Goldhandel: London bleibt Asiens Aufstieg deutlich voraus

Gold bleibt fest in westlicher Hand
Foto: ChatGPT
London bleibt trotz Asiens Goldboom das führende Handelszentrum für Edelmetalle. Marktdaten widerlegen den Machtwechsel.

Die Goldnachfrage in Asien wächst rasant, doch das Zentrum des weltweiten Edelmetallhandels bleibt im Westen. Neue Marktdaten zeigen, wie groß Londons Vorsprung tatsächlich ist – und warum das Narrativ einer Machtverschiebung nach Osten zu kurz greift.

Der Aufstieg Asiens im Goldmarkt sorgt seit Monaten für Schlagzeilen. Rekordpreise, wachsende Goldkäufe der Zentralbanken und der Ausbau der Handelsinfrastruktur in Singapur und Hongkong nähren die Erwartung, dass sich das Zentrum des globalen Edelmetallhandels nach Osten verlagert. Die aktuellen Marktdaten sprechen jedoch eine andere Sprache.


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Die Zahl des Monats lautet elf: Das Handelsvolumen am Londoner Goldmarkt ist elfmal so hoch wie an der Shanghai Gold Exchange (SGE), Chinas größter physischer Goldbörse. Trotz der wachsenden Bedeutung Asiens bleibt London damit das mit Abstand wichtigste Liquiditätszentrum für den weltweiten Goldhandel.

Der Goldpreis von knapp 5.600 US-Dollar je Feinunze im Januar 2026 hat den Wettbewerb der asiatischen Handelsplätze zusätzlich angeheizt. Hongkong wirbt mit einer Steuervergünstigung von 50 Prozent für Goldhändler und arbeitet an einem eigenen Clearing-System für den Großhandelsmarkt. Singapur plant bis zum Jahresende einen neuen OTC-Clearing-Service. Zugleich zeigt eine Umfrage des World Gold Council, dass Zentralbanken ihre Goldbestände zunehmend im eigenen Land oder in alternativen Finanzzentren lagern möchten.

Zentralbanken kaufen neues Gold in London

Einen grundlegenden Machtwechsel erkennt Adrian Ash, Director of Research bei BullionVault, dennoch nicht. „Ein massenhafter Abzug von Zentralbankgold aus dem Westen erweist sich jedoch als Mythos. Tatsächlich erreichten die Goldbestände der Bank of England im Juni 2026 den höchsten Stand seit vier Jahren, und die Verwahrbestände der Federal Reserve Bank of New York liegen nur leicht unter dem Elfjahreshoch vom vergangenen Frühjahr. Der Grund: Wenn Zentralbanken – etwa aus Polen oder Indien – ihre heimischen Goldreserven aufstocken, holen sie in der Regel nicht das Gold zurück, das sie bereits im Ausland lagern. Stattdessen kaufen sie neues Gold in London und transportieren das Edelmetall anschließend in ihre Heimat.“

Damit profitiert London weiterhin unmittelbar von der steigenden Nachfrage aus Asien. Die britische Hauptstadt bleibt der zentrale Handelsplatz, an dem physisches Gold in großem Umfang den Besitzer wechselt, bevor es weltweit verteilt wird.

Die starke Stellung Londons zeigt sich inzwischen sogar bei den Handelszeiten. Die London Bullion Market Association (LBMA) prüft, ihre morgendliche Goldpreisauktion zeitlich nach vorne zu verlegen. Ziel ist es, Marktteilnehmern aus den asiatischen Zeitzonen eine bessere Teilnahme zu ermöglichen.

London bleibt das globale Liquiditätszentrum

Der Ausbau der Handelsinfrastruktur in Asien verändert den Goldmarkt zweifellos. China bleibt der weltweit größte Verbrauchermarkt, während Singapur und Hongkong ihre Rolle als regionale Handelsplätze stärken. Die aktuellen Handelsvolumina zeigen jedoch, dass der Westen seine dominante Stellung bislang behauptet. Die Zahl des Monats – elf – verdeutlicht den Abstand zwischen London und Shanghai eindrucksvoll.


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