Bitkom: Jeder Vierte vertraut KI mehr als dem Finanzberater

Illustration zum Konzept von KI-Datenanalyse und Unternehmenswachstum mit einem Roboter, der ein Gewinn-Balkendiagramm für eine Präsentationsgrafik zum finanziellen Erfolg optimiert.
Foto: AdobeStock/Lashan
Künstliche Intelligenz hält Einzug in die persönliche Finanzplanung.

Eine neue Bitkom-Studie zeigt: Die Deutschen sind beim Thema KI und Finanzen tief gespalten. Während ein Viertel einer KI Finanzentscheidungen überlassen würde, lehnt fast die Hälfte den Einsatz grundsätzlich ab.

Künstliche Intelligenz hält Einzug in die persönliche Finanzplanung: Allerdings begegnen die Deutschen der Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Laut einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom kann sich mehr als jeder Vierte (27 Prozent) vorstellen, einer KI künftig den Großteil seiner Finanzentscheidungen zu überlassen. Gleichzeitig lehnt rund die Hälfte (49 Prozent) den Einsatz von KI bei Finanzthemen grundsätzlich ab. 56 Prozent sehen im KI-Einsatz eine Chance, 40 Prozent ein Risiko.


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Die Grundhaltung gegenüber KI ist dabei stark vom Alter abhängig. In der Gruppe der 16- bis 29-Jährigen sehen 68 Prozent Chancen in KI-Anwendungen rund um Finanzen. Bei Menschen über 65 Jahren gilt das nur für etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent). „KI verändert die Finanzbranche schon jetzt und langfristig dürfte es keine Bank geben, die auf KI verzichtet. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher müssen von dem Nutzen einer Finanz-KI aber noch überzeugt werden“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Finanzen sind eine Vertrauensfrage. Daher müssen KI-Anwendungen gerade hier transparent, sicher und in ihren Aussagen nachvollziehbar sein.“

Ein Viertel (25 Prozent) hat nach eigenen Angaben bereits eine KI-Anwendung wie ChatGPT in finanziellen Angelegenheiten um Rat gefragt. Drei von zehn Befragten (30 Prozent) sind überzeugt, KI könne Finanzen besser erklären als ein Mensch. Jeder Vierte (24 Prozent) vertraut KI sogar mehr als einem menschlichen Finanzberater.

KI-Hoffnung trifft auf Betrugsangst

Trotz des wachsenden Interesses ist die Sorge vor Missbrauch erheblich: 62 Prozent der Deutschen machen sich wegen KI größere Sorgen um Betrug im Finanzbereich. Vertrauen und Skepsis halten sich damit in einem spannungsreichen Gleichgewicht. „KI unterstützt bei der klassischen Finanzberatung nicht nur, sie tritt zunehmend in Konkurrenz zu ihr“, so Wintergerst.

Die Digitalisierung der Banken selbst erhält von ihren Kunden derzeit die Schulnote 3,0 – also ein „Befriedigend“. Damit hat sich die Zufriedenheit im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert (2025: 3,1; 2024: 2,9; 2023: 3,1). „Die meisten Banken sind in den letzten Jahren in Sachen Digitalisierung sehr gut vorangekommen, gleichzeitig steigen aber auch die Kundenerwartungen“, kommentiert Wintergerst.

Digitale Angebote sind für viele Bankkundinnen und -kunden mittlerweile ein entscheidendes Auswahlkriterium – und verdrängen dabei zunehmend klassische Kriterien. Die Höhe der Bankgebühren bleibt zwar mit 94 Prozent das meistgenannte Kriterium. Auf Platz zwei folgt jedoch bereits die benutzerfreundliche Banking-App, die 87 Prozent der Befragten als wichtig einstufen – gegenüber 78 Prozent im Vorjahr ein deutlicher Anstieg. Die Möglichkeit, Mobile-Payment-Anwendungen zu nutzen, legte im gleichen Zeitraum von 62 auf 72 Prozent zu.

Banking-App als wichtigster Kontakt zur Bank

Klassische Kriterien behalten dennoch Gewicht: 87 Prozent achten auf kostenlos nutzbare Geldautomaten, 79 Prozent auf gebührenfreien Bargeldzugang im Ausland. Bankfilialen hingegen sind für weniger als die Hälfte der Befragten (45 Prozent) noch ein relevantes Kriterium – 2025 waren es noch 50 Prozent. Persönliche Beratung stufen noch genau die Hälfte (50 Prozent) als wichtig ein, nach 54 Prozent im Vorjahr.

55 Prozent der Bankkundinnen und -kunden würde ohne Filialen nichts fehlen, ebenso viele gehen nur dann in eine Filiale, wenn es ihr Anliegen zwingend erfordert. Online-Banking nutzen 84 Prozent der Deutschen – ein leichter Rückgang gegenüber 86 Prozent im Vorjahr. In den Altersgruppen unter 65 Jahren ist die Nutzung mit 90 bis 95 Prozent nahezu flächendeckend. Ab 75 Jahren sind es hingegen nur noch rund 35 Prozent.

Beim Online-Banking dominiert das Smartphone: 92 Prozent der Online-Banking-Nutzer verwenden die App ihrer Bank, 70 Prozent sind damit zufrieden. Für rund die Hälfte (51 Prozent) ist die App bereits der wichtigste Kontaktpunkt zur eigenen Bank. 86 Prozent schätzen dabei die ständige Verfügbarkeit – 46 Prozent erledigen Bankgeschäfte per App auch an öffentlichen Orten. „Wer Banking-Apps unterwegs nutzt, sollte unbedingt auf sichere Netzwerke achten und sensible Informationen auf dem Display vor fremden Blicken schützen“, sagt Wintergerst.

Banking-App als digitaler Identitätsnachweis

Die Rolle der Banking-App könnte künftig noch deutlich größer werden. Sieben von zehn Befragten (69 Prozent) sind offen dafür, ihre App zur digitalen Identifizierung zu nutzen – etwa als Ausweis oder Altersnachweis. Knapp die Hälfte (49 Prozent) würde in der App auch nicht-bankspezifische Nachweise wie Gehaltsnachweise hinterlegen.

„Banken genießen großes Vertrauen beim Umgang mit sensiblen Daten. Das eröffnet Chancen für neue digitale Identitätsdienste und zusätzliche Angebote weit über klassische Finanzdienstleistungen hinaus“, sagt Wintergerst.

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