Adviser Alpha: Wie gute Beratung Anlegern jährlich drei Prozentpunkte mehr bringt

Foto: AdobeStock/Thomas Reimer
Gute Beratung schafft Mehrwerte

Viele Deutsche investieren an der Börse. Doch zwischen Marktzugang und fundierter Finanzbildung klafft eine wachsende Lücke. Ein neuer Branchenreport zeigt, was das für Berater und ihre Kunden konkret bedeutet.

14,1 Millionen Anleger in Deutschland – so viele wie nie zuvor. Gleichzeitig wächst die Komplexität der Märkte: Nachhaltigkeitsregulierung, KI-getriebene Finanzprodukte und neue EU-Vorgaben stellen Berater vor wachsende Anforderungen. Ein Branchenreport der digitalen Weiterbildungsplattform Sachkundegurus zeigt, dass in diesem Umfeld fachliche Qualifikation zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal wird. Und das gilt für die Berater ebenso wie für ihre Kunden.


Das könnte Sie auch interessieren:

Der Report stützt sich auf eine Recherche relevanter Marktzahlen und zeichnet ein sehr klares Bild: Die wachsende Zahl an Privatanlegern trifft hierzulande auf eine strukturelle Bildungslücke. Das Institut der deutschen Wirtschaft verweist darauf, dass Deutschland zwar bei Sozialausgaben international Spitzenreiter ist, im Bereich der Bildung mit einem Anteil von 9,3 Prozent an den Gesamtausgaben jedoch deutlich hinter Nachbarstaaten wie Österreich oder der Schweiz zurückbleibt. Und das hat auch folgen für die Finanzbildung. „Gute Finanzberatung schließt gerade in Deutschland eine bestehende Bildungslücke und ermöglicht vielen Sparern erst, an den Entwicklungen der Finanzmärkten teilzuhaben“, sagt Michael Bickel, Geschäftsführer von Sachkundegurus.

Professionelle Beratung hat damit eine gesellschaftliche Funktion. Private Berater werden zu Multiplikatoren – nicht nur im wirtschaftlichen Sinne, sondern als Mittler zwischen Kapitalmarkt und einer Bevölkerung, der systematisch der Zugang zu Finanzbildung fehlt.

Drei Prozentpunkte mehr Rendite durch qualifizierte Beratung

Dass sich gute Beratung auch finanziell lohnt, belegen Daten des Assetmanagers Vanguard. Demnach können qualifizierte Berater die Nettorendite für Anleger jährlich um bis zu drei Prozentpunkte steigern – ein Effekt, den Vanguard als „Adviser Alpha“ bezeichnet. Den größten Einzelbeitrag liefert dabei das Verhaltenscoaching mit 1,5 Prozentpunkten: Geschulte Berater bewahren Kunden in Panikphasen vor voreiligen Entscheidungen, die langfristig Rendite kosten.

Die kumulativen Auswirkungen sind erheblich. Bei einem Startkapital von 100.000 Euro und einer Laufzeit von 30 Jahren ergibt sich bei vier Prozent Rendite – ohne professionelle Begleitung – ein Endwert von rund 324.340 Euro. Mit professioneller Beratung und sieben Prozent Rendite wächst dasselbe Kapital auf rund 761.225 Euro. Die Differenz von mehr als 430.000 Euro entspricht einer Steigerung von rund 75 Prozent.

Dieses Potenzial können jedoch nur Berater heben, die fachlich auf der Höhe sind. Qualifikation ist damit keine formale Voraussetzung, sondern ein direkt messbarer Wettbewerbsvorteil.

EU-Regulierung erhöht den Druck auf kontinuierliche Weiterbildung

Die Rahmenbedingungen verschärfen sich regulatorisch. Mit der kommenden EU Retail Investment Strategy soll lebenslanges Lernen zur Pflicht für Finanzberater werden. Bickel begrüßt die Entwicklung: „Die RIS macht lebenslanges Lernen zur Pflicht – ein Schritt, den wir voll unterstützen. Diese Gesetzgebung ist ein Qualitätssiegel, das den hohen Wert professioneller Beratung erst so richtig sichtbar macht.“

Parallel steigt der Druck aus einem anderen Bereich: Zwischen 60 und 80 Prozent der Anleger interessieren sich für nachhaltige Investments. Seit August 2022 schreibt MiFID II die Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen bereits verpflichtend vor. Viele Ausbildungen halten mit dem schnell wachsenden Angebot an ESG-konformen Produkten jedoch nicht Schritt – ein Qualifikationsgap, der im Beratungsalltag spürbar wird.

Trotz der wachsenden Anforderungen bleibt die Zahl der zugelassenen Finanzanlagenvermittler mit rund 41.000 stabil. Angesichts des steigenden Bedarfs an qualifizierter Vorsorgeberatung und der zunehmenden Komplexität an den Kapitalmärkten sieht Bickel darin vor allem eine Chance für Einsteiger. „Wer seine berufliche Zukunft mit einer fundierten Ausbildung beginnt, kann für seine Kunden Mehrwert stiften und so langfristige Beziehungen aufbauen“, betont er. Die Zulassung nach Paragraf 34f der Gewerbeordnung bleibt dabei die Eintrittskarte in einen Markt, der Kompetenz zunehmend belohnt.


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen