Von der KI-Strategie zur Skalierung: Wo die Versicherer noch Lücken haben

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Foto: Cash./KI-generiertes Bild
Die KI-Implementierung bleibt eine große Herausforderung für die heimische Versicherungsbranche..

Die Versicherungsunternehmen hierzulande haben zwar eine KI-Strategie, doch spürbare Effekte zeigen sich bislang vor allem im Kundenfrontend. Wo die eigentliche Transformation noch aussteht und welche Hürden die Branche bremsen, zeigt eine aktuelle Studie von KPMG.

Kein Versicherungsunternehmen ohne KI-Strategie: Das ist das Ergebnis einer aktuellen KPMG-Studie zur generativen KI in der deutschen Wirtschaft. 83 Prozent der befragten Versicherer haben dabei klare unternehmensweite Vorgaben definiert. Doch zwischen Strategie und Wirkung liegt laut der Unternehmensberatung noch eine erhebliche Strecke.

57 Prozent der Versicherer nennen schnellere Datenanalyse und verbesserte Kundeninteraktion als wichtigste positive Auswirkungen des KI-Einsatzes, 47 Prozent sehen Fortschritte bei der Prozessautomatisierung, 40 Prozent berichten von Umsatzsteigerungen. Die eigentliche Transformation – in den operativen Kernprozessen – steht jedoch noch weitgehend aus, schlussfolgert KPMG.


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Beim Werkzeug zeigt sich eine starke Konzentration: Alle befragten Unternehmen nutzen ChatGPT, die Hälfte setzt zusätzlich auf Microsoft Copilot. Dass ausgerechnet zwei US-amerikanische Plattformen eine derart dominante Stellung einnehmen, macht die Frage nach technologischer Abhängigkeit zu mehr als einem theoretischen Problem – zumal Versicherer als stark regulierte Akteure besonders sensibel auf Fragen der Datensouveränität reagieren müssen.

KI-Einsatz konzentriert sich auf das Frontend

Der bisherige Schwerpunkt liegt klar an der Kundenschnittstelle. 47 Prozent der Versicherer setzen KI derzeit vorrangig im Frontend ein – insbesondere in Vertrieb und Beschwerdemanagement. Dort lassen sich Anwendungen vergleichsweise schnell einführen, ohne tief in bestehende Kernsysteme einzugreifen.

Das größte Transformationspotenzial sehen die befragten Unternehmen jedoch an anderer Stelle. 57 Prozent erwarten die stärksten Auswirkungen in der Schaden- und Leistungsbearbeitung, 53 Prozent im Kundenservice und 47 Prozent im Risikomanagement. Damit klafft zwischen aktuellem Einsatz und erwartetem Wirkungshebel eine merkliche Lücke.

Stefan Heyers, Partner und Head of Insurance bei KPMG, benennt die Herausforderung klar: „Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Versicherer KI einsetzen – sondern wie schnell und konsequent sie den Schritt von einzelnen Anwendungen zur skalierten Integration in die Wertschöpfung schaffen. Ein großer Hebel liegt dabei klar in den operativen Prozessen, insbesondere im Schaden- und Vertragsmanagement, wo KI direkten Einfluss auf Kosten, Geschwindigkeit und Qualität hat.“

Datenschutz und Compliance bremsen die Umsetzung

Die Implementierung bleibt anspruchsvoll. 57 Prozent der befragten Versicherer nennen unklare Datenschutz-, Sicherheits- oder Compliance-Anforderungen als größte Hürde. 30 Prozent sehen die Verbreitung von Fehlinformationen als relevantes Risiko, 27 Prozent problematisieren die Kostenaufwände für die Implementierung. Gerade im regulierten Umfeld von Versicherern, wo Fehler in der Risikoeinschätzung oder Leistungsprüfung unmittelbar haftungsrelevant werden können, wiegt das Compliance-Risiko schwerer als in anderen Branchen.

Die Befähigung der Belegschaft ist ein weiterer Engpass. 83 Prozent der befragten Unternehmen geben an, grundsätzlich gute Voraussetzungen für den produktiven KI-Einsatz ihrer Mitarbeitenden geschaffen zu haben. Doch erst 60 Prozent setzen auf unternehmensweite Weiterbildungsprogramme. Als konkrete Hürden nennen jeweils 53 Prozent die mangelnde Integration in Arbeitsprozesse sowie fehlende Benutzerfreundlichkeit der Anwendungen; 40 Prozent sehen die Qualifizierung selbst als Problem.

57 Prozent der Versicherer betrachten KI als starken Treiber für operationelle Transformation, 50 Prozent auch für die Transformation von Schlüsselbereichen wie der Aktuariellen Funktion sowie von Finanz- und Risikomanagementfunktionen. Heyers sieht darin eine strukturelle Gestaltungsaufgabe: „Der nachhaltige Erfolg wird weniger von der Technologie selbst abhängen als von ihrer konsequenten Einbettung in Prozesse, Governance und Entscheidungslogiken. Versicherer müssen jetzt ihre Datenbasis, Architektur und Steuerungsmodelle so weiterentwickeln und Aufgaben sowie Formen der Zusammenarbeit so neu definieren, dass KI produktiv und regelkonform skaliert werden kann.“

Geopolitische Abhängigkeiten rücken ins Blickfeld

Ein bislang nachrangiges Thema gewinnt an Bedeutung: Nur 23 Prozent der befragten Versicherungsunternehmen geben an, dass geopolitische Abhängigkeiten derzeit eine wesentliche Rolle bei der Wahl ihrer KI-Partner spielen. 53 Prozent erwarten jedoch, dass sich das in den kommenden drei bis fünf Jahren deutlich ändern wird. Angesichts der Tatsache, dass nahezu alle befragten Unternehmen auf US-amerikanische Plattformen setzen, dürfte dieses Thema in der strategischen Planung künftig mehr Gewicht bekommen.

Partnerschaften und strategische Allianzen sind derweil für 97 Prozent der Versicherer ein zentraler Bestandteil der KI-Ausrichtung. Das zeigt, dass die Branche die technologische Entwicklung nicht allein aus eigener Kraft stemmen will – und dass die Frage, mit wem man sich dabei langfristig bindet, strategische Tragweite bekommt.

Für die Studie „Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2026″ hat KPMG insgesamt 480 Unternehmen aus 16 Branchen befragt; der Versicherungsausschnitt umfasst 30 Unternehmen.

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