Rentenversicherung unter Druck: „Die Zeit läuft ab“

Peter Schwark
Foto: Christian Kruppa
Peter Schwark, DIA. „Damit wird die Rentenfrage endgültig zur zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderung."

Das Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrates belegt, was Demografieexperten seit Jahren wissen: Die Alterung der Gesellschaft gefährdet die Finanzierung der Sozialversicherungen grundlegend. Warum das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) sich durch das Gutachten bestätigt sieht.

Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) sieht im Frühjahrsgutachten des Sachverständigenrates eine Bestätigung seiner langjährigen Einschätzung zur demografischen Lage in Deutschland. Die Alterung der Gesellschaft setze die sozialen Sicherungssysteme stärker unter Druck als politisch bislang berücksichtigt werde.

„Das Gutachten macht unmissverständlich deutlich, dass die Alterung der Gesellschaft nicht nur das Arbeitskräfteangebot reduziert, sondern gleichzeitig die Finanzierung der Sozialversicherungen massiv belastet“, sagt DIA-Sprecher Peter Schwark. „Damit wird die Rentenfrage endgültig zur zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderung.“


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Der Sachverständigenrat stellt fest, dass die beitragspflichtigen Einnahmen deutlich langsamer wachsen als die Ausgaben der Sozialversicherungen. Gleichzeitig erwartet der Rat einen kräftigen Anstieg der Beitragssätze – mit spürbaren Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung. Nach den Berechnungen des Rates könnte der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz bis zum Jahr 2040 auf nahezu 50 Prozent steigen.

„Diese Größenordnung zeigt, dass die bisherigen Stellschrauben allein nicht ausreichen“, sagt Schwark. „Die Belastungsgrenzen für Beschäftigte und Unternehmen werden sonst überschritten.“ Steigende Beitragssätze mindern laut Gutachten nicht nur die Nettoeinkommen der Haushalte, sondern schwächen auch Erwerbsanreize und Investitionen.

Steigende Sozialabgaben als Wachstumsbremse

Schwark warnt vor einem sich selbst verstärkenden Mechanismus: „Wir laufen sehenden Auges in eine Situation, in der steigende Sozialabgaben selbst zum Wachstumshemmnis werden. Das schwächt die Finanzierungsbasis zusätzlich – ein gefährlicher Kreislauf.“ Das Gutachten legt damit offen, dass die fiskalischen Risiken über die Sozialversicherungen hinaus in die gesamtwirtschaftliche Dynamik ausstrahlen.

Auch wenn das Frühjahrsgutachten einen Schwerpunkt auf Kranken- und Pflegeversicherung legt, bestätigt es den Reformbedarf in der gesetzlichen Rentenversicherung. Mit dem einsetzenden Renteneintritt der Babyboomer-Generation verschärfe sich die Lage nun spürbar. „Die demografische Entwicklung trifft die Rentenversicherung mit voller Wucht – und zwar jetzt, mit dem Beginn der Babyboomer-Ruhestandsphase“, sagt Schwark. „Ohne strukturelle Reformen wird sich die Kostendynamik deutlich beschleunigen.“

Das DIA begrüßt, dass der Sachverständigenrat erneut die Bedeutung ergänzender kapitalgedeckter Vorsorge hervorhebt. Diese sei notwendig, um die absehbaren Belastungen der umlagefinanzierten Systeme abzufedern. „Eine stärkere kapitalgedeckte Zusatzvorsorge ist kein ‚Nice-to-have‘, sondern eine zwingende Ergänzung“, sagt Schwark. „Sie sorgt für Risikodiversifikation, entlastet die Beitragszahler und stärkt zugleich die Kapitalbildung in der Volkswirtschaft.“

Reform der Rentenversicherung als politischer Auftrag

Aus Sicht des DIA reicht es nicht, einzelne Parameter anzupassen. Gefordert sei ein ausgewogenes Reformpaket, das die Lasten fair zwischen den Generationen verteilt. Das Gutachten richtet sich nach dieser Lesart auch direkt an die Alterssicherungskommission der Bundesregierung.

„Die Zeit für inkrementelle Anpassungen läuft ab“, erklärt Schwark. „Jetzt braucht es ein Gesamtkonzept, das Umlageverfahren und Kapitaldeckung sinnvoll miteinander verzahnt und die Alterssicherung langfristig stabilisiert.“

DAS SAGT DIE REDAKTION

Stefan Löwer
Stefan Löwer Ressortleiter Sachwertanlagen & Immobilien, Ressortleiter Finanzberater

Wir Boomer sind wirklich viele. Zuerst haben wir, jedenfalls im damaligen Westdeutschland, die Schulen überrannt, dann die Fahrschulen geflutet, wenig später die Universitäten aus den Nähten platzen lassen. Dass der Tsunami ein paar Jahrzehnte Arbeit später die Gesundheits- und Altersversorgung erreicht, kommt nicht überraschend. Schließlich sind wir schon seit mehr als 60 (!) Jahren da. Dass nun aber wieder einmal alle – wie nach einer plötzlichen Naturkatastrophe – wie ein aufgeregter Hühnerhaufen durcheinanderlaufen und sich mit hektischen Vorschlägen überschlagen, ist nur schwer erträglich.

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