Pontes verbindet Blockchain-Märkte mit dem Euro-Zahlungssystem

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Jan Mooren, M.M. Warburg & CO
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Mit Pontes verbindet die Europäische Zentralbank ihr Zahlungssystem erstmals direkt mit blockchainbasierten Kapitalmärkten. Die Infrastruktur soll Transaktionen beschleunigen und Europas Abhängigkeit von privaten Zahlungsanbietern begrenzen. Doch wie ergänzt sie den geplanten digitalen Euro?

Die Europäische Zentralbank hat mit Pontes erstmals eine direkte Verbindung zwischen ihrem Zahlungssystem und blockchainbasierten Kapitalmärkten geschaffen. Seit dem 21. September können Banken Transaktionen mit tokenisierten Wertpapieren über digitale Handelsplattformen in Zentralbankgeld abwickeln. Tokenisierung ist damit von einem ehemaligen Thema aus dem Kryptobereich zu einem Baustein institutioneller Finanzmarktinfrastruktur geworden. Bemerkenswert ist, dass die EZB dafür eine Technologie in ihre Infrastruktur integriert, die ursprünglich vor allem mit Kryptowährungen wie Bitcoin und dem Anspruch verbunden war, eine Alternative zum etablierten Finanzsystem zu schaffen. Sie verwendet Distributed Ledger Technologie nicht als private Währung und nicht als alternatives Zahlungssystem, sondern um ihr Zentralbankgeld digital mit den Handelsplattformen tokenisierter Finanzmärkte zu verbinden.


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Synchronisierung von Wertpapier und Zahlung

Technisch bindet Pontes diese Plattformen an das TARGET-System an. Über dieses hochsichere Echtzeitzahlungssystem wickeln Banken bereits heute große Eurozahlungen untereinander und mit der EZB ab. Durch Pontes werden die Übertragung eines tokenisierten Wertpapiers und die dazugehörige Eurozahlung synchronisiert. Gerade bei tokenisierten Anleihen, Geldmarktpapieren oder Fondsanteilen können sich dadurch Abwicklungszyklen verkürzen, Gegenparteirisiken sinken und Liquiditätskosten zurückgehen. Werden weitere Schritte im Lebenszyklus dieser Wertpapiere digital zusammengeführt, lassen sich Prozesse automatisieren, beschleunigen und weniger fehleranfällig gestalten. Dass die EZB selbst einen kleinen Teil ihrer Eigenmittel in tokenisierte, auf Euro lautende Wertpapiere investieren will, unterstreicht die Ernsthaftigkeit, mit der sie die Entwicklung tokenisierter Finanzmärkte verfolgt.

Zentralbankgeld und europäische Souveränität

Die strategische Bedeutung reicht jedoch weit über die technische Effizienz hinaus. Die EZB will die Rolle von Zentralbankgeld auch in einem zunehmend digitalen Finanzsystem sichern. Ohne eine solche Infrastruktur könnte sich das Settlement tokenisierter Geschäfte stärker auf Dollar Stablecoins oder anderes privates Geld verlagern. Das würde die europäische Finanzinfrastruktur stärker von privaten und vielfach außereuropäischen Anbietern abhängig machen. Vor dem Hintergrund einer fragmentierten und international geprägten Zahlungslandschaft ist Pontes deshalb ein wichtiger Beitrag, um die geldpolitische und infrastrukturelle Souveränität Europas zu sichern.

Parallel arbeitet die EZB an einem digitalen Euro für Privatpersonen und Unternehmen. Während Pontes vor allem die Abwicklung institutioneller Geschäfte modernisiert, ermöglicht der digitale Euro in Zukunft den direkten Zugang von Haushalten und Unternehmen zu öffentlichem Zentralbankgeld in digitaler Form. Ein zwölfmonatiger Pilot ist ab der zweiten Hälfte 2027 geplant, eine erste Ausgabe wäre frühestens 2029 möglich und hängt von den erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen ab. Seine Einführung könnte Auswirkungen darauf haben, wie Haushalte und Unternehmen Zentralbankgeld halten und nutzen. 

Digitalisierung schafft neue Verwundbarkeit

Der digitale Euro soll Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Damit wären auch mögliche Folgen für Bankeinlagen, die Zinsweitergabe und die Kreditvergabe verbunden. Heute ist Bargeld der einzige direkte Zugang von Haushalten zu Zentralbankgeld. Da Bargeldzahlungen zurückgehen, sichert ein digitales Pendant die zukünftige Bedeutung der Währung. Das Beispiel Schweden zeigt eine Kehrseite, denn eine weitgehend digitale Zahlungslandschaft schafft auch neue Verwundbarkeiten. Mit Blick auf die hohe Digitalisierung des Zahlungsverkehrs und die internationale Lage empfiehlt die schwedische Riksbank Haushalten, für mögliche Störungen der Zahlungsinfrastruktur, etwa infolge von Cyberangriffen, Bargeld als Vorsorge bereitzuhalten. Lebensmittelgeschäfte und Apotheken sind gesetzlich verpflichtet, wieder Bargeld anzunehmen.

Autor Jan Mooren ist Analyst bei M.M.Warburg & CO.

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