Lula gegen Bolsonaro: Brasiliens Wirtschaft wird zum Wahlkampfrisiko

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Lula da Silva versus Flavio Bolsonaro
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
Brasiliens hohe Zinsen und das Haushaltsdefizit prägen die wirtschaftlichen Risiken vor der Präsidentschaftswahl.

Der brasilianische Präsidentschaftswahlkampf ist knapp und polarisiert. Amtsinhaber Lula da Silva trifft auf Flávio Bolsonaro. Neben Sicherheit und Korruption dürfte vor allem die angespannte Haushaltslage die Politik nach der Wahl bestimmen.

Der Wahlkampf zur brasilianischen Präsidentschaftswahl hat gerade erst begonnen, doch die Fronten sind bereits verhärtet. Der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva tritt gegen Flávio Bolsonaro an, den Sohn des früheren rechten Präsidenten Jair Bolsonaro. Die erste Wahlrunde findet am 4. Oktober statt.

Aktuelle Umfragen sehen Lula in einer möglichen Stichwahl mit drei bis vier Prozentpunkten vor seinem Herausforderer. Viele Beobachter rechnen mit einem Sieg des Amtsinhabers. Für ihn sprechen eine respektable Wachstumsbilanz, anhaltende Investitionen und seine demonstrative Haltung gegenüber internationalem Druck. Angesichts der verbleibenden Zeit ist der Vorsprung jedoch keineswegs sicher.

Unabhängig vom Wahlausgang übernimmt der nächste Präsident am 1. Januar 2027 eine Volkswirtschaft mit außergewöhnlich hohen Zinsen und erheblichen fiskalischen Problemen. Graham Stock, Emerging Market Senior Sovereign Strategist bei RBC BlueBay Asset Management, sieht vor allem die Geldpolitik und den Staatshaushalt als zentrale Herausforderungen.

Hohe Realzinsen erschweren Brasiliens Schuldenmanagement

Wegen der hartnäckigen Inflation liegt der reale Zinssatz in Brasilien bei fast zehn Prozent. Die Zentralbank verfolgt einen orthodoxen Kurs: Auf deutliche Zinserhöhungen folgen schrittweise Senkungen um jeweils 25 Basispunkte. Damit will sie die Inflationserwartungen unter Kontrolle halten.

Für den Staat sind langfristige Anleihen auf diesem Zinsniveau allerdings sehr teuer. Die Regierung setzt deshalb verstärkt auf variabel verzinsliche Papiere. Investoren begrüßen den Strategiewechsel, weil sie einen erneuten Anstieg der Inflation und der Leitzinsen nicht ausschließen. Für den Staat bedeutet die Konstruktion jedoch, dass er einen größeren Teil des Zinsrisikos trägt.

Das Haushaltsdefizit bleibt nach Einschätzung Stocks das Kernproblem. Mit rund 7,5 bis acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist das nominale Defizit so hoch, dass selbst ein annähernd ausgeglichener Primärsaldo die Schuldenquote nicht stabilisieren dürfte. Nötig wäre ein höherer Primärüberschuss, bei dem die Einnahmen die Ausgaben vor Berücksichtigung der Zinszahlungen deutlich übersteigen.

Beide Lager sehen Bedarf für eine straffere Finanzpolitik

Von Flávio Bolsonaro erwarten viele Marktbeobachter eine orthodoxere Haushaltspolitik als von Lulas Arbeiterpartei PT. Der Herausforderer hat sich bislang allerdings kaum zu wirtschaftspolitischen Fragen geäußert. Sein Wahlkampf konzentriert sich vor allem auf Sicherheit, Kriminalität und Korruption.

Sowohl Regierung als auch Opposition erkennen grundsätzlich weiteren Anpassungsbedarf an. Die amtierende Regierung räumt ein, dass die Finanzpolitik straffer und der Primärüberschuss höher ausfallen muss. Auch die Opposition verfolgt diese Richtung, ohne jedoch einen radikalen Sparkurs nach dem Vorbild des argentinischen Präsidenten Javier Milei anzustreben.

Der Zugang zum Kapitalmarkt ist bislang nicht beeinträchtigt. Auf Dollar lautende internationale Schulden machen nur einen kleinen Teil der brasilianischen Verbindlichkeiten aus, während der Großteil der Finanzierung im Inland erfolgt. Brasilien kann Anleihen mit einem Aufschlag von 180 bis 200 Basispunkten gegenüber US-Staatsanleihen emittieren. Für ein Land mit einem BB-Rating ist dieser Abstand vergleichsweise gering.

Vertrauen entscheidet über die Finanzierungskosten

Beim Vergleich brasilianischer und amerikanischer Staatsanleihen kommt es Stock zufolge letztlich auf das Vertrauen in die jeweiligen Emittenten an. Brasilien kann zusätzliche Real schaffen, riskiert damit aber einen Anstieg der Inflation. Die Erfahrungen mit der Hyperinflation der 1980er-Jahre sind weiterhin präsent, während das Vertrauen in die Fähigkeit des Landes zur dauerhaften Kontrolle dieses Risikos fragil bleibt.

Die USA können dagegen bereits mit moderaten Zinsaufschlägen einen deutlich größeren Teil des weltweiten Sparvermögens mobilisieren. Auch diese Fähigkeit ist nicht unbegrenzt. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Nachfrage: Internationale Investoren wollen in großem Umfang Dollar-Anlagen halten, während die Nachfrage nach brasilianischen Real deutlich geringer ist.

Graham Stock, Emerging Market Senior Sovereign Strategist bei RBC BlueBay Asset Management


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