Silber vor neuem Nachfrageboom: Wird KI zum Preistreiber?

Google Cash. bei Google als bevorzugte Quelle markieren
Silber und KI
Bild: KI-generiert mit ChatGPT / DALL·E
KI-Rechenzentren erhöhen den Silberbedarf. Angebotsdefizite eröffnen Chancen, bergen für Anleger aber erhebliche Risiken.

Silber ist Geldanlage und wichtiger Industrierohstoff zugleich. Der Ausbau von KI-Rechenzentren könnte die Nachfrage nun deutlich erhöhen – in einem Markt, der bereits seit Jahren unter Angebotsdefiziten leidet. Droht das Metall zum Nadelöhr des KI-Booms zu werden?

Silber hat zwei wichtige Funktionen, die die Nachfrage ankurbeln: Es dient als Geldmetall, das wie eine Fremdwährung gehandelt wird, und ist ein zentrales Industriemetall. Während Gold in der Vergangenheit als Zahlungsmittel fungierte und einige wichtige Rohstoffanwendungen besitzt, ist Silber – das weiße Metall – für die Industrie noch bedeutender.

Etwas mehr als die Hälfte des geförderten Silbers fließt in die industrielle Nutzung. Wir haben bereits über das anhaltende strukturelle Silberdefizit geschrieben. Aus unserer Sicht macht dieses Angebotsungleichgewicht Silber für Investoren besonders interessant.


Das könnte Sie auch interessieren:

In den letzten sechs Jahren überstieg die Silbernachfrage das Minenangebot. Das kumulierte Defizit von rund 24.000 Tonnen macht den Silbermarkt laut dem Silver Institute „anfällig für plötzliche Liquiditätsengpässe, schwankende Preise, höhere Prämien und steigende Leihgebühren“.¹

Die Silberförderung aus Minen stieg im vergangenen Jahr um 3 %. Die industrielle Nachfrage sank gleichzeitig um 2 %, bedingt durch eine geringere Solarzellen-Produktion. Dennoch übertraf die Gesamtnachfrage nach Silber das Minenangebot.²

Silber in Ihrem Smartphone

Silber steckt in nahezu jedem Elektro- und Elektronikgerät – vom Lichtschalter bis zum Smartphone – sowie in der Medizin zur Infektionsbekämpfung und in Wasseraufbereitungssystemen. Es überzeugt durch elektrische und thermische Leitfähigkeit, Langlebigkeit und seine antibakteriellen Eigenschaften.

Technologieanwendungen – Fotovoltaikzellen in Solaranlagen, Elektrofahrzeuge samt Ladeinfrastruktur sowie KI-Infrastruktur inklusive Rechenzentren – dürften die Silbernachfrage bis 2030 weiter anheizen, so eine Studie von Oxford Economics.³

Die nächste Generation

Der Bericht betont: Während die Welt die Umstellung auf Elektrifizierung, erneuerbare Energien und KI vorantreibt, nimmt Silber als „Metall der nächsten Generation“ eine Schlüsselrolle ein.

Besonders spannend finden wir die Nachfrage rund um KI und Rechenzentren wegen des enormen geplanten Wachstums in den kommenden fünf bis zehn Jahren. Allein für dieses Jahr haben Amazon, Meta, Microsoft und Alphabet angekündigt, ihre Ausgaben für KI-Infrastruktur von 410 Milliarden US-Dollar im Vorjahr auf 745 Milliarden US-Dollar zu steigern.⁴

Die USA verfügen derzeit über 2.056 Rechenzentren – mehr als jedes andere Land. Laut dem Datendienstleister Aterio sind rund 4.000 weitere Standorte geplant oder angekündigt, 809 befinden sich bereits im Bau.⁵

Hardware und Strom

Silber ist für die Infrastruktur von KI und Rechenzentren unverzichtbar. Innerhalb der Anlagen steckt Silber in Rechenhardware, Energiemanagement, Kühltechnik und Netzwerken. Außerhalb ist Silber entscheidend für die Stromversorgung: von der Erzeugung über die Übertragung bis zur Verteilung.

Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Wasser und Strom. Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet damit, dass sich der Strombedarf von Rechenzentren im kommenden Jahrzehnt etwa verdoppelt. US-Rechenzentren dürften bis 2030 rund 9,3 % des nationalen Stroms verbrauchen – verglichen mit 2,9 % in Europa und 2,3 % in China.⁶

Das nötige Kapital für den geplanten Ausbau von KI und Rechenzentren lässt sich unseres Erachtens ebenso beschaffen wie der Strom: über neue Energieprojekte und Importe. In ähnlicher Weise kann die Erschließung neuer Minen auch das Kupferangebot langfristig steigern; die Kupfernachfrage ist durch den Rechenzentren-Boom stark gestiegen.

Wird Silber KI ausbremsen?

Das Angebot an Silber aus Minen lässt sich jedoch nicht deutlich ausweiten. Aus unserer Sicht könnte Silber zum größten Nadelöhr für den künftigen Ausbau von KI und Rechenzentren werden. Sollte der geplante Bau von KI-Rechenzentren annähernd die Prognosen erreichen, könnte dies zu Rekorddefiziten bei Silber führen.

Im vergangenen November haben die USA Silber auf ihre Liste kritischer Mineralien gesetzt. Diese Liste steuert staatliche Strategien zur Sicherung von Rohstofflieferketten.

Silberminenbetreiber – aber auch Goldminenbetreiber – haben in den letzten Jahren Fusionen und Übernahmen getätigt, um sich zusätzliche Vorkommen zu sichern. Diese Unternehmen sind mit steigenden Metallpreisen in den letzten Jahren profitabler geworden, wurden von Long-only-Investoren bisher jedoch weitgehend ignoriert. Ein Indikator dafür: Die von uns beobachteten Silberminenaktien handeln im Schnitt zum 1,26-Fachen ihres Nettoinventarwerts – weit unter ihrer Bewertung von 2018.⁷ Aus unserer Sicht bleiben die meisten Long-only-Investoren in Edelmetallen sowie in Gold- und Silberminenaktien weiter unterallokiert.

Aktiv vs. Passiv

Wer in Silber- oder Goldminen investiert, sollte hochselektiv vorgehen. Es handelt sich um risikoreiche, operational komplexe Unternehmen. Die Angebots- und Nachfragedynamik bei Silber kann volatil sein und unterliegt makroökonomischen sowie geopolitischen Einflüssen. Auch der Verlauf von Zinsen und Inflation lässt sich schwer prognostizieren, obwohl beide Faktoren wichtige Richtungsgeber für die Silber- und Goldpreise sind.

Ein aktiver Investmentansatz ist aus unserer Sicht wertvoll, um die Risiken rund um Edelmetalle zu steuern. Wir bleiben geduldig und beurteilen die Aussichten für diese Anlageklassen positiv. Silber, Gold und die entsprechenden Silber- sowie Goldminenaktien können eine wichtige Rolle in einem gut diversifizierten Portfolio spielen.

Autor Ned Naylor-Leyland iost Investment Manager Jupiter Gold & Silver.

Quellen:
1.    Silver Institute, World Silver Survey, 15.04.2026
2.    Silver Institute, World Silver Survey, 15.04.2026
3.    „Silver, The Next Generation Metal“, 09.12.2025, Oxford Economics für das Silver Institute
4.    Financial Times, 31.07.2026 https://www.aterio.io/insights/us-data-centers26
5.    Aterio, 08.07.2026
6.    Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA) zum Stromverbrauch von Rechenzentren, zitiert nach Mizuho Securities Equity Research, Juni 2026
7.    Quelle: Jupiter, Stand: 01.06.2026


Top-Ergebnisse bei Markt-Mediastudien


Weitere Artikel
Abonnieren
Benachrichtigen bei
0 Comments