Die aktuelle Umfrage zum Altersvorsorge-Index des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (Diva) macht deutlich: 65 Prozent der Befragten wünschen sich beim Abschluss einer Versicherung persönliche Beratung, etwa durch Bank- oder Vermögensberater.
„Altersvorsorge ist ein komplexes Thema, das viele Menschen überfordert. Die Konsequenz ist dann oft: „Nichts-Tun“. Aber genau das ist falsch“, betont Prof. Dr. Oliver Schellenberger, Wissenschaftlicher Direktor des Diva. „Denn bei den wenigsten wird die gesetzliche Rente ausreichen, und nicht alle haben Vermögen. Deshalb ist es so wichtig, dass es Finanzberater gibt, die die Menschen aus ihrer Passivität holen und bei der Einrichtung der Verträge helfen“, so Schellenberger.
Kritisch zu sehen ist vor diesem Befund das gerade verabschiedete Altersvorsorgereformgesetz. Norman Wirth, Geschäftsführender Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, einer der Trägerverbände des Instituts, äußert sich dazu deutlich: „Mit dem Gesetz hat sich die Palette förderungsfähiger Produkte deutlich verbreitert. Das Thema Altersvorsorge wird deshalb noch komplexer. Das Standardprodukt einschließlich des staatlichen Angebotes soll aber ohne Beratung auskommen, zumal diese mit dem rigiden Kostendeckel auch gar nicht finanzierbar ist. Und mit dem Zillmerverbot werden die Möglichkeiten für eine angemessene Vergütung eher erschwert. So gelungen das Gesetz sonst ist, in diesem Punkt liegt die Politik einfach falsch, wenn zwei Drittel der Menschen auf Beratung angewiesen sind“.
Gleichzeitig belastet die Inflation die Vorsorgebereitschaft der Bevölkerung. In der Erhebung gaben 58,2 Prozent der Befragten an, wegen der stark gestiegenen Preise weniger in die Altersvorsorge investieren zu können. „Es ist erfreulich, dass die Politik das bisher sehr komplizierte Zulagenverfahren stark vereinfacht hat. Mit ihm werden die Menschen motiviert, mehr fürs Alter zurückzulegen, denn für jeden zurückgelegten Euro mehr gibt es mehr Förderung. Misslich ist allerdings, dass das neue System gerade für Geringverdiener schlechter ist. Der Mindestbeitrag wurde von 5 auf 10 Euro verdoppelt, und bei niedrigen Beiträgen und mit Kindern gab es im alten Sytem höhere Förderung“, so Schellenberger.
Bedeutung der Finanzberatung für Geringverdiener
Gerade Geringverdiener sind auf zusätzliche Vorsorge angewiesen, da niedrige Einkommen zwangsläufig zu geringen Renten führen. „Auch hier spielen die Berater der Finanzwirtschaft wieder eine immens wichtige Rolle. Denn zu einer umfassenden Finanzberatung gerade bei Menschen mit niedrigen Einkommen gehört immer auch, die monatlichen Ausgaben genau zu überprüfen und nach Einsparmöglichkeiten zu suchen, die dann Mittel freisetzen für Ersparnisse und Altersvorsorge. Allein schon Dispozinsen und Abofallen sind Anlass genug, in der Beratung zuerst die Ausgabenseite zu durchleuchten. Und die Menschen sind sehr dankbar dafür“, resümiert Wirth.
Die Erhebung wurde im Auftrag des Diva von Insa-Consulere durchgeführt. Für den Altervorsorge-Index werden turnusmäßig rund 2.000 Personen in Deutschland zu ihrer Haltung zur Altersvorsorge befragt.














