Stabile Erträge mit System: So wählen Anleger die richtigen Dividendenaktien

Nadine Göhmann, Union Investment
Foto: Union Investment
Nadine Göhmann, Union Investment

In der laufenden Hauptversammlungssaison rücken Dividenden wieder in den Fokus. Doch nicht jede hohe Ausschüttung ist ein Qualitätsmerkmal. Was zählt, ist das kontinuierliche Wachstum der Dividendenrendite – und welche Sektoren Anleger dabei besonders genau unter die Lupe nehmen sollten.

Aktuell läuft wieder die Hauptversammlungssaison. Dann stehen auch Dividenden regelmäßig im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Denn auf den Aktionärstreffen werden die Ausschüttungen an die Anteilseigner verkündet und beschlossen. Dividendenstarke Unternehmen sind vor allem in Europa zu finden.

Auch in diesem Jahr läuft die Dividendensaison gut. Die Ausschüttungen steigen im Schnitt stark an. Das können sie nur, wenn auch das Geschäft der Konzerne entsprechend gut läuft. Sie trotzen der schleppenden konjunkturellen Entwicklung auf dem Alten Kontinent und der aktuellen Belastung durch die hohen Energiepreise. Interessant sind vor allem Unternehmen, die ihren Sitz in Europa haben., aber auch in den USA aktiv sind. Sie profitieren von der robusten US-Wirtschaft. 

Unabhängig von der aktuellen Entwicklung bringen dividendenstarke Unternehmen Vorteile für ein breit aufgestelltes Depot – wenn man bestimmte Regeln beachtet. So sind Firmen, die Dividenden zahlen, oft langfristig erfolgreich, sonst könnten sie sich die Ausschüttungen nicht leisten. Hat ein Konzern also eine Geschichte als zuverlässiger Dividendenzahler, spricht das für ein solides, gewinnbringendes Geschäftsmodell. Solche Unternehmen gehören in jedes gut sortierte Depot, insbesondere als Gegengewicht zu schwankungsintensiveren Wachstumsaktien, etwa aus der Technologiebranche.

Wichtig ist jedoch auch, dass die Firmen sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Das heißt, sie müssen immer wieder vorausschauend in ihr Geschäftsmodell investieren und es anpassen oder weiterentwickeln. Deshalb ist auch die Höhe der Dividende allein kein guter Indikator für die Qualität eines Unternehmens. Denn wichtige Investitionen kosten Geld und schmälern den Betrag, der für die Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung steht. Dennoch sind Anleger mit weitsichtigen Konzernen, die vorausschauend handeln, langfristig besser bedient.

Höhe der Dividendenrendite allein nicht aussagekräftig 

Ähnliches gilt für die Dividendenrendite. Deren Höhe ist nur bedingt aussagekräftig. Der Grund: Sie steigt, wenn der Kurs fällt. Viele dividendenorientierte Fonds legen dennoch den Fokus auf die Höhe der Dividendenrendite. Für Union Investment ist sie eher ein Grund, vorsichtig zu sein. Denn wenn sie besonders hoch ist, kann das ein Zeichen dafür sein, dass das Geschäftsmodell unter Druck steht. Sinnvoller ist es, das Wachstum der Dividendenrendite unter die Lupe zu nehmen. Steigt sie kontinuierlich an, ist das ein guter Indikator dafür, dass das Unternehmen gesund ist.  

Setzt man auf solide Unternehmen, die als zuverlässige Dividendenzahler bekannt sind, bringen die Ausschüttungen grundsätzlich Stabilität ins Depot. Sie sind nicht nur ein willkommenes Zubrot für die Aktionäre, sondern sie federn darüber hinaus auch Kursschwankungen ab. Aktuelle Studien zeigen, dass Dividenden einen erheblichen Anteil der Gesamtrendite einer Aktienanlage ausmachen. So haben Dividenden über den Zeitraum der letzten 40 Jahre mit fast 40 Prozent zur durchschnittlichen jährlichen Gesamtrendite von Aktienanlagen im MSCI Europe-Index beigetragen.

Individuelle Auswahl entscheidend

Es gibt Branchen, die dafür bekannt sind, dass dort in der Regel hohe Dividenden gezahlt werden. Dazu zählen etwa Energie, Basiskonsumgüter und Versorger. Aber ein genauerer Blick zeigt, dass man sich allein darauf bei der Auswahl der Aktien nicht verlassen sollte.

Beispielsweise erlebt der Energiesektor derzeit eine Sonderkonjunktur. Der Iran-Konflikt verschafft der Branche eine geopolitische Prämie. Dennoch muss man hier genau hinschauen, welche Subsektoren eine Investition lohnen. So muss Europa viel mehr in seine Unabhängigkeit beim Thema Energie investieren. Davon profitieren unter anderem Unternehmen, die sich auf Energieinfrastruktur spezialisiert haben. Dieser Bereich erwacht gerade wieder zum Leben, weil der Investitionszyklus erst am Anfang steht.

Gleichzeitig waren Energiekonzerne aber gerade deshalb so zuverlässige Dividendenzahler, weil das nahende Ende des fossilen Zeitalters Investitionen nicht mehr lohnend machte. Also konnte das Geld auch ausgeschüttet werden – oder in Aktienrückkaufprogramme fließen. Der aktuelle Angebotsschock lässt punktuelle Investitionen in neue Förderprojekte jedoch wieder sinnvoll erscheinen, um die geographische Anhängigkeit von einer Förderregion zu verringern. Das wiederum könnte den Dividendentopf der Branche schmälern.

Zu den Branchen mit traditionell hohen Dividendenrenditen zählen Basiskonsumgüter. Aber auch hier müssen Anleger genau hinschauen. Es zeigt sich: Wichtiger als die hohe Rendite ist das Wachstum. So leiden etwa Spirituosen- und Snack-Hersteller zunehmend unter der zurückgehenden Nachfrage nach alkoholischen Getränken und ungesunden Lebensmitteln, weshalb hier Vorsicht angebracht ist. Tierfutteranbieter profitieren hingegen davon, dass sich Menschen wieder vermehrt Katzen ins Haus holen, wie aus den Daten von Versicherern hervorgeht. Der Trend zum Haustier hatte während der Corona Pandemie einen Höhepunkt erlebt und danach wieder deutlich nachgelassen. Jetzt scheinen sich wieder mehr Haushalte für einen vierbeinigen Mitbewohner zu entscheiden.   

Ein Sektor, der aus Anlegersicht uneingeschränkt attraktiv ist, sind Versorger. Die Nachfrage nach Strom steigt seit einiger Zeit massiv wegen Künstlicher Intelligenz, der Digitalisierung und der vermehrten Zulassung von E-Autos – und das nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Diesseits des Atlantiks müssen die Stromnetze erheblich ausgebaut und modernisiert werden, um den erhöhten Bedarf bedienen zu können. Auch dieser Trend dürfte erst am Anfang stehen. Es zeigt sich also, dass unabhängig von der Aussicht auf Dividenden eine sorgfältige Auswahl der Unternehmen, die sich Anleger in ihr Depot legen, unerlässlich ist.

Autorin Nadine Göhmann ist Senior-Portfoliomanagerin bei Union Investment.

Weitere Artikel

Das könnte Sie auch interessieren:

Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen