kann eine sinnvolle Ergänzung der Altersvorsorge sein, ersetzt jedoch nicht die gesetzliche Rente. Wer einen früheren Ruhestand plant oder seine Erwerbstätigkeit deutlich reduziert, sollte die langfristigen Auswirkungen auf die gesetzliche Rente sorgfältig kalkulieren und prüfen, ob die private Vorsorge ausreicht, um die entstehende Versorgungslücke dauerhaft zu schließen.














