Zwischen Fußballabend und Rentendebatte: Eindrücke vom VKS-Kongress

Foto: VKS/Stephan Rech
Gruppenbild zum Abschluss (von links): Moderator Frank Rottenbacher (AfW), André Wreth (Solvium), Steffen Haug (Jamestown), Nico Auel (MPE), Johannes Palla (Habona), Sven Mückenheim (Dr. Peters Group), Dr. Thomas Peters (Alpha Ordinatum/Primus Valor), Jürgen Kestler (Solvium), Clemens Mack (Ökorenta), Jens Freudenberg (BVT), Dr. Tobias König (Primus Valor), Hans-Henning Brand (Paribus), Dieter Lahner (WIDe), Gerhard Simon (Hep solar).

Der VKS Sachwert Kongress in Frankfurt verzeichnete eine Rekordbeteiligung und lieferte neben Fachthemen auch ungewöhnliche Momente. Besonders zwei Punkte, die indes nicht direkt etwas mit Sachwerten und Fonds zu tun hatten, stachen hervor.

Diese beiden Eindrücke werden die meisten Teilnehmer beim Sachwert Kongress des Verbands für Kapitalverwaltungsgesellschaften und Sachwertanbieter (VKS) in der vergangenen Woche wohl am längsten in Erinnerung behalten: Das Tor-Spektakel zwischen Paris St. Germain und dem 1. FC Bayern München sowie die Umