Zinswende und China-Schock belasten europäische Aktien

In einem Marktumfeld, das gleichzeitig von steigenden Zinsen und geopolitischen Handelskonflikten geprägt ist, versagen klassische, rein anleihenbasierte Absicherungsstrategien oft. Höhere Zinsen lassen die Kurse bestehender Anleihen fallen, während der Druck auf die Industrie die Aktienmärkte belastet. Um Portfolios in dieser Phase wetterfest zu machen, bieten sich primär drei strategische Hebel an.

Der erste Hebel betrifft defensive Anlageklassen mit einem klaren Fokus auf Preissetzungsmacht und Substanz. Statt zyklischer Exportwerte rücken jetzt Branchen in den Fokus, die unabhängig von globalen Lieferketten und Handelszöllen agieren können. Dazu gehören Unternehmen aus dem Bereich des nicht-zyklischen Konsums, die Produkte des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel und Hygieneartikel herstellen. Diese Betriebe können gestiegene Kosten durch Inflation oder Zinsen direkt an die Endverbraucher weitergeben.

Ebenso unabhängig von der Konjunktur oder Strafzöllen zwischen der Europäischen Union und China zeigt sich das Gesundheitswesen sowie die Pharmaindustrie. Der Bedarf an Medikamenten und medizinischer Infrastruktur bleibt konstant, zudem sind diese Unternehmen oft sehr kapitalstark und wenig auf teure Neuverschuldung angewiesen. Generell bieten Substanzaktien mit soliden Cashflows und attraktiven Dividendenrenditen in Phasen steigender Zinsen ein stabileres Fundament als Wachstumsaktien, deren Gewinne weit in der Zukunft liegen und daher besonders stark unter der Diskontierung leiden.

Sachwerte als systemischer Puffer gegen die Inflation

Wenn globale Lieferketten fragmentieren und die Inflation hartnäckig bleibt, gewinnen Sachwerte als zweiter strategischer Hebel an Bedeutung. Gold fungiert in Zeiten von Handelskriegen und geopolitischen Spannungen als sicherer Hafen, der extreme Marktschocks im Depot oft zuverlässig auffangen kann. Dies gilt auch, obwohl steigende Zinsen die Opportunitätskosten für zinsloses Gold erhöhen.

Ergänzend können breit gestreute Rohstoff-ETFs als Absicherung gegen steigende Import- und Produktionskosten dienen. Da der Konflikt mit China auch die Energiewende bei seltenen Erden, Solar und Batterien betrifft, sind gezielte Investments in Industriemetalle oder einen breit gefächerten Rohstoffkorb eine Überlegung wert. Als dritter Hebel kommt für erfahrene Anleger das taktische Hedging mit Derivaten infrage, wenn bestehende Aktiendepots nicht verkauft, aber gegen kurzfristige Kurseinbrüche abgesichert werden sollen.

Mit dem Kauf einer Put-Option oder von Short-Zertifikaten auf Indizes wie den DAX oder den Euro Stoxx 50 wird auf fallende Kurse gesetzt. Verliert der Markt an Wert, steigt der Wert der Put-Option und gleicht die Verluste im Aktiendepot teilweise oder ganz aus. Um gezielt das Risiko des China-Schocks abzufedern, können Short-Positionen auf den europäischen Automobil- oder Chemiesektor sinnvoll sein, da diese Segmente am empfindlichsten auf die Konkurrenz aus Fernost reagieren. Derivate bergen durch ihre Hebelwirkung jedoch ein hohes Verlustrisiko und sollten nur als temporäre Versicherung eingesetzt werden, da die Absicherung durch die Prämie beziehungsweise Haltekosten dauerhaft Rendite kostet.

Geografische und sektorale Neugewichtung des Kapitals

Die Absicherung erfordert somit eine geografische und sektorale Neugewichtung. Sinnvoll ist es, die Gewichtung von exportorientierten Zyklikern mit hoher China-Abhängigkeit zu reduzieren. Stattdessen sollte ein Teil des Kapitals in defensive Value-Titel, Gold und Liquidität umgeschichtet werden, die dank der Zinswende der Europäischen Zentralbank wieder Zinsen bringt.

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