Die Altersvorsorge von Frauen wird oft früh geprägt und häufig zu knapp geplant. Das ist das zentrale Ergebnis der HDI Rentner-Studie 2026, die den Themenschwerpunkt „Frauen und Altersvorsorge“ in den Fokus rückt. Demnach sorgen Frauen generationsübergreifend seltener privat für das Alter vor als Männer – ein Muster, das sich sowohl bei den 18- bis 35-Jährigen als auch bei heutigen Rentnerinnen zwischen 63 und 70 Jahren zeigt.
41 Prozent der jungen Frauen verlassen sich ausschließlich auf die gesetzliche Rente; bei den gleichaltrigen Männern sind es 28 Prozent. Nur 28 Prozent der jungen Frauen sorgen zusätzlich freiwillig privat vor, gegenüber 38 Prozent der jungen Männer. Unter den heutigen Rentnerinnen haben 61 Prozent ausschließlich gesetzlich vorgesorgt, unter den männlichen Rentnern sind es 52 Prozent. Zusätzlich privat abgesichert sind 32 Prozent der Rentnerinnen – gegenüber 38 Prozent der Rentner.
Holm Diez, Mitglied des Vorstands von HDI Deutschland und verantwortlich für das Ressort Leben & Bancassurance, ordnet die Ergebnisse ein: „Die aktuellen Empfehlungen der Rentenkommission zeigen, dass die Altersvorsorge künftig noch stärker auf mehreren Säulen stehen muss. Umso wichtiger ist es, insbesondere Frauen frühzeitig für die private Altersvorsorge zu sensibilisieren. Wer seine finanzielle Sicherheit im Alter stärken will, muss die Voraussetzung für den Vermögensaufbau bereits in jungen Jahren schaffen.“
Junge Frauen blicken deutlich skeptischer auf ihren Ruhestand
Der Pessimismus junger Frauen gegenüber ihrer Altersabsicherung spiegelt sich auch in den Erwartungen wider: Nur sieben Prozent gehen davon aus, ihren Lebensstandard im Ruhestand ohne Einschränkungen halten zu können. Bei den jungen Männern teilen 19 Prozent diese Zuversicht. Umgekehrt rechnen 26 Prozent der jungen Frauen damit, ihren Lebensstandard nicht halten zu können; bei den Männern sind es 16 Prozent. Weitere 22 Prozent der jungen Frauen zeigen sich bei dieser Frage unsicher oder wollen keine Angaben machen – gegenüber elf Prozent der Männer.
Erhebliche Unterschiede zeigen sich auch beim Vorsorgeverhalten: Junge Frauen setzen häufiger auf Sparkonten oder Bargeld (42 Prozent gegenüber 33 Prozent der jungen Männer) und investieren seltener in Wertpapiere (38 Prozent gegenüber 48 Prozent) oder Kryptowährungen (neun Prozent gegenüber 21 Prozent).
Für 58 Prozent der jungen Frauen gehören steigende Lebenshaltungskosten zu den größten finanziellen Sorgen, bei den Männern sind es 43 Prozent. 40 Prozent der Frauen sehen in steigenden Wohnkosten eine Belastung (Männer: 32 Prozent). Nur vier Prozent der jungen Frauen geben an, derzeit keine finanziellen Sorgen zu haben; bei den Männern sind es zehn Prozent.
Wirtschaftliche Lage und politische Vertretung: kritisches Bild
Auch die wirtschaftlichen Perspektiven bewerten junge Frauen deutlich kritischer als Männer: Nur 16 Prozent halten die wirtschaftliche Lage der jungen Generation für sehr gut bis gut, 43 Prozent hingegen für eher schlecht bis schlecht. Zum Vergleich: Die Situation der heutigen Rentnergeneration wird deutlich positiver eingeschätzt: 29 Prozent halten sie für gut, 33 Prozent für schlecht.
Das politische Vertrauen ist gering: Nur 22 Prozent der befragten jungen Frauen sehen die Interessen ihrer Generation ausreichend berücksichtigt; 66 Prozent verneinen dies ausdrücklich. Viele erwarten, künftig stärker privat vorsorgen zu müssen, und haben den Eindruck, dass ihrer Generation zu viel zugemutet wird.
Diez sagt: „Junge Frauen sind sich über die Herausforderungen ihrer Altersvorsorge sehr bewusst. Gleichzeitig fühlen sich viele mit ihren Sorgen und Erwartungen nicht ausreichend gehört. Im Zuge der Reform der Altersvorsorge muss der Gesetzgeber Rahmenbedingungen schaffen, die Vermögensaufbau und private Vorsorge erleichtern – frühzeitig, verständlich und auch in finanziell herausfordernden Lebensphasen.“
Längeres Arbeiten für junge Frauen keine attraktive Option
Angesichts der laufenden Rentendebatte, die unter anderem längere Lebensarbeitszeiten vorsieht, zeigen sich bei der Bereitschaft, länger zu arbeiten, deutliche Unterschiede: 47 Prozent der jungen Männer können sich vorstellen, länger zu arbeiten – bei den jungen Frauen sind es nur 30 Prozent. Jede zweite junge Frau lehnt dies ab, weitere 19 Prozent sind unentschlossen oder wollen keine Angaben machen; bei den Männern sind es zehn Prozent.
Diez sagt dazu: „Dass junge Frauen längeres Arbeiten deutlich zurückhaltender bewerten als junge Männer, ist für mich nicht überraschend. Frauen tragen in der Regel die Hauptlast der Care-Arbeit. In jungen Jahren kümmern sie sich um den Nachwuchs und später pflegen sie Angehörige. Wer längeres Arbeiten fordert, darf dabei die unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen und Männern nicht außer Acht lassen.“
Diez betont außerdem, dass individuelle Produktlösungen gefragt seien, die sich an unterschiedliche Lebensphasen anpassen: „Lebensentwürfe und Erwerbsbiografien sind vielfältig. Es braucht daher individuelle Produktlösungen, die sich an unterschiedliche Lebensphasen anpassen. Kompetente Beraterinnen und Berater unterstützen Frauen bei der Wahl der passenden Vorsorgelösungen.“















