Künstliche Intelligenz steht nach Einschätzung führender Versicherungschefs derzeit stärker im Fokus als Cloud-Technologien, Kernsysteme oder das Internet der Dinge. Das zeigt der neue Sollers-Report „Künstliche Intelligenz und der menschliche Faktor“, der auf Einschätzungen von elf CEOs internationaler Versicherungsunternehmen basiert.
Dem Bericht zufolge verändert KI die Branche nicht nur in operativen Abläufen, sondern auch in der Zusammenarbeit mit Kunden, Mitarbeitenden und Partnern. Besonders deutlich wird dies in Bereichen wie Underwriting, Pricing, Schadenbearbeitung und Kundenservice.
Viele der befragten CEOs erkennen zwar den Hype um KI an, verweisen zugleich aber auf konkrete Auswirkungen entlang der Wertschöpfungskette. Generative KI und automatisierte Datenverarbeitung sollen künftig in deutlich mehr Geschäftsprozessen eine Rolle spielen.
KI in der Versicherungsbranche
„KI steigert bereits heute die Effizienz, insbesondere bei der Verarbeitung unstrukturierter Daten“, betont Sollers-Präsident und Mitbegründer Michał Trochimczuk. „Kostenkontrolle wird der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit sein. Das bedeutet Investitionen in Automatisierung, vereinfachte Standardarchitekturen, moderne Tarifierungssysteme und intelligente Risikoselektion.“
Ein Schwerpunkt des Reports liegt auf den Folgen für Mitarbeitende. Die befragten Manager sehen KI nicht allein als technische Frage, sondern als Treiber für neue Rollenprofile. Tätigkeiten könnten sich stärker in Richtung Technologie, Analyse und strategische Steuerung verschieben.
„Mehrere CEOs sehen in der Transformation der Belegschaft eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre“, sagt Marcin Pluta, Präsident und Mitbegründer von Sollers. „Unsere Interviewpartner lehnen die Vorstellung ab, dass KI zwangsläufig Arbeitsplätze zerstört. Stattdessen verschieben sich Rollen hin zu stärker technologischen, analytischen und strategischen Aufgaben.“
Menschliches Urteil bleibt gefragt
Auch im Risikomanagement erwarten die CEOs deutliche Veränderungen. Technologie kann Risiken schneller quantifizieren, bewerten und steuern. Menschliches Urteilsvermögen bleibt aus Sicht der Befragten aber notwendig, um datenbasierte Ergebnisse einzuordnen und Entscheidungen daraus abzuleiten.
Der Report basiert auf der Interviewreihe „CEO Voices“, die technologische Entwicklungen der vergangenen 25 Jahre betrachtet und einen Ausblick auf die nächsten 25 Jahre gibt. Befragt wurden Führungskräfte aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA, Australien, Kanada, der Schweiz und Slowenien.
Zu den Interviewpartnern zählen unter anderem Prof. Dr. Frank Walthes von der VKB, Andrew Horton von QBE, Simon Wilson von Markel Insurance, Jean-Daniel Laffely von La Vaudoise, Ken Norgrove von Intact UK&I, Isabelle Le Bot von La France Mutualiste, Agnès Paquin von CNP Assurances, Andrej Slapar von Triglav, Dr. Jürg Schiltknecht von Helvetia Deutschland sowie Brenda Gibson von Red River Mutual.













