58 Prozent der Deutschen beziehen eine erwartete Erbschaft bereits heute in ihre Finanzplanung ein. Gleichzeitig haben nur 17 Prozent ihre eigene Vermögensweitergabe konkret geregelt. Zu diesem Ergebnis kommt der Vermögensmonitor 2026, für den das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der Kontora Family Office GmbH rund 2.500 Bundesbürger sowie zusätzlich etwa 1.600 Personen befragt hat, die bereits geerbt haben oder mit einer Erbschaft rechnen.
Der Mitteilung zufolge rechnen rund zwei Drittel der Befragten mit einer Erbschaft von bis zu 250.000 Euro. Dennoch wird das Thema innerhalb der Familien nur selten besprochen. Lediglich jeder Zehnte spricht regelmäßig über Erbschaften oder die spätere Vermögensweitergabe, während knapp 57 Prozent dies selten oder gar nicht tun.
Als wichtigste Gründe für das Schweigen nennen 38 Prozent belastende Gedanken an Tod und Krankheit. 35 Prozent schieben das Thema auf, 21 Prozent befürchten familiäre Konflikte. Nur 14 Prozent halten die Materie für zu komplex. Kontora sieht darin vor allem emotionale Hürden, die einer frühzeitigen Nachfolgeplanung im Weg stehen.
Erbschaften beeinflussen Finanzentscheidungen frühzeitig
Besonders jüngere Menschen messen dem Thema bereits eine hohe Bedeutung bei. Unter den 18- bis 29-Jährigen sehen 51 Prozent eine mögliche Erbschaft als wichtigen Faktor für ihre finanzielle Zukunft. Zudem berücksichtigen 30 Prozent aller Befragten die spätere Vermögensweitergabe bereits bei ihren Investitionsentscheidungen.
„Für Familien, die Vermögen generationenübergreifend erhalten wollen, ist die frühzeitige Einbindung der Rising Generation, also derjenigen, die Vermögen einmal übernehmen werden, erfolgsentscheidend“, sagt Stephan Buchwald, Gründer und Co-CEO der Kontora Family Office GmbH. Entscheidend sei nicht nur die rechtliche und steuerliche Planung, sondern auch der frühzeitige Austausch über Werte und den Zweck des Vermögens.
Nach Angaben von Kontora zeigt die Studie zudem, dass offene Gespräche die Bereitschaft zur Nachfolgeplanung erhöhen. Wer sich innerhalb der Familie mit dem Thema beschäftigt, trifft häufiger konkrete Vorsorgemaßnahmen.
Höhere Vermögen bringen komplexere Nachfolgefragen
Bei Haushalten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von mindestens 6.000 Euro fällt die Vermögensstruktur deutlich vielfältiger aus als im Bevölkerungsdurchschnitt. Neben Geldvermögen und Immobilien spielen Wertpapiere sowie Unternehmensbeteiligungen häufiger eine Rolle. Gleichzeitig berücksichtigen 44 Prozent dieser Haushalte die Vermögensweitergabe bei ihren Finanzentscheidungen, 17 Prozent sprechen regelmäßig darüber.
Trotz des größeren Bewusstseins bleibt auch in dieser Gruppe eine deutliche Planungslücke bestehen. „Je höher das Vermögen, desto stärker beeinflusst es bereits heute das Finanzverhalten, und desto größer ist der Bedarf an strukturierter Planung“, sagt Sybille Arnegger, Geschäftsführerin der Kontora Family Office GmbH.
Ein weiterer Befund der Studie betrifft das Verständnis rechtlicher Rahmenbedingungen. Von den Befragten, die ihre Vermögensnachfolge bereits geregelt haben, halten 42 Prozent die rechtlichen Vorgaben für gut verständlich. Unter denjenigen ohne Planung liegt dieser Anteil bei lediglich acht Prozent. Den Angaben zufolge spricht dies dafür, dass das Verständnis häufig erst im Verlauf einer aktiven Nachfolgeplanung wächst.
Für die Untersuchung befragte Civey im Zeitraum vom 6. bis 11. Mai 2026 online rund 2.500 Bundesbürger ab 18 Jahren sowie zusätzlich etwa 1.600 Personen, die bereits geerbt haben oder mit einer Erbschaft rechnen. Die Ergebnisse sind laut Kontora unter Berücksichtigung eines statistischen Fehlers von 2,5 bis 6,8 Prozentpunkten repräsentativ.














