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Von DORA bis FIDA: Europas neue Regeln verändern die technologische DNA der Versicherer

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Kirsten Skarnvad
Foto: Fadata
Kirsten Skarnvad ist Chief Commercial Officer bei Fadata

DORA, FIDA, NIS2 und der EU AI Act greifen tief in IT-Architekturen und Betriebsmodelle europäischer Versicherer ein. Warum klassische Compliance-Ansätze zunehmend an Grenzen stoßen und welche Konsequenzen das für die Branche hat. Eine Analyse von Kirsten Skarnvad.

Wir sehen aktuell, wie stark sich die Versicherungsbranche angesichts europäischer und nationaler Regulatorik verändernmuss. Was lange Zeit aus einzelnen Vorstößen und Vorgaben bestand, entwickelt sich damit zunehmend zu einem größeren System an Governance- und Compliance-Anforderungen, die immer tiefer in die IT-Landschaften, Datenstrukturen und Betriebsmodelle von Versicherern eingreifen. Mit DORA, FIDA, NIS2, dem EU AI Act, der Insurance Recovery and Resolution Directive (IRRD) sowie den verschärften Geldwäschevorgaben(Anti-Money Laundering; AML) wächst nicht nur die Anzahl regulatorischer Anforderungen, auch ihre operative Reichweite nimmt deutlich zu.


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Viele dieser Vorgaben betreffen dabei auch nicht mehr allein juristische Dokumentationspflichten. Im Mittelpunkt stehen heute ebenso Themen wie digitale Resilienz, Datenqualität, Auditierbarkeit, Cybersecurity, Drittparteienmanagement und, besonders aktuell, KI-Governance. Gleichzeitig führt die Europäische Union aber auch neue Kontrollmechanismen ein, wobei etwa europäische Aufsichtseinheiten und strengere Nachweispflichten den Druck auf Versicherer zusätzlich erhöhen.Für die Branche bedeuten diese Entwicklungen, proaktive Maßnahmen zu ergreifen, um aus punktueller Compliance einendauerhaften Betriebszustand zu machen. Denn ein „weiter so“ ist angesichts der aktuellen Herausforderungen keine Alternative.

Warum traditionelle Ansätze an Grenzen stoßen

Die wachsende Regulierungsdichte trifft in vielen Versicherungsunternehmen auf historisch gewachsene IT-Landschaften und Organisationsstrukturen. Über Jahre hinweg wurden neue regulatorische Anforderungen schrittweise an bestehende Systeme angebunden. Das Ergebnis sind fragmentierte Datenlandschaften, komplexe Schnittstellen und hoher manueller Aufwand für Reportings sowie Governance-Themen.

Gleichzeitig steigt aber auch der Druck auf qualifizierte Fachkräfte, die naturgemäß sowieso rar gesät sind. Für die Umsetzung regulatorischer Anforderungen werden Experten aus IT, Legal, Risk und Operations benötigt, die in vielen Häusern bereits stark ausgelastet sind. Hinzu kommt die hohe Dynamik der Regulierung. Während operative Teams noch an der Umsetzung bestehender Vorgaben arbeiten, stehen etwa mit dem IRRDbereits die nächsten Anforderungen bevor.

Anspruchsvoll wird die Situation auch für international tätige Versicherer, weil europäische Vorgaben zusätzlich national interpretiert und operationalisiert werden müssen. Dadurch steigen Abstimmungs- und Dokumentationsaufwand erheblich. Klassische, stark individualisierte Ansätze im Compliance-Bereichgeraten unter diesen Bedingungen zunehmend an ihre Grenzen.

Daten werden zum Fundament regulatorischer Resilienz

Auch wenn die hier skizzierten steigenden Anforderungen auf den ersten Blick nach Bürokratie und Aufwand klingen, verfolgen sie dennoch begrüßenswerte übergeordnete Ziele, die Transparenz, Resilienz und Sicherheit in den Fokus rücken. Und auch für die konkrete Umsetzung gibt es bereits Lösungswege. Denn: Viele neue EU-Regularien haben trotz unterschiedlicher Zielsetzungen einen gemeinsamen Nenner – Daten. Ob DORA, FIDA, AI Act oder IRRD, nahezu alle Vorgaben verlangen konsistente, nachvollziehbare und auditierbare Datenstrukturen.

