Altersvorsorgedepot: 52 Prozent der Förderberechtigten wollen einsteigen

Das Wort Altersvorsorge unter der Lupe
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Altersvorsorgedepot: Transparenz und Kosten wichtiger als Rendite, zeigt eine quirion-Umfrage.

Ab Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente für Neuverträge ab. Eine Umfrage des digitalen Vermögensverwalters quirion zeigt: 52 Prozent der Förderberechtigten können sich eine Eröffnung bereits heute vorstellen. Doch woran orientieren sich potenzielle Kunden bei der Produktwahl wirklich?

Nach dem Bundesratsbeschluss vom 8. Mai 2026 steht der Weg zur Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge fest: Ab dem 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot (AVD) die Riester-Rente für Neuverträge ab und ermöglicht erstmals kapitalmarktbasiertes Sparen mit staatlicher Förderung. Eine repräsentative Umfrage des digitalen Vermögensverwalters quirion, durchgeführt von puls Marktforschung unter 1.004 förderberechtigten Personen zwischen 16 und 60 Jahren, zeigt eine bemerkenswert hohe Abschlussbereitschaft.

52 Prozent der Befragten können sich bereits heute vorstellen, ein Altersvorsorgedepot zu eröffnen. Damit liegt die Bereitschaft deutlich über den frühen Riester-Werten: Einer Erhebung der Bertelsmann Stiftung zufolge wollte bis Ende 2002 nur jeder Sechste seine Altersvorsorge durch den Abschluss einer Riester-Rente erhöhen.

Besonders bemerkenswert ist dieses Ergebnis angesichts des geringen Informationsstands: Nur acht Prozent der Befragten geben an, sich bereits gut informiert zu fühlen. Das dürfte in erster Linie daran liegen, dass die genaue Ausgestaltung der Produkte erst in den kommenden Monaten konkretisiert wird.

Transparenz und Kosten vor Rendite

Beim Timing sind die abschlussbereiten Befragten gespalten: 46 Prozent planen, direkt zum Start am 1. Januar 2027 einzusteigen; ebenso viele wollen zunächst Erfahrungswerte abwarten. Als bevorzugte Anbieter werden Banken sowie Neobroker und digitale Vermögensverwalter jeweils mit 46 Prozent leicht bevorzugt – vor staatlichen Trägern mit 44 Prozent und Versicherungen mit 40 Prozent. Die Abschlussbereitschaft ist bei den 16- bis 40-Jährigen am höchsten; auch wer bereits privat vorsorgt, zeigt sich deutlich aufgeschlossener.

Bei der Produktwahl spielen Verständlichkeit und Kosten eine größere Rolle als die Rendite. 59 Prozent der Befragten nennen transparente und verständliche Produktinformationen als wichtigstes Auswahlkriterium. Niedrige Gebühren folgen mit 55 Prozent auf dem zweiten Rang, klare Auszahlungsregeln mit 54 Prozent auf dem dritten. Eine attraktive Rendite rangiert mit 48 Prozent erst auf Platz vier. Nachhaltigkeit bildet mit elf Prozent das Schlusslicht.

Matthias Lamberti, Chief Innovation & Product Manager bei quirion, zieht daraus eine Schlussfolgerung für die Produktgestaltung: „Bei der Riester-Rente haben die strukturellen Vorgaben die Renditechancen massiv eingeschränkt und die Produkte teuer gemacht. Wir werden die Chance nutzen, ein wirklich faires, kostengünstiges und anlegerfreundliches Altersvorsorgedepot inklusive einer KI-basierten Beratung anzubieten, mit dem Ziel einer breiten Einbindung der Bevölkerung.“

Männer planen höhere Einzahlungen als Frauen

Im Schnitt planen die interessierten Befragten, monatlich 181 Euro in das Altersvorsorgedepot einzuzahlen. Dabei zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer wollen monatlich 223 Euro investieren, Frauen lediglich 124 Euro. Besonders investitionsbereit sind Personen mit einem persönlichen Nettoeinkommen über 4.000 Euro – sie planen durchschnittlich 273 Euro monatlich.

Bei einer Sparrate von mehr als 1.800 Euro jährlich – was der geplanten Durchschnittssparrate von 181 Euro monatlich bereits entspricht – erhalten Förderberechtigte den maximalen staatlichen Förderbetrag von 540 Euro im Jahr. Die Förderstruktur ist gestaffelt: 50 Cent je selbst eingezahltem Euro bis zu einem Eigenanteil von 360 Euro jährlich, danach 25 Cent für jeden weiteren Euro bis zu einem Eigenanteil von 1.800 Euro. Hinzu kommen Kinderzulagen von bis zu 300 Euro je Kind und Jahr sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für Abschlüsse vor dem 25. Geburtstag.

Die Umfrageergebnisse legen zudem nahe, dass Anbieter gezielt auch Frauen ansprechen müssen: Insgesamt schätzen Männer das Altersvorsorgedepot deutlich positiver ein als Frauen.

Riester-Sparer vor der Wechselentscheidung

Für Inhaber eines Riester-Vertrags wirft die Reform konkrete Fragen auf. Rund ein Viertel (26 Prozent) der interessierten Befragten mit aktivem Riester-Vertrag will den bestehenden Vertrag ruhen lassen und parallel ein Altersvorsorgedepot eröffnen, um von der neuen Förderung zu profitieren. 22 Prozent planen hingegen, ihr Riester-Guthaben direkt in ein neu eröffnetes AVD zu übertragen.

Karl Matthäus Schmidt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank und Muttergesellschaft von quirion, betont die Verantwortung der Anbieter: „Das Altersvorsorgedepot bietet eine echte Chance – aber nur, wenn Anbieter den Mut haben, konsequent im Interesse des Kunden zu handeln und die Kosten geringzuhalten. Das sollte unserer Auffassung nach nicht nur für das laut aktuellem Beschluss auf ein Prozent gedeckelte Standard-AVD gelten, sondern auch für die individuellen Produkte.“ Für ihn ist klar, was ein gutes Produkt ausmacht: „Ein gutes Altersvorsorgedepot bietet breite Diversifikation, niedrige Kosten und einen klareren Fokus auf langfristige Rendite – ohne versteckte Gebühren.“

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