F&B-Hausrat-Rating 2026: Neue Mindeststandards legen Schwächen vieler Tarife offen

Michael Franke
Foto: Franke und Bornberg
Michael Franke: „Hausratversicherungen müssen heute deutlich mehr leisten als den klassischen Ersatz nach Feuer-, Leitungswasser- oder Einbruchschäden."

Franke und Bornberg hat die Spielregeln für sein neues Hausratversicherungs-Rating 2026 verschärft: Mit neuen Mindeststandards und zusätzlichen Kriterien. 103 Tarife erreichen die Höchstnote FFF+ hervorragend – das entspricht rund 28 Prozent. 67 Tarife – rund 18 Prozent – erhalten lediglich F+ ausreichend, F mangelhaft oder F- ungenügend.

Rund drei Viertel aller deutschen Haushalte haben eine Hausratversicherung. Doch wie viel Schutz der Vertrag im Ernstfall tatsächlich bietet, ist von Tarif zu Tarif sehr unterschiedlich. Das zeigt das aktualisierte Hausratversicherungs-Rating 2026 des Analysehauses Franke und Bornberg. Die Ratingagentur aus Hannover hat die Anforderungen für Spitzentarife erneut angehoben und bewertet in diesem Jahr alles in allem 363 Tarife von 102 Versicherern anhand von 92 Detailkriterien in 34 Kriteriengruppen.


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Aber zuerst einmal ein Blick auf den Markt: Der präsentiert sich wirtschaftlich vergleichsweise stabil. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) lag die Combined-Ratio in der Verbundenen Hausratversicherung 2024 bei 82,8 Prozent. Gleichzeitig steigen die Schadenaufwendungen. Die versicherten Schäden durch Wohnungseinbrüche kletterten 2025 auf 380 Millionen Euro – rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Versicherer zählten etwa 100.000 Fälle, rund 5.000 mehr als 2024. Der durchschnittliche Schaden pro Einbruch stieg auf 3.850 Euro, laut F&B der höchste Wert seit Beginn der Messung.

„Hausratversicherungen müssen heute deutlich mehr leisten als den klassischen Ersatz nach Feuer-, Leitungswasser- oder Einbruchschäden. Verbraucher erwarten Schutz für moderne Lebenssituationen und eine faire Regulierung auch in schwierigen Schadenfällen“, sagt denn auch Michael Franke, Geschäftsführer von Franke und Bornberg.

Neue Mindeststandards für die Höchstnote

Für den Ratingjahrgang 2026 hat F&B die Bewertungsrichtlinie an mehreren Stellen gezielt weiterentwickelt. Wer die Höchstnote FFF+ (hervorragend) erhalten möchte, muss künftig Mindeststandards bei Rauch- und Rußschäden erfüllen, beim Diebstahl aus Wohnmobilen sowie bei Hotelkosten nach einem versicherten Schaden. Zudem verschärft die Agentur die Anforderungen rund um grobe Fahrlässigkeit. Heißt: Der Verzicht auf Leistungskürzungen bei grob fahrlässig verursachten Schäden gilt künftig bereits als Mindeststandard für die Bewertungsklasse „FFF“ sehr gut.

Erweitert wurde das Rating zudem um Kriterien für Mehrleistungen bei energetischer Modernisierung und Technologiefortschritt. Neu hinzugekommen ist außerdem die Berücksichtigung von Leistungen bei Diebstahl von Gehhilfen und Stützapparaten.

Die Ergebnisse zeigen ein solides Qualitätsniveau, aber weiterhin deutliche Abstände zwischen den Tarifen. 103 Tarife erreichen die Höchstnote FFF+ hervorragend – das entspricht rund 28 Prozent aller untersuchten Tarife. Auf der anderen Seite erhalten 67 Tarife, also rund 18 Prozent, lediglich F+ ausreichend, F mangelhaft oder F- ungenügend.

Einsteigertarife besonders häufig in unteren Klassen

Viele Versicherer führen heute mehrere Tariflinien mit unterschiedlichem Qualitätsniveau. Neben leistungsstarken Premiumtarifen stehen häufig günstige Basisvarianten für preissensible Kunden. Gerade diese Einsteigertarife sind überdurchschnittlich oft in den unteren Bewertungsklassen vertreten.

Tarife mit der Note „FF“ (befriedigend oder schlechter) zeigen häufig Schwächen bei Leistungen, die im Schadenfall schnell relevant werden, moniert das Analysehauus. Besonders auffällig seien Defizite bei Onlineschäden und beim unberechtigten Gebrauch von Kreditkarten. Auch rund um Diebstähle offenbaren sich Lücken, so etwa bei Trickdiebstahl, Diebstahl aus Kraftfahrzeugen, auf Reisen oder am Arbeitsplatz. Weitere Mankos: Leistungen für gestohlene Gartenmöbel, Grills und Kinderwagen sind ebenfalls nicht flächendeckend enthalten.

Dass diese Leistungsmerkmale keineswegs theoretischer Natur sind, belegt die Schadenstatistik. Einbruchdiebstahl gehört weiterhin zu den teuersten und konfliktträchtigsten Schadenursachen in der Hausratversicherung, und die durchschnittlichen Schadenhöhen steigen seit Jahren kontinuierlich. Daneben bleiben Rauch- und Rußschäden, Seng- und Schmorschäden sowie Hotelkosten nach einem versicherten Schaden typische Schwachstellen vieler Tarife.

„Die Qualitätsunterschiede bleiben erheblich. Gerade bei Diebstahl, Hotelkosten oder Schäden durch Rauch und Ruß zeigen sich noch immer Lücken, die Verbraucher erst im Ernstfall bemerken“, erläutert Christian Monke, Leiter Ratings Gesundheit und Private Risiken bei Franke und Bornberg, die neuen Ergebnisse.

Digitale Risiken und Nachhaltigkeit gewinnen an Gewicht

Die Analysten von Franke und Bornberg beobachten zudem seit mehreren Jahren eine Verschiebung im klassischen Leistungsverständnis. Hausratversicherungen würden sich zunehmend vom reinen Sachschutz zu umfassenderen Alltagsabsicherungen, so das Analysehaus. Dabei gewinnen etwa digitale Risiken wie der Verlust von Daten oder Schäden durch den Missbrauch von Zugangsdaten deutlich an Relevanz. Hinzu kommt, dass Lebensstile und die steigenden Mobilität nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch auf Reisen, im Auto oder im Wohnmobil erfordern.

Darüber hinaus gewinnt der Wunsch nach nachhaltiger Reparatur oder Wiederbeschaffung von technischen Geräten und Mobiliar für die Tarifentwicklung an Bedeutung. Und auch beim Thema grobe Fahrlässigkeit verändert sich die Branche: Immer mehr Versicherer verzichten auf Leistungskürzungen, selbst wenn Versicherte einen Schaden grob fahrlässig verursacht haben.

Das Rating von Franke und Bornberg basiert auf einer vollständigen Analyse der Versicherungsbedingungen. Das vollständige Rating stellt das Analysehaus wie üblich auf seiner Onlineseite zur Verfügung.


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