Nach EZB-Zinsentscheid: ZIA ruft nach einem „Bauturbo II“

Iris Schöberl, ZIA
Foto: ZIA/Laurence Chaperon
Iris Schöberl, ZIA: "Fehlt die Wirtschaftlichkeit, fehlen am Ende auch die Wohnungen ."

Der ZIA reagiert auf den aktuellen EZB-Zinsentscheid mit einer klaren Forderung: Solange Hypothekenzinsen bei rund vier Prozent verharren und Baukosten hoch bleiben, reicht Geldpolitik allein nicht aus. Welche konkreten Maßnahmen der ZIA und weitere Verbände einfordern.

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) hat den gestrigen Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank zum Anlass genommen, bessere Investitionsbedingungen in Deutschland anzumahnen. Trotz der geldpolitischen Entscheidungen der EZB liegen die zehnjährigen Hypothekenzinsen weiterhin bei rund vier Prozent – ein Niveau, das deutlich über den Tiefstständen der Niedrigzinsjahre liegt. Gleichzeitig bleiben die Baupreise hoch, was Investitionen in Wohnungsbau, Modernisierung und Klimaschutz spürbar erschwert.


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„Die EZB handelt im Rahmen ihres Mandats zur Preisstabilität. Für die Immobilienwirtschaft bleibt jedoch eine zentrale Herausforderung bestehen: Finanzierungskosten liegen weiterhin deutlich über dem Niveau früherer Jahre, während hohe Baukosten Investitionen in Wohnungsbau, Modernisierung und Klimaschutz erschweren“, sagt Iris Schöberl, Präsidentin des ZIA.

Die Auswirkungen dieser Gemengelage sind laut ZIA bereits im Markt sichtbar: Genehmigte Projekte werden verschoben, Neubauten neu kalkuliert oder gestoppt, energetische Sanierungen auf unbestimmte Zeit vertagt. Gleichzeitig bleibt der Druck auf dem Wohnungsmarkt erheblich. In vielen Regionen liegt der Leerstand bei zwei Prozent oder darunter – zu wenig für ein funktionierendes Marktgleichgewicht.

Wohnungslücke wächst

Bis 2040 benötigt Deutschland nach ZIA-Einschätzung jährlich rund 257.400 neue Wohnungen. Das liegt zwar deutlich unter früheren Schätzungen und Zielen der Bundesregierung, gebaut wird jedoch noch weniger. Schöberl: „Fehlt die Wirtschaftlichkeit, fehlen am Ende auch die Wohnungen – mit Folgen für Mieten und soziale Stabilität. Familien suchen oft monatelang nach bezahlbarem Wohnraum, während Projekte trotz Baugenehmigung in der Schublade bleiben.“

Der ZIA sieht in dieser Situation einen klaren Handlungsauftrag für die Politik. Gemeinsam mit anderen Bau-, Wohnungs- und Finanzverbänden fordert der Verband in einem öffentlichen Appell einen „Bau-Turbo II“ in Form eines „Finanzierungsturbos“. Konkret verlangen die Verbände eigenkapitalersetzende Maßnahmen wie Bürgschaften, Garantien oder Zuschüsse. Daneben sprechen sie sich für verbesserte und verlässlichere Abschreibungsmöglichkeiten aus. Für Ersterwerber von Wohneigentum fordern sie zudem erneut ein temporäres Aussetzen der Grunderwerbsteuer.

„Die EZB macht ihre Arbeit als Währungshüterin. Ob jedoch tatsächlich wieder verstärkt investiert und gebaut wird, hängt maßgeblich von den politischen und investitionsfreundlichen Rahmenbedingungen ab, die die Bundesregierung jetzt setzen muss“, betont Schöberl.


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