Die Zurich Gruppe Deutschland hat im Geschäftsjahr 2025 das beste Ergebnis seit über zehn Jahren erzielt. Im 150. Jahr ihres Bestehens in Deutschland steigerte der Versicherer sein Betriebsergebnis (BOP) auf 554 Millionen Euro und damit um rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die gebuchten Bruttoprämien legten weiter zu und überschritten mit rund 6,2 Milliarden Euro deutlich die Sechs-Milliarden-Marke.
Für Zurich Deutschland Vorstandschef Dr. Carsten Schildknecht ist das Ergebnis mehr als eine Momentaufnahme. „Wir haben nicht nur gefeiert, sondern geliefert“, sagte er mit Blick auf das Jubiläumsjahr. Entscheidend sei vor allem die Qualität des Wachstums, die sich sowohl in steigenden Prämien als auch in einer deutlich verbesserten Profitabilität zeige.
Tatsächlich war es vor allem das Schaden-Unfallgeschäft, das die Entwicklung getragen hat. Mit einem Beitragswachstum von elf Prozent lag Zurich hier klar über dem Markt und gewann erneut Marktanteile hinzu – bereits im achten Jahr in Folge. Dabei kommt ein Großteil des Wachstums aus echtem Neugeschäft und nicht aus Preisanpassungen, wie Finanzvorstand Dr. Torsten Utecht betonte.
Parallel dazu gelang eine deutliche Verbesserung der Schaden-Kosten-Quote, die um mehr als zehn Prozentpunkte auf 93,8 Prozent sank. Neben einer im Vergleich zum Vorjahr entspannteren Großschadensituation führt Zurich diesen Fortschritt vor allem auf operative Verbesserungen zurück – etwa im Underwriting und im Schadenmanagement. Auch im lange unter Druck stehenden Kfz-Geschäft konnte damit wieder die Profitabilität erreicht werden.
Treiber Gewerbeversicherung
Das Wachstum speist sich aus mehreren Quellen. Sowohl im Privatkundengeschäft als auch bei Gewerbekunden und im Mittelstand verzeichnete Zurich zweistellige Zuwachsraten. Besonders dynamisch entwickelte sich das Direktgeschäft. Die Tochter DA Direkt legte kräftig zu und hat sich inzwischen als zweitgrößter Anbieter im deutschen Direktversicherungsmarkt etabliert. Parallel baut Zurich mit Dentolo beziehungsweise Getolo seine Position im Bereich digitaler Gesundheitslösungen weiter aus.
Auch die Lebensversicherung trägt ihren Teil zur positiven Entwicklung bei. Zwar blieb das Beitragswachstum hier stabil, doch im Neugeschäft wächst Zurich seit Jahren schneller als der Markt. Treiber ist vor allem das Geschäft mit fondsgebundenen Policen, in dem sich der Versicherer inzwischen unter den führenden Anbietern etabliert hat.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Vertrieb – und hier insbesondere die enge Kooperation mit der Deutschen Bank und der Postbank. Rund 70 Prozent des Lebens-Neugeschäfts werden über diese Partnerschaft generiert. Die langfristig angelegte Exklusivvereinbarung, die zuletzt verlängert und auf die Postbank ausgeweitet wurde, hat Zurich zusätzliche Vertriebskapazitäten erschlossen und die Marktposition spürbar gestärkt. Gleichzeitig eröffnet die Kombination aus stationärem Filialvertrieb und mobilen Einheiten ein erhebliches Wachstumspotenzial, das nach Einschätzung von Schildknecht noch nicht vollständig ausgeschöpft ist.
Überhaupt ist der Ausbau der Vertriebskapazitäten ein wesentlicher Faktor für das Wachstum. Neben der gestärkten Ausschließlichkeitsorganisation setzt Zurich zunehmend auf Partnerschaften mit großen Plattformen und Unternehmen. Dieses Geschäft hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt und trägt inzwischen substanziell zum Prämienvolumen bei. Gleichzeitig konnte der Versicherer seine Kundenbasis deutlich erweitern: Seit 2018 hat sich die Zahl der Kunden auf über 13 Millionen verdreifacht.
Nachhaltigkeit fest verankert
Trotz aller Wachstumszahlen bleibt auch das Thema Nachhaltigkeit fest in der Strategie verankert. Zurich sieht insbesondere die steigenden Schäden durch Naturkatastrophen als langfristige Herausforderung und will sowohl die Resilienz der Kunden stärken als auch die eigene Geschäftstätigkeit weiter dekarbonisieren.
Ein zentrales Zukunftsthema ist für das Management jedoch die Künstliche Intelligenz. Für Schildknecht steht fest, dass sie die Branche grundlegend verändern wird. „KI wird das Betriebssystem unserer Branche“, sagte er. Zurich hat hier bereits früh investiert und mehr als 60 Anwendungen produktiv im Einsatz. Ein Großteil der Mitarbeitenden arbeitet inzwischen regelmäßig mit KI-Tools.
Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der automatisierten Schadenbearbeitung bis hin zu vollständig KI-gestützten Serviceprozessen. Perspektivisch sollen sogenannte agentenbasierte Systeme ganze Abläufe eigenständig steuern. Das Unternehmen rechnet dadurch nicht nur mit erheblichen Effizienzgewinnen, sondern auch mit zusätzlichem Wachstum durch personalisierte Angebote und schnellere Prozesse.
Empathie und KI entscheiden über Erfolg
Gleichzeitig betont Zurich, dass technologische Effizienz allein nicht ausreiche. Gerade im Kontakt mit Kunden bleibe menschliche Empathie ein entscheidender Faktor. Insbesondere in sensiblen Situationen wie Schadenfällen soll der persönliche Austausch bewusst erhalten und gestärkt werden.
Für die kommenden Jahre zeigt sich das Management entsprechend zuversichtlich. Zurich will weiter schneller wachsen als der Markt und gleichzeitig seine Effizienz steigern. Die Grundlage dafür sieht der Konzern in der konsequenten Umsetzung seiner Strategie – und vor allem in der breiten Skalierung von Künstlicher Intelligenz. Schildknecht formulierte es zum Abschluss klar: Wer die Potenziale von KI nicht nutze, werde künftig im Wettbewerb kaum bestehen können.
















