Der Goldpreis hat im ersten Halbjahr 2026 eine außergewöhnlich hohe Schwankungsbreite verzeichnet. Nach einem Rekordhoch von 5.595 US-Dollar je Unze am 29. Januar fiel der Preis bis Ende Juni zeitweise auf 3.943 US-Dollar. Zum Monatsende gelang jedoch eine Stabilisierung knapp oberhalb der Marke von 4.000 US-Dollar. Der Schlusskurs lag bei 4.008,02 US-Dollar je Unze.
Für Imaru Casanova, Portfoliomanagerin bei VanEck, ist vor allem das makroökonomische Umfeld für die Entwicklung verantwortlich. Sie schreibt: „Das vorherrschende makroökonomische Narrativ hat sich selbst verstärkt: Höhere Ölpreise halten die Inflationserwartungen auf erhöhtem Niveau, erhöhte Inflationserwartungen veranlassen die Federal Reserve (Fed) zum Abwarten, eine abwartende Fed hält die realen Renditen erhöht und erhöhte reale Renditen stützen den US-Dollar, was Gold belastet.“
Die veränderten Rahmenbedingungen haben zahlreiche Rohstoffanalysten dazu veranlasst, ihre Goldpreisprognosen für die kommenden Jahre zu senken. Dennoch bleibt der langfristige Ausblick positiv. Nach Bloomberg-Daten liegt die durchschnittliche Konsensschätzung für den Goldpreis sowohl 2026 als auch 2027 bei rund 4.700 US-Dollar je Unze. Für die Jahre 2028 und 2029 erwarten Analysten weiterhin Preise von über 4.000 US-Dollar. Casanova verweist zudem darauf, dass Goldman Sachs, Citigroup und Deutsche Bank für 2027 Goldpreise von mindestens 5.000 US-Dollar prognostizieren.
Zentralbanken bleiben wichtige Stütze
Mit rund 4.000 US-Dollar je Unze notiert Gold derzeit etwa 25 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Januar. Dennoch zählt das Edelmetall nach Angaben von Casanova weiterhin zu den stärksten Anlageklassen der vergangenen zwölf Monate. Auch Goldaktien hätten sich trotz der jüngsten Korrektur vergleichsweise robust entwickelt.
Die Expertin mahnt Anleger, kurzfristige Kursschwankungen nicht überzubewerten. Geopolitische Spannungen, die Folgen des Nahostkonflikts sowie die weitere Inflationsentwicklung blieben entscheidende Einflussfaktoren für den Goldmarkt. Sollte die US-Notenbank ihre abwartende Haltung länger beibehalten und die Realzinsen im Zeitverlauf sinken oder sogar negativ werden, könnte dies Gold zusätzlich unterstützen. „In einem solchen Szenario hat Gold für Anleger, die Schutz und Diversifizierung für ihr Portfolio suchen, häufig eine bedeutende Rolle als Diversifikator und potenzielle Absicherung gespielt. Auch Goldaktien können in einer diversifizierten Allokation eine Rolle spielen“, schreibt Casanova.
Rückenwind erhält der Markt weiterhin von den Zentralbanken. Nach Daten des World Gold Council lagen die Nettokäufe im Mai erneut nahe an Rekordwerten. Zudem erwarten 89 Prozent der befragten Zentralbanken, dass die weltweiten Goldreserven innerhalb der nächsten zwölf Monate weiter steigen werden. Casanova sieht außerdem die starke Investmentnachfrage aus Asien als wichtigen Stabilitätsfaktor. Eine Rückkehr westlicher Anleger könnte den Goldpreis zusätzlich stützen.
Goldaktien bleiben günstig bewertet
Historisch entwickelten sich Goldminenaktien in Phasen steigender Goldpreise häufig besser als das Edelmetall selbst. Nach Einschätzung von Casanova spiegelt sich das hohe Preisniveau bereits in den Unternehmenszahlen wider. Die Ergebnisse des ersten Quartals 2026 hätten Rekord-Cashflows hervorgebracht.
Gleichzeitig seien viele Goldminenunternehmen weiterhin vergleichsweise niedrig bewertet. „Goldaktien werden weiterhin zu Bewertungen gehandelt, die im Vergleich zu historischen Niveaus niedrig bleiben, während der Sektor nach historischen Maßstäben finanziell und operativ in einer starken Verfassung zu sein scheint“, schreibt Casanova.
Sie weist allerdings darauf hin, dass Goldaktien zusätzliche Risiken gegenüber einer Direktanlage in Gold bergen. Dazu zählen operative Risiken, steigende Kosten, Finanzierungsrisiken, politische Unsicherheiten sowie unternehmensspezifische Faktoren. Zudem reagierten Minenaktien historisch deutlich volatiler auf fallende Goldpreise als das Edelmetall selbst.
Sollten Anleger angesichts hoher Bewertungen in anderen Marktsegmenten Kapital umschichten, könnten Goldaktien nach Einschätzung der Expertin zu den Profiteuren gehören. „Wenn Anleger Kapital aus Sektoren mit deutlich höheren Bewertungen umschichten, insbesondere vor dem Hintergrund eines steigenden Rückschlagsrisikos, könnten Goldaktien davon profitieren.“














