EZB hält still – Entwarnung gibt es trotzdem nicht

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Oliver Kohnen im weißen Hemd vor dem Hintergrund eine r dunklen Wand
Foto: Baufi24
Oliver Kohnen, Baufi24: "Gerade die schwache Stimmung am Markt eröffnet Chancen."

Die Zinspause der EZB dürfte eher eine Atempause als das Ende der Debatte sein. Bereits im September könnte eine weitere Zinserhöhung wieder auf die Tagesordnung rücken. Was das für Bauzinsen und Immobilienkäufer bedeutet. Kommentar von Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt bei ihrer Juli-Sitzung auf Kurs und belässt den Einlagensatz unverändert bei 2,25 Prozent. Nachdem zuletzt sogar über eine weitere Zinserhöhung diskutiert worden war, kommt die Entscheidung nicht überraschend. Die Inflation hat sich nach dem durch den Irankrieg ausgelösten Energiepreisschock zuletzt wieder etwas abgeschwächt. Im Euroraum sank die Teuerungsrate im Juni von 3,2 auf 2,8 Prozent, in Deutschland lag sie bei 2,3 Prozent. Damit verschafft sich die EZB zunächst etwas Luft.


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Von einer Entwarnung kann allerdings keine Rede sein. Zwar ist der unmittelbare Inflationsdruck etwas zurückgegangen, doch die Teuerung liegt weiterhin oberhalb des EZB-Ziels. Gleichzeitig bleiben Energiepreise, geopolitische Risiken und die hohe Staatsverschuldung erhebliche Unsicherheitsfaktoren. Entsprechend dürfte die Zinspause eher eine Atempause als das Ende der Debatte sein. Bereits im September könnte eine weitere Zinserhöhung wieder auf die Tagesordnung rücken.

Bauzinsen bleiben hoch – der Markt wartet weiter ab

Für Immobilienkäufer ändert sich kurzfristig wenig. Die Zinsen für zehnjährige Baufinanzierungen bewegen sich weiterhin um die Marke von vier Prozent. Verantwortlich dafür sind vor allem die anhaltend hohen Renditen langfristiger Bundesanleihen, die trotz der heutigen EZB-Entscheidung kaum nachgegeben haben.

Dass der Markt unter diesem Zinsniveau leidet, zeigen auch aktuelle Zahlen von Barkow Consulting. Das Neugeschäft bei Wohnungsbaukrediten fiel im Mai auf 17,2 Milliarden Euro und damit auf den niedrigsten Stand seit Ende 2024. Neben einem saisonal schwächeren Mai belasten vor allem die Kombination aus hohen Bauzinsen, weiter steigenden Immobilienpreisen und der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit den Markt.

Schlechte Stimmung eröffnet Chancen

Für Kaufinteressenten ist das zunächst keine einfache Ausgangslage – langfristig jedoch dürfte Wohneigentum kaum günstiger werden. Immobilienpreise zeigen bereits wieder moderat nach oben, während dauerhaft deutlich niedrigere Bauzinsen derzeit nicht in Sicht sind. Gerade die schwache Stimmung am Markt eröffnet Chancen. Nicht jeder Verkäufer kann oder will auf bessere Zeiten warten. Einzelne Eigentümer und Projektentwickler stehen weiterhin unter Verkaufsdruck und sind entsprechend verhandlungsbereiter als noch vor wenigen Jahren. Wer finanziell solide aufgestellt ist und antizyklisch handelt, könnte deshalb gerade jetzt attraktive Kaufgelegenheiten finden, die dann auch genutzt werden sollten.


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