Damit verschiebt sich der Fokus regulatorischer Strategien. Entscheidend ist nicht mehr allein die isolierte Umsetzung einzelner Regelwerke, sondern die Fähigkeit, Daten über Systeme, Länder und Geschäftsbereiche hinweg strukturiert verfügbar zu machen und regulatorisch belastbar zu dokumentieren. Kurz gesagt: Wer seine Daten kontrolliert, schafft damit die Grundlage für eine langfristige Compliance-Fähigkeit.Fragmentierte Datenlandschaften und zu wenig Kontrolle erhöhen dagegen zunehmend den Druck. Jede neue Vorgabe erfordert zusätzliche Integrationen, manuelle Kontrollen und individuelle Sonderlösungen. 

Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei DORA. Die Regulierung verlangt nicht nur höhere Standards für digitale Resilienz, sondern auch belastbare Exitstrategien und ein systematisches Management von Drittparteienrisiken. Damit rücken jetzt vor allem die Themen Datenarchitektur und Governance stärker in den Mittelpunkt regulatorischer Entscheidungen.

Neue Architekturen braucht die Versicherungslandschaft

Vor diesem Hintergrund gewinnen leistungsfähige und Compliance-orientierte Kernsysteme zunehmend an Bedeutung. Moderne Plattformarchitekturen ermöglichen es, regulatorische Anforderungen modular abzubilden und kontinuierlich anzupassen, anstatt neue Vorgaben jedes Mal separat in bestehende Strukturen einzubauen. Das betrifft jedoch nicht allein die Technologie oder den Wechsel in die Cloud. Entscheidend ist vielmehr eine leistungsstarke, individualisierbare Kombination aus skalierbaren Kernsystemen, standardisierten Datenmodellen und einem spezialisierten Partnerökosystem, das regulatorische Entwicklungen kontinuierlich beobachtet und operationalisiert.

Ein Blick in die Praxis zeigt, dass besonders SaaS-basierte Plattformmodelle dabei große Vorteile mit sich bringen. Sie bündeln regulatorisches Know-how zentral, verringernEntwicklungs- sowie Wartungsaufwand und ermöglichen kontinuierliche Updates statt punktueller Einzelprojekte. Gleichzeitig können internationale Anforderungen und länderspezifische Besonderheiten flexibler von entsprechenden Experten integriert werden. Spezialisierte Partner beobachtenauch internationale regulatorische Entwicklungen kontinuierlich, weshalb sie Plattformarchitekturen anbieten können, die nicht nur auf einzelne nationale Anforderungen ausgerichtet sind, sondern regulatorische Dynamik von Beginn an systematisch berücksichtigen. Anpassungen können zentral entwickelt und schneller auf unterschiedliche Märkte und Geschäftsbereiche übertragen werden.

Gerade für Versicherer mit heterogenen Strukturen bietet dieser Ansatz entscheidende Vorteile. Unterschiedliche regulatorische Anforderungen für Lebens-, Kranken- oder Sachversicherung lassen sich modular abbilden, ohne jedes Mal neue Insellösungen schaffen zu müssen. Gleichzeitig bleibt die notwendige Trennung sensibler Datenbestände gewährleistet, obwohl ein gemeinsames Kernsystem genutzt wird. Erfolgreich werden daher zukünftig jene Versicherer sein, die regulatorische Veränderungen als dauerhafte Managementaufgabe verstehen und ihre Betriebsmodelle entsprechend ausrichten. Dazu gehören belastbare Datenarchitekturen, klare Prozesse und ein kontinuierliches Monitoring. Wer hingegen zu lange abwartet, riskiert, regulatorische Anforderungen später unter hohem Zeitdruck, mit knappen Ressourcen und entsprechend hoher Fehleranfälligkeit umsetzen zu müssen.

Kirsten Skarnvad ist Chief Commercial Officer bei Fadata.


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