Der Anstieg des Goldpreises über 4.100 US-Dollar je Unze hat das Edelmetall erneut in den Fokus der Anleger gerückt. Parallel dazu setzen Zentralbanken weltweit ihren langfristigen Ausbau der Goldreserven fort. Eine Analyse von Paul Hoffman von BestBrokers.com auf Basis der jüngsten Daten des World Gold Council zeigt, dass die Nachfrage der Notenbanken trotz des hohen Preisniveaus anhält.
Den Berechnungen zufolge halten die Zentralbanken inzwischen gemeinsam 36.664,5 Tonnen Gold. Das entspricht 16,7 Prozent der geschätzten 219.890 Tonnen Gold, die im Laufe der Menschheitsgeschichte gefördert wurden. Auf Basis des LBMA-Goldpreises vom 21. Juli 2026 beläuft sich der Marktwert dieser Reserven auf rund 4,78 Billionen US-Dollar.
Im Juli überschritten die offiziellen Goldbestände damit erstmals die Marke von 36.600 Tonnen. Rechnerisch entfallen damit auf jeden Menschen weltweit rund 4,42 Gramm Gold beziehungsweise 0,14 Feinunzen. Zum aktuellen Marktpreis entspricht dies einem Gegenwert von rund 576 US-Dollar pro Person.
USA bleiben größter Goldhalter
Die Vereinigten Staaten verfügen mit 8.133 Tonnen weiterhin über die größten offiziellen Goldreserven weltweit. Ihr Bestand hat einen geschätzten Marktwert von rund 1,06 Billionen US-Dollar und macht 22,2 Prozent aller Goldreserven der Zentralbanken aus.
Zusammen halten die fünf größten Goldbesitzer – die Vereinigten Staaten, Deutschland, Italien, Frankreich und China – 18.703 Tonnen Gold. Damit konzentrieren sich rund 51 Prozent der weltweiten offiziellen Goldreserven auf lediglich fünf Staaten. Der aktuelle Marktwert dieser Bestände liegt bei rund 2,44 Billionen US-Dollar.
Besonders aktiv bleibt Polen auf der Käuferseite. Das Land kaufte 2025 insgesamt 102 Tonnen Gold und erhöhte seine Reserven in den ersten Monaten des Jahres 2026 um weitere 63,6 Tonnen. Zum aktuellen Goldpreis entsprechen diese Zukäufe einem Wert von rund 21,6 Milliarden US-Dollar.

Zentralbanken bleiben Nettokäufer
Trotz des historisch hohen Goldpreises bleibt die Nachfrage der Zentralbanken robust. Nach Angaben von BestBrokers wurden im Jahr 2026 bislang 224,2 Tonnen Gold gekauft, während gleichzeitig 221,4 Tonnen verkauft wurden. Daraus ergibt sich ein Nettokauf von rund drei Tonnen.
Alan Goldberg, leitender Datenanalyst bei BestBrokers, sieht darin ein Signal für einen grundlegenden Wandel in der Reservepolitik vieler Staaten: „In den vergangenen Jahren haben die Zentralbanken ihre Goldbestände kontinuierlich erhöht und ihre Käufe selbst dann fortgesetzt, als der Goldpreis historische Höchststände erreichte. Dies deutet darauf hin, dass Regierungen nicht lediglich auf Renditen aus sind, sondern die Rolle von Gold in einer Welt neu bewerten, die von geopolitischer Unsicherheit, veränderten Währungsdynamiken und Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems geprägt ist. Der Wert von Gold liegt nicht allein in seinem Marktpreis, sondern auch in seiner einzigartigen Stellung als Vermögenswert ohne Emittenten, ohne Ausfallrisiko und mit einer 5.000-jährigen Geschichte als Wertspeicher.“

Weiter führt Goldberg aus: „In einem zunehmend digitalen und vernetzten Finanzsystem wenden sich die Zentralbanken wieder einer der ältesten Formen menschlichen Vermögens zu – einem Metall, das Kriege, Währungskrisen und den Wandel wirtschaftlicher Ordnungen überstanden hat. Die aktuelle Goldakkumulation signalisiert daher nicht nur die Erwartung weiter steigender Preise, sondern vor allem das Streben nach Sicherheit in einer unsicheren Welt.“
Die Auswertung basiert auf den offiziellen Goldreservendaten des World Gold Council für den Zeitraum Januar bis Mai 2026 sowie auf dem LBMA-PM-Goldpreis vom 21. Juli 2026 in Höhe von 4.052,30 US-Dollar je Feinunze. Dabei wurden die gemeldeten Goldkäufe und -verkäufe von Tonnen in Feinunzen umgerechnet und anschließend zum aktuellen Marktpreis bewertet.
















