Jeder Euro im Bargeldsystem erzeugt fast drei Euro volkswirtschaftlichen Wert

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Was Bargeld wirtschaftlich bewirken kann
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Eine Studie beziffert den Nutzen von Bargeld in Deutschland auf 54 Milliarden Euro und analysiert die wichtigsten Effekte.

Bargeld kostet nicht nur, sondern schafft auch einen messbaren gesellschaftlichen Nutzen. Eine Studie beziffert diesen auf rund 54 Milliarden Euro und damit fast das Dreifache der Kosten. Besonders wichtig sind Resilienz, Privatsphäre und lokale Wirtschaftskreisläufe.

Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Nutzen von Bargeld entspricht in Deutschland rund 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder etwa 54 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Beyond the Cost Debate: A Multidimensional Approach to Quantify the Value of Cash for Society“. Die Kosten für Bereitstellung und Betrieb der Bargeldinfrastruktur belaufen sich demnach auf 0,45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Damit ist der ermittelte gesamtwirtschaftliche Nutzen fast dreimal so hoch wie die Kosten. In die Berechnung flossen unter anderem die Bedeutung von Bargeld für lokale Wirtschaftskreisläufe, die Widerstandsfähigkeit des Zahlungssystems, der Schutz der Privatsphäre, finanzielle Inklusion und der Wettbewerb zwischen Zahlungsmethoden ein.


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Wissenschaftlich geleitet wurde die Untersuchung von Julia Pitters, Professorin für Wirtschaftspsychologie an der IU Internationalen Hochschule, und Franz Seitz, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Weiden. Grundlage ist eine repräsentative Online-Befragung von 2.006 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, die im Oktober 2025 durchgeführt wurde.

Bargeld stärkt die Resilienz des Zahlungssystems

Einen besonders hohen Wert messen die Autoren der Funktion von Bargeld in Krisenzeiten bei. Es bleibt auch bei Stromausfällen, Cyberangriffen und Störungen digitaler Zahlungssysteme nutzbar. Aus den Angaben der Befragten zur gewünschten Bargeldreserve für Notfälle leitet die Studie einen wirtschaftlichen Wert von rund 0,44 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder etwa 19,5 Milliarden Euro ab.

Auch der Schutz persönlicher Daten besitzt laut Untersuchung einen messbaren Wert. Die Hälfte der Befragten wäre bereit, mindestens 20 Cent je Transaktion dafür zu bezahlen, dass bei einer digitalen Zahlung entstehende Daten nicht gespeichert oder unmittelbar gelöscht werden. Hochgerechnet entspricht dies einem Wert von mehr als drei Milliarden Euro beziehungsweise rund 0,075 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Weitere Nutzenaspekte sind die finanzielle Inklusion, die Kontrolle über die eigenen Ausgaben und der Wettbewerb im Zahlungsverkehr. Zudem akzeptieren viele Verbraucher den Zinsverzicht bei Bargeld, weil sie dessen Verfügbarkeit, Komfort und Sicherheit schätzen.

Bedeutung für lokale Wirtschaftskreisläufe

Bargeld beeinflusst der Studie zufolge auch Ausgaben, die häufig im unmittelbaren lokalen Umfeld stattfinden. 29 Prozent der Befragten erklären, ohne Bargeld weniger zu spenden. Ein Viertel würde weniger Trinkgeld geben. Auch auf Wochenmärkten, Stadtfesten und bei kleineren Dienstleistungen rechnen die Teilnehmer mit geringeren Ausgaben, falls Bargeld nicht mehr verfügbar wäre.

Die Autoren verstehen Bargeld dabei nicht als Gegenmodell zu digitalen Zahlungsmitteln. Vielmehr sprechen die Ergebnisse aus ihrer Sicht für einen ausgewogenen Zahlungsmittelmix, bei dem Bargeld und digitale Verfahren unterschiedliche Funktionen übernehmen und sich ergänzen.

„Über Jahrzehnte hinweg konzentrierte sich die Diskussion über Bargeld auf seine Kosten, weil viele seiner weiteren Nutzenaspekte nur schwer messbar waren“, sagt Pitters. „Unsere Studie zeigt nun, dass Bargeld einen substanziellen und messbaren Wert schafft, durch Resilienz, Privatsphäre, Inklusion und lokale Wirtschaftsaktivität. Selbst bei einer bewusst konservativen Methodik übersteigt der gesellschaftliche Nutzen die Kosten deutlich.“

Einheitlicher Rahmen für politische Entscheidungen

„Diese Studie liefert die bislang fehlenden Informationen, um die Rolle von Bargeld in modernen Gesellschaften zu bewerten. Erstmals können politische Entscheidungsträger sowohl die Kosten als auch den Nutzen von Bargeld in einem einheitlichen Rahmen beurteilen“, ergänzt Frane Maroevic, Director General der International Currency Association.

Die Analyse verbindet die Umfrageergebnisse mit Interviews unter Interessengruppen und makroökonomischen Daten. Untersucht wurden nationale Sicherheit und systemische Widerstandsfähigkeit, Freiheit und Privatsphäre, Inklusion und universeller Zugang, finanzielle Kontrolle und persönliche Disziplin sowie Konsumentenrente, Wettbewerb und Unabhängigkeit.

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