Gesundes Altern: Warum die Deutschen wollen, aber nicht handeln

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Andreas Storm
Foto: DAK-Gesundheit/Läufer
Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit: „Der Kern von Longevity ist nicht, ein möglichst hohes Lebensalter um jeden Preis zu erreichen. Entscheidend ist vielmehr, möglichst viele gesunde und selbstbestimmte Lebensjahre zu gewinnen."

Zwei Drittel der Deutschen sehen im Longevity-Trend echtes Potenzial, dabei kennt aber die Hälfte der Befragten den Begriff noch gar nicht. Eine neue DAK-Studie zeigt zudem: Die Bereitschaft zur Vorsorge ist groß, Zeitmangel und Kosten stehen ihr im Weg.

Zwei Drittel der Menschen in Deutschland sehen in Longevity – neudeutsch für Langlebigkeit – Potenzial, den Alterungsprozess zu verlangsamen und möglichst lange gesund zu bleiben. Allerdings ist jedem Zweiten ist der Begriff völlig fremd. Das zeigt eine neue repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag der DAK-Gesundheit, für die bundesweit 1.043 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren befragt wurden.


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Genauer: 69 Prozent der Befragten sehen in Longevity grundsätzlich Potenzial. Gleichzeitig gaben 50 Prozent an, den Begriff noch nie gehört oder gelesen zu haben – Frauen mit 54 Prozent etwas häufiger als Männer mit 46 Prozent. Die Mehrheit bewertet den Trend positiv: 63 Prozent rechnen damit, dass er sich zumindest bei einem Teil der Bevölkerung durchsetzen wird.

Die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden, ist hoch. 74 Prozent der Befragten wären bereit, regelmäßig Sport zu treiben oder mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren. 71 Prozent setzen auf die Pflege sozialer Kontakte, 62 Prozent auf gezieltes Gehirntraining. Fast sechs von zehn Befragten sehen zudem die Verbesserung des Schlafs als wichtigen Ansatz. 44 Prozent können sich die Nutzung von Wearables vorstellen, mit denen Herzfrequenz oder Schlafqualität überwacht werden.

Zeitmangel und Kosten bremsen aktive Vorsorge

Zwischen Absicht und Alltag klafft jedoch eine deutliche Lücke. 49 Prozent der Befragten betrachten das Älterwerden als natürlichen Lebensprozess und sehen deshalb keinen Anlass, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen. Für 40 Prozent ist Zeitmangel die größte Hürde, 35 Prozent nennen fehlende Motivation oder mangelnde Disziplin – Männer mit 40 Prozent erheblich häufiger als Frauen mit 30 Prozent. Zudem empfinden 22 Prozent entsprechende Maßnahmen als zu teuer, jeweils 16 Prozent zweifeln an deren Wirksamkeit oder fühlen sich nicht ausreichend informiert.

Besonders auffällig: Fast jeder Zweite nimmt derzeit keinerlei Präventionsangebote in Anspruch – also keine Ernährungs-, Bewegungs- oder Stressreduktionskurse. Die Hälfte dieser Gruppe gibt jedoch an, solche Angebote grundsätzlich nutzen zu wollen. Frauen beteiligen sich mit 55 Prozent deutlich häufiger an Präventionsmaßnahmen als Männer mit 42 Prozent. Den höchsten Nutzungsgrad verzeichnen die 60- bis 70-Jährigen: 59 Prozent von ihnen nehmen Vorsorgenangebote häufig oder gelegentlich wahr.

Mit zunehmendem Alter wächst auch die persönliche Bedeutung des Themas. Vier von zehn Befragten insgesamt geben an, dass das Ziel, den Alterungsprozess zu verlangsamen, in ihrem Alltag eine große oder sehr große Rolle spielt. Für die Hälfte der 60- bis 70-Jährigen nimmt Longevity bereits einen hohen Stellenwert ein.

Ärzte genießen hohes Vertrauen – Influencer kaum

Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, leitet aus den Ergebnissen einen gesundheitspolitischen Auftrag ab: „Der Kern von Longevity ist nicht, ein möglichst hohes Lebensalter um jeden Preis zu erreichen. Entscheidend ist vielmehr, möglichst viele gesunde und selbstbestimmte Lebensjahre zu gewinnen. Dafür muss die Gesundheitskompetenz in der gesamten Bevölkerung deutlich gestärkt werden“, sagt Storm. „Gerade bei neuen Gesundheitstrends ist es wichtig, wissenschaftlich belegten Nutzen von bloßen Versprechen zu unterscheiden. Unser Ziel muss sein, wirksame Präventionsangebote für alle Menschen frühzeitig zugänglich zu machen, unabhängig von Alter, Bildung oder Einkommen.“

Beim Thema Informationsquellen vertrauen die Befragten vor allem etablierten Fachkräften: 90 Prozent setzen beim Thema gesundes Altern auf Ärztinnen und Ärzte, 80 Prozent auf Apothekerinnen und Apotheker, 75 Prozent auf Krankenkassen. Deutlich zurückhaltender fällt das Urteil über digitale Meinungsführer aus: Nur vier Prozent der Befragten halten Beiträge von Influencerinnen und Influencern zum Thema für vertrauenswürdig.

Prof. Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und wissenschaftlicher Leiter des Longevity Forums Deutschland, sieht darin eine klare gesellschaftliche Aufgabe: „Umso wichtiger ist es, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen verständlich und alltagstauglich zu vermitteln. Es braucht ein Bewusstsein in der Gesellschaft dafür, welche Maßnahmen wissenschaftlich belegt und wirksam sind und für welche teuren Tests, Nahrungsergänzungsmittel oder technische Verfahren ein nachgewiesener Nutzen fehlt. Tatsächlich zählen zu den wichtigsten Maßnahmen für gesundes Altern klassische und eher unspektakuläre Dinge wie nicht rauchen, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und die Kontrolle klassischer Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette oder Diabetes. Schon vergleichsweise kleine Veränderungen im Alltag können langfristig einen wichtigen Beitrag zu mehr gesunden Lebensjahren leisten.“

Longevity Forum diskutiert Studienergebnisse in Hamburg

Die Ergebnisse der Forsa-Befragung werden beim Impulstag des Longevity Forums Deutschland in Hamburg am 4. September öffentlich diskutiert. Die DAK-Gesundheit ist Partner der Veranstaltung und bringt ihre Perspektive als gesetzliche Krankenversicherung in die Debatte über gesundes Altern, Prävention und Gesundheitskompetenz ein.


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