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Kündigung, Wechsel, Neuabschluss: Die größten Riester-Fallstricke der Reform

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Altervorsorgereform: Vertrag behalten, wechseln oder kündigen?

Millionen Riester-Sparer stehen vor einer Grundsatzentscheidung. Verbraucherschützer warnen vor einer Verkaufswelle neuer Verträge, Branchenexperten vor teuren Fehlentscheidungen bei Kündigung, Wechsel und Auszahlung. Welche Fallstricke jetzt drohen.

Mit der Reform der geförderten Altersvorsorge rückt für Millionen Riester-Sparer eine zentrale Frage in den Vordergrund: Vertrag behalten, wechseln oder kündigen? Die Verbraucherzentralen haben dazu einen ausführlichen Ratgeber veröffentlicht und warnen vor einer bevorstehenden Verkaufswelle neuer Verträge, die zum Jahresende Fahrt aufnehmen werde. Bestehende Riester-Verträge genießen Bestandsschutz und können zu den bisherigen Konditionen fortgeführt werden. Ein Wechsel in das neue Fördersystem ist frühestens ab 2027 möglich und nicht verpflichtend.


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Der wohl teuerste Fehler bleibt die vorschnelle Kündigung. Eine Auflösung des Vertrags gilt als förderschädliche Verwendung. Das heißt: Erhaltene Zulagen und steuerliche Vorteile müssen vollständig zurückgezahlt werden, was den Rückkaufswert erheblich mindert. Ein zweiter verbreiteter Fehler ist der Wechsel in teure Zusatzprodukte. Für das neue staatliche Standarddepot gilt ab 2027 eine Kostenobergrenze von einem Prozent pro Jahr. Daneben dürfen Anbieter „Premium“-Varianten mit besonderen Betreuungsleistungen anbieten, für die dieser Deckel nicht gilt und die häufig 1,5 bis 2,5 Prozent Kosten pro Jahr verursachen.

Teure Fehler bei Fondsauswahl und Strategie vermeiden

Wie teuer einzelne Fehlentscheidungen langfristig werden können, macht Alina vom Bruck, Lebensversicherungsvorständin der BarmeniaGothaer, im Interview mit Cash. deutlich. Aus ihrer Sicht lohnt sich professionelle Begleitung gerade deshalb, weil falsche Weichenstellungen später schwer zu korrigieren sind: „Beratung kostet zwar Geld, falsche Entscheidungen kosten am Ende oft deutlich mehr“, sagt vom Bruck. Gerade bei kapitalmarktorientierten Produkten wie dem Altersvorsorgedepot hält sie eine fundierte Einordnung für entscheidend, weil viele Sparer die Tragweite von Fondsauswahl und Anlagestrategie kaum selbst einschätzen können.

Auch steuerlich unterscheiden sich die Modelle deutlich. Im Altersvorsorgedepot bleiben Erträge und Kursgewinne während der Ansparphase unversteuert, dafür unterliegt die spätere Auszahlung dem persönlichen Grenzsteuersatz. Bei einem ungeförderten Depot greift dagegen die Abgeltungssteuer, wobei je nach Anlageschwerpunkt bis zu 30 Prozent der Erträge über die sogenannte Teilfreistellung steuerfrei bleiben.

Ein oft übersehener Aspekt betrifft zudem die Mindestbeiträge: Bei bestehenden Riester-Verträgen reichen 60 Euro Jahresbeitrag für die volle Grund- und Kinderzulage aus, bei neuen Verträgen sind dagegen 360 Euro jährlich nötig, um die höchste Förderstufe zu erreichen. Ein vorschnelles Aufgeben eines gut laufenden Altvertrags kann sich dadurch finanziell nachteilig auswirken.

Falscher Zeitpunkt kann teuer werden

Neben der Produktwahl warnt Benjamin Brummer, stellvertretender Bereichsleiter Mathematik bei Morgen & Morgen, vor einem weiteren, oft unterschätzten Fehler: dem falschen Zeitpunkt für einen Wechsel. Gegenüber Cash. betont er, dass es nicht allein um die Grundsatzfrage geht, sondern um das richtige Timing: „Die entscheidende Frage, die schon heute zählt, ist nicht nur, ob ein Wechsel sinnvoll ist, sondern vielmehr wann“, sagt Brummer. Erst ab einem individuellen Break-Even-Zeitpunkt, an dem die künftige Förderung des Altersvorsorgedepots die bisherige Riester-Förderung übersteigt, wird ein Wechsel aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt sinnvoll. Ohne eine solche Berechnung drohe eine Entscheidung, die zum falschen Zeitpunkt getroffen wird und dadurch Förderung verschenkt.

Ein weiterer Punkt betrifft die Auszahlphase. Statt der bisher verpflichtenden lebenslangen Leibrente wird künftig auch ein Auszahlungsplan bis zum 85. Lebensjahr möglich. Vom Bruck sieht darin ein erhebliches Risiko, das Sparer bei ihrer Entscheidung berücksichtigen sollten: „Für die Hälfte der Menschen reicht die Vorsorge rechnerisch gar nicht bis ans Lebensende“, sagt vom Bruck.

Wer mit 67 Jahren in Rente gehe, werde mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 50 Prozent älter als 85 Jahre, und gerade in dieser späten Lebensphase entstünden oft zusätzliche Kosten für Pflege oder medizinische Versorgung. Wer bald in die Rentenphase eintritt, sollte deshalb prüfen, ob eine Umwandlung in einen Auszahlungsplan sinnvoll ist, oder den bestehenden Vertrag zunächst unverändert weiterlaufen lassen und erst kurz vor Rentenbeginn über einen Wechsel entscheiden.

Wer vergleicht das Standardprodukt mit privaten Angeboten?

Wer sich insgesamt unsicher ist, welches Produkt zur eigenen Situation passt, dem empfehlen die Verbraucherzentralen, auf das staatlich organisierte Standardprodukt zu warten und dieses anschließend mit Angeboten der Privatwirtschaft zu vergleichen. Ob ein solcher Vergleich in der Praxis leicht zu leisten ist, bleibt allerdings fraglich. Er setzt voraus, unterschiedliche Kostenquoten über Jahrzehnte hinweg richtig einzuordnen, die steuerliche Differenz zwischen nachgelagerter Besteuerung und Abgeltungssteuer mit Teilfreistellung realistisch einzuschätzen und gleichzeitig die Fördereinbußen eines möglichen Riester-Ausstiegs zu berücksichtigen.

Genau an diesem Punkt setzt auch Alina vom Brucks Kritik am vorgesehenen Kostendeckel an: So hatte sie im Interview mit Cash. deutlich gemacht, dass sich mit einem Kostendeckel von einem Prozent hochwertige Beratung kaum wirtschaftlich darstellen lasse, weil dafür schlicht zu wenig wirtschaftlicher Spielraum bleibe. Gerade Menschen, die nicht automatisch zu einem digitalen Direktprodukt greifen, bräuchten aber Beratung, so vom Bruck weiter, und liefen dadurch Gefahr, künftig außen vor zu bleiben.

Wer den Vergleich zwischen staatlichem Standardprodukt und privaten Angeboten korrekt vornehmen will, ist damit in der Praxis häufig auf eigenes Fachwissen oder auf eine Beratung angewiesen, die sich für Vermittler unter diesen Bedingungen kaum noch rechnet.

Seite 2: Riester-Fallstricke im Überblick

Lesen Sie hier, wie es weitergeht.

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