Munich Re hat erste, vorläufige Kennzahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Danach erwirtschaftete der Rückversicherer einen Gewinn von etwa 1,7 Milliarden Euro und lag damit deutlich über dem von Analysten erwarteten Konsenswert von 1,479 Milliarden Euro. Das teilte der Konzern in einer Ad-hoc-Mitteilung mit. Die endgültigen Quartalszahlen folgen nach Angaben des Rückversicherers am 12. November 2026.
Konzern hebt Gewinnprognose auf 6,6 Milliarden Euro an
Nach neun Monaten des Jahres 2026 lag das Konzernergebnis bei 5,7 Milliarden Euro. Darauf aufbauend passte Munich Re die Gewinnprognose für 2026 nach oben an - von zuvor 6,3 Milliarden auf nun 6,6 Milliarden Euro. Für das vierte Quartal signalisierte der Konzern zudem, die Bilanz - abhängig von der weiteren Entwicklung bei Großschäden - dort, wo es sinnvoll erscheint, zusätzlich zu stärken.
| Zeitraum | Konzernergebnis | Kommentar |
|---|---|---|
| Erstes Quartal 2026 | 1,7 Milliarden Euro | Eigenkapitalrendite (annualisiert): 19,7 Prozent |
| Erstes Halbjahr 2026 | 3,925 Milliarden Euro | Kapitalanlageergebnis: 3,159 Milliarden Euro; Portfoliorendite: 5,5 Prozent |
| Neun Monate 2026 (erstes bis drittes Quartal) | 5,7 Milliarden Euro | Drittes Quartal (vorläufig): rund 1,7 Milliarden Euro, über dem Analystenkonsens von 1,479 Milliarden Euro |
| Jahresziel 2026 (neu) | 6,6 Milliarden Euro | Zuvor: 6,3 Milliarden Euro |
Erstes Halbjahr über Vorjahresniveau
Bereits in den ersten beiden Quartalen 2026 übertraf der Konzern das Vorjahresergebnis. So verbuchte Munich Re im ersten Quartal einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro - im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es 1,094 Milliarden Euro gewesen. Die auf das Jahr hochgerechnete Eigenkapitalrendite lag bei 19,7 Prozent.
Nach dem ersten Halbjahr stand ein Konzerngewinn von 3,925 Milliarden Euro zu Buche, verglichen mit 3,178 Milliarden Euro im Jahr davor. Zum Kapitalanlageergebnis von 3,159 Milliarden Euro kam eine Portfoliorendite von 5,5 Prozent hinzu. Anleger der Münchener-Rück-Aktie blicken damit auf zwei Quartale über Vorjahresniveau zurück.
Münchener-Rück-Aktie: Gewinnplus trotz nachgebender Preise
Dieser Gewinnzuwachs erfolgt zu einer Zeit, in der am Rückversicherungsmarkt die Preise tendenziell sinken. So reduzierte sich bei den April-Erneuerungen 2026 das Volumen von Munich Re um 18,5 Prozent, während die Preise um 3,1 Prozent zurückgingen. Bei den Juli-Erneuerungen gab das Volumen um 9,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro nach, die risikoadjustierten Preise sanken um 5,5 Prozent. Dabei blieben die Vertragsbedingungen weitgehend unverändert.
Die Munich Re begegnet dieser Entwicklung mit einer selektiven Zeichnungspolitik. Vorstandsvorsitzender Christoph Jurecka erklärt im Halbjahresbericht, der Konzern verzichte bewusst auf Geschäft, bei dem die Preise nicht risikoadäquat seien: „Wir verzichten bewusst darauf, Geschäfte anzunehmen, bei denen die Preise nicht dem Risiko angemessen wären.“
| Ereignis | Preis- und Volumenentwicklung |
|---|---|
| April-Erneuerung 2026 (Munich Re) | Volumen minus 18,5 Prozent; Preise minus 3,1 Prozent |
| Juli-Erneuerung 2026 (Munich Re) | Volumen minus 9,1 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro; risikoadjustierte Preise minus 5,5 Prozent |
| Ausblick 1. Januar 2027 (Hannover Rück) | Insgesamt leicht sinkende Preise, überwiegend stabile Bedingungen |
| Ausblick 2027 (S&P Global Ratings) | Preisrückgang in ähnlicher Größenordnung wie 2026 |
| Ausblick 2027 (Fitch Ratings) | Sektorausblick „sich verschlechternd“; moderat weiter sinkende Preise |
Ausblick 2027: Preisdruck am Rückversicherungsmarkt hält an
Die Hannover Rück erwartet für die Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2027 unterm Strich leicht nachgebende Preise bei im Großen und Ganzen unveränderten Bedingungen. Die eigene Zeichnungskapazität in der Rückversicherung will der Konzern zumindest auf gleichem Niveau halten, soweit sich dabei risikogerechte Preise durchsetzen lassen. Beim Branchentreffen Anfang September in Monte Carlo erklärt Vorstandsvorsitzender Clemens Jungsthöfel: „Zunehmende Unsicherheiten in Verbindung mit einem immer härter werdenden Wettbewerb machen das Rückversicherungsgeschäft zu einer größeren Herausforderung - wir schaffen die Grundlage für profitables Wachstum.“ Damit rückt das Marktumfeld 2027 auch für die Münchener-Rück-Aktie stärker in den Blick.
Die Ratingagenturen erwarten ebenfalls weiter nachgebende Preise. So geht S&P Global Ratings davon aus, dass die Preisabschwächung 2027 ein ähnliches Ausmaß erreicht wie 2026, während der Druck auf die Vertragsbedingungen zunimmt. Dennoch stuft die Agentur den Sektorausblick weiterhin als stabil ein. Fitch Ratings sieht den Ausblick für den weltweiten Rückversicherungssektor 2027 unverändert als „sich verschlechternd“ an. Begründet wird dies mit moderat weiter nachgebenden Preisen, einer steigenden Schadeninflation sowie reichlich vorhandener Marktkapazität - bei gleichzeitig sehr solider Kapitalausstattung der Branche.
Laut der Sigma-Studie des Swiss Re Institute sinkt das weltweite Prämienwachstum in der Schaden- und Unfallversicherung 2026 auf einen zyklischen Tiefstand von 0,6 Prozent und steigt 2027 nur leicht auf ein Prozent. Ein wesentlicher Treiber dieser Marktabschwächung ist das vorhandene Kapital: Das globale Rückversicherungskapital kletterte Mitte 2026 Marktbeobachtungen zufolge auf einen Rekordwert von rund 800 Milliarden US-Dollar.
Unterschätztes Risiko: Lücke bei mittelgroßen Schäden
Nach Angaben von Munich Re gingen mittelgroße Schadenereignisse wie Hagel, lokale Brände oder Überschwemmungen - allein 2025 weltweit mit rund 104 Milliarden US-Dollar zu Buche, umgerechnet knapp 90 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich um ein strukturelles Risiko, das von Modellen bislang unterschätzt wird. Hinzu kommt die generelle Versicherungslücke bei Naturkatastrophen: Für das erste Halbjahr 2026 bezifferte Munich Re die weltweiten Schäden auf rund 112 Milliarden US-Dollar, von denen lediglich etwa 44 Milliarden US-Dollar versichert waren. Das entspricht einer Deckungslücke von rund 60 Prozent.












