Nicht einmal jeder fünfte Privathaftpflichttarif in Deutschland erreicht derzeit die Bestnote. Das zeigt das PHV-Rating 2026 von Franke und Bornberg, für das das Analysehaus in diesem Jahrgang 296 Tarife für Familien und 293 Tarife für Singles von 87 Versicherern untersucht hat. Zugleich sinkt der Anteil schwacher Angebote spürbar: Tarife mit der Note „ausreichend“ oder schlechter werden binnen eines Jahres um rund ein Drittel seltener. Für Vermittler bedeutet das eine sicherere, aber keineswegs bequemere Ausgangslage bei der Beratung.
Die Ergebnisse des PHV-Ratings 2026 im Detail
Im Vorjahr hatte Franke und Bornberg noch 304 Familientarife und 300 Single-Tarife von 92 Versicherern bewertet. Die Zahl der teilnehmenden Gesellschaften und Tarife ist damit 2026 leicht gesunken.
Bei den Bewertungen selbst zeigt sich dafür eine klare Bewegung nach oben. In der Kategorie Familie erreichen 52 Tarife und damit 17,6 Prozent die Bestnote FFF+ „hervorragend“, nach 15,8 Prozent im Vorjahr. Bei den Single-Tarifen steigt der Anteil von 15,3 auf 17,1 Prozent, was 50 Tarifen entspricht. Noch deutlicher fällt die Entwicklung am unteren Ende aus: Tarife mit der Note F+ oder schlechter sinken bei den Familientarifen von 15,7 auf 10,8 Prozent, bei den Single-Tarifen von 14,3 auf 10,9 Prozent.
Rating Privathaftpflichtversicherung Familie
Analyse von 296 Tarifen im Ratingverfahren Familie (2025: 304). Rundungsbedingt kann die Summe der Prozentwerte geringfügig von 100 Prozent abweichen.
Rating Privathaftpflichtversicherung Single
Analyse von 293 Tarifen im Ratingverfahren Single (2025: 300). Rundungsbedingt kann die Summe der Prozentwerte geringfügig von 100 Prozent abweichen.
Wichtig für die Einordnung dieser Zahlen: Der Kriterienkatalog ist gegenüber 2025 unverändert geblieben. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Messlatte niedrig liegt. Bereits im Rating-Jahrgang 2025 hatte Franke und Bornberg die Mindeststandards für die Klassen FFF+ und FFF verschärft und die geforderte Mindestdeckungssumme für Personen- und Sachschäden von zuvor 10 Millionen auf 50 beziehungsweise 20 Millionen Euro angehoben.
Der aktuelle Qualitätsschub im PHV-Rating 2026 baut also auf einer bereits höheren Hürde auf – ein Punkt, den die aktuelle Pressemitteilung selbst nicht mehr erwähnt, der für die Einordnung des Trends aber relevant bleibt.
Woran Basistarife weiterhin scheitern
An den strukturellen Schwachstellen hat sich dagegen wenig geändert. Wer zum günstigeren Basistarif statt zum Topschutz greift, riskiert laut Franke und Bornberg Lücken bei der Forderungsausfalldeckung, beim Schadenersatzrechtsschutz, bei Mietsachschäden und bei Gefälligkeitshandlungen. Bei Familientarifen kommt häufig eine unzureichende Absicherung deliktunfähiger Mitversicherter hinzu. Das betrifft etwa Fälle, in denen ein Kleinkind einen Schaden verursacht, für den es selbst nicht haftbar gemacht werden kann.
Auch beim Thema Drohnen sehen die Analysten Nachholbedarf. „Der private Betrieb von Drohnen ist längst Alltag. Trotzdem ist dieses Risiko in vielen Basistarifen noch nicht ausreichend mitversichert“, sagt Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg. Weitere wiederkehrende Schwachpunkte sind demnach die nebenberufliche Selbstständigkeit, Schäden an Sachen von Kollegen oder Arbeitgebern sowie der Verlust beruflicher Schlüssel.
Worauf Berater beim PHV-Vergleich achten sollten:
- Forderungsausfalldeckung: Zahlt der Versicherer, wenn der Schädiger selbst nicht liquide oder unversichert ist?
- Deliktunfähige Mitversicherte (nur Familientarife): Sind Schäden durch Kleinkinder mitversichert?
- Drohnennutzung, E-Bikes, E-Scooter, Wallboxen: Reicht der Schutz über den klassischen Haushaltsschaden hinaus?
- Versehensklausel: Zahlt der Versicherer auch bei versehentlicher Verletzung von Obliegenheiten?
- Deckungssumme: Der Mindeststandard für FFF+ liegt seit 2025 bei 50 Millionen Euro für Personenschäden und 20 Millionen Euro für Sachschäden – deutlich mehr als der frühere Marktstandard von 10 Millionen Euro.
Warum das für die Beratung relevant ist
Die Verbesserung in der Breite ist eine gute Nachricht für Vermittler, weil das Risiko einer echten Fehlauswahl sinkt. Sie ändert allerdings nichts an der zentralen Botschaft der vergangenen Jahrgänge: Wer allein nach Preis vergleicht, landet überdurchschnittlich häufig bei einem Tarif mit Deckungslücken. Nicht einmal jeder fünfte Tarif erreicht die Bestnote FFF+, und rund jeder neunte bis zehnte bleibt bei „ausreichend“ oder schlechter hängen. Das PHV-Rating 2026 liefert damit vor allem ein Argument für die individuelle Bedingungsprüfung, nicht für pauschales Vertrauen in den Markt.
Die Relevanz der Sparte selbst hat sich zuletzt sogar noch erhöht. Nach der jüngsten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamts, die im Dezember 2025 veröffentlicht und vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ausgewertet wurde, verfügen inzwischen mehr als 89 Prozent der deutschen Haushalte über eine Privathaftpflichtversicherung. Das ist ein Anstieg gegenüber rund 83 Prozent bei der Vorgängererhebung 2018. Damit ist die PHV die am weitesten verbreitete freiwillige Versicherung in Deutschland, noch vor Hausrat- und Rechtsschutzversicherung. Für Vermittler bedeutet das: Der Markt wächst nicht mehr in erster Linie über Neuabschlüsse bislang unversicherter Haushalte, sondern zunehmend über Bestandskunden, die von schwachen zu besseren Tarifen wechseln.
Der Hinweis auf Rückenwind von der Nachfrageseite verdient dabei eine Präzisierung. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft rechnet für 2026 branchenweit mit einem Beitragsplus von 5,2 Prozent in der Schaden- und Unfallversicherung. Dieser Wert bezieht sich jedoch auf die gesamte Sparte und wird laut Verband maßgeblich von der Kfz-Versicherung getragen, nicht spezifisch von der Privathaftpflicht. Eine eigene Wachstumsprognose für die PHV liegt bislang nicht vor.
Für die tägliche Beratungspraxis bleibt der Kern des PHV-Ratings 2026 damit unverändert, auch wenn sich das Zahlenbild verbessert hat: Wer Kunden nicht am Preis, sondern an den tatsächlichen Leistungsmerkmalen entlang berät, findet auch 2026 deutliche Unterschiede zwischen Basis- und Topschutz – insbesondere bei Forderungsausfall, Mitversicherung deliktunfähiger Kinder und modernen Risiken wie Drohnen.













