Gold- und Silbermärkte warten gespannt, ob die Fed die Zinsen anhebt. Gold dürfte mittelfristig verlorenen Boden wiedergutmachen – bei Silber ist die Lage weniger eindeutig, sagt Carsten Menke, Head Next Generation Research bei Julius Bär:
Unterstützt durch einen schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktbericht in der vergangenen Woche haben die Gold- und Silbermärkte in den letzten Tagen etwas an Boden zurückgewonnen. Diese zaghafte Erholung sowie der vorangegangene Rückgang sind das Ergebnis veränderter Erwartungen hinsichtlich der US-Geldpolitik. Das Einzige, was die Gold- und Silbermärkte derzeit interessiert, ist die Frage, ob die US-Notenbank die Zinsen anheben wird oder nicht.
So einfach es auch klingt: Die Aussichten für die US-Geldpolitik sind für Investoren aus der westlichen Welt von entscheidender Bedeutung. Historisch gesehen verlief der Handel mit physisch gedeckten Produkten – für uns der beste Indikator für die Investitionsnachfrage in der westlichen Welt – parallel zur Entwicklung der US-Zinsen und des US-Dollars. Steigende Zinsen und ein stärkerer Dollar führten zu Verkäufen, sinkende Zinsen und ein schwächerer Dollar führten zu Käufen.
Unsere Einschätzung der US-Geldpolitik bleibt vorerst unverändert; wir erwarten keine Zinserhöhung durch die Fed, da der Inflationsdruck sich zumindest teilweise als vorübergehend erweisen dürfte. Zudem sehen wir weiterhin Spielraum für eine Abschwächung des US-Dollars, wenn auch nicht in demselben Ausmaß wie zuvor. Die Investitionsnachfrage dürfte wieder anziehen, insbesondere bei Gold, sobald wieder Klarheit und Zuversicht hinsichtlich der US-Geldpolitik herrschen.
Bei Silber ist die Lage weniger eindeutig, da es noch immer unter den Nachwirkungen des spekulationsgetriebenen Rausches leidet, was Investoren dazu veranlassen dürfte, sich vorerst zurückzuhalten. Wir rechnen zudem damit, dass die industrielle Silbernachfrage zu kämpfen haben wird. Eine Umstellung auf kostengünstigere Alternativen wie Aluminium und Kupfer hat begonnen, und die Wachstumsaussichten für chinesische Solarmodulhersteller – die größten industriellen Silberverbraucher – sind gesunken.
Gold hingegen dürfte durch Zentralbankkäufe gestützt werden, die wir nach wie vor als die stärkste strukturelle Kraft am Markt ansehen. Allerdings ist bereits viel Schaden entstanden, und es wird wahrscheinlich einige Zeit dauern, bis der Markt wieder Fuß fasst. Rekordhochs bleiben vorerst außer Reichweite, doch wir gehen davon aus, dass die Preise langfristig das verlorene Terrain wieder gutmachen werden, und bekräftigen daher unsere konstruktive Einschätzung für Gold. Wir bleiben neutral für Silber und halten an unserer Long-Position im Gold-Silber-Verhältnis fest.














