Übernahmekrimi um die Commerzbank: UniCredit pokert um die Macht – passiert die Übernahme?

Unicredit will Commerzbank übernehmen
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UniCredit greift nach der Commerzbank - in welcher Form?

Das Ringen der italienischen Großbank UniCredit um die Commerzbank erreicht mit dem Ablauf der ersten Angebotsfrist einen Meilenstein. Während der Widerstand in Deutschland wächst, deutet vieles auf ein strategisches Taktikspiel hin.

Die Zeichen stehen auf Sturm im europäischen Bankensektor. Das Ringen der italienischen UniCredit um die Commerzbank steuert auf einen ersten logistischen Meilenstein zu: Gestern lief die ursprüngliche Frist für das freiwillige Übernahmeangebot der Mailänder Großbank ab. Während die Nerven auf beiden Seiten blank liegen und der Ton zwischen Frankfurt und Mailand spürbar rauer wird, stellt sich hinter den Kulissen die entscheidende Frage: Will UniCredit-Chef Andrea Orcel die Commerzbank wirklich komplett schlucken – oder läuft hier ein hochpräzises, strategisches Taktikspiel?


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In den vergangenen Wochen glich das Vorgehen der Italiener einem medialen und finanzpolitischen Boxkampf. Der Einstieg der UniCredit stieß in Deutschland, insbesondere bei der Commerzbank-Führung und in der Politik, auf massiven Widerstand. Doch Orcel lässt sich von den Abwehrreflexen nicht beirren und sammelt im Hintergrund fleißig Anteile.

Der strategische Nebenschauplatz: Warum Mailand keine Vollkonsolidierung will

Auch wenn die Schlagzeilen von „Säbelrasseln“ und Übernahmegefechten dominieren, weisen Marktbeobachter darauf hin, dass die lautstarke Debatte von den tatsächlichen finanziellen Mechanismen ablenkt. Filippo Alloatti, Head of Financials beim Vermögensverwalter Federated Hermes, ordnet die Situation und das Verhalten des UniCredit-Managements wie folgt ein:

„Die anhaltenden Spekulationen rund um das Übernahmeangebot sowie das öffentliche Säbelrasseln zwischen den beiden Managementteams sind zwar medienwirksam und sorgen für Aufmerksamkeit, dürften jedoch letztlich eher als Nebenschauplatz zu bewerten sein.

Die ursprüngliche Angebotsfrist endet heute. UniCredit hat die angestrebte Schwelle von 30 Prozent deutlich überschritten und liegt nun vermutlich knapp unter 50 Prozent. UniCredit-CEO Andrea Orcel und sein Team dürften den Prozess so steuern, dass eine Vollkonsolidierung vermieden wird. Denn bei Minderheitsbeteiligungen müssen sämtliche risikogewichteten Aktiva in die Bilanz aufgenommen werden, nicht jedoch das gesamte Kapital. Das belastet die Kapitalquote erheblich. Ohne diesen Schritt erzielt die Mailänder Bank die beste Kapitalrendite. Frühere Prognosen zeigten: Ein Kontrollszenario hätte die harte Kernkapitalquote um 280 Basispunkte reduziert.

Die verlängerte Angebotsfrist beginnt am 20. Juni und endet am 3. Juli. Bis dahin dürften die Spekulationen anhalten. Danach wird das tatsächliche Ausmaß der angedienten Aktien feststehen.“

Kommt es zur großen Fusion?

Schaut man auf die harten Zahlen, wird deutlich: Eine klassische, vollständige Fusion – also die komplette Verschmelzung der Commerzbank mit der UniCredit zu einem einzigen Institut – ist eher unwahrscheinlich.

Orcel ist als extrem renditeorientierter Analyst und Banker bekannt. Wie Filippo Alloatti treffend analysiert, wäre eine echte Übernahme (Vollkonsolidierung) für die UniCredit aus bilanzieller Sicht ein extrem teures Unterfangen. Ein Einbruch der harten Kernkapitalquote (CET1) um schätzungsweise 280 Basispunkte würde die finanzielle Flexibilität der Mailänder Bank massiv einschränken und den Shareholder Value (Aktionärswert) beschädigen.

Wahrscheinliches Szenario: Die „schleichende“ Dominanz

Viel plausibler ist folgendes Szenario:

  • Der strategische Anker: UniCredit sichert sich eine dominante Minderheitsbeteiligung (knapp unter 50 Prozent). Damit sind die Italiener faktisch der stärkste Großaktionär in Frankfurt, ohne dass sie die Commerzbank voll in ihre Bilanz integrieren müssen.
  • Der lange Hebel: Aus dieser Position heraus kann UniCredit massiven Druck auf die Strategie der Commerzbank ausüben, Synergien erzielen (insbesondere im Zusammenspiel mit der konzerneigenen HypoVereinsbank in Deutschland) und die maximale Kapitalrendite abschöpfen.
  • Der Zeitplan: Das laute Säbelrasseln wird uns noch ein bisschen erhalten bleiben. Nach dem heutigen Fristende geht der Krimi in die Verlängerung: Die verlängerte Angebotsfrist vom 20. Juni bis zum 3. Juli wird zeigen, wie viele Aktionäre schwach geworden sind.

Fazit: Eine formelle, laute Fusion mit der Brechstange wird es wohl nicht geben. Stattdessen erleben wir die Geburt einer neuen Realität, in der die Commerzbank zwar formal eigenständig bleibt, die Fäden im Hintergrund künftig aber maßgeblich in Mailand gezogen werden.


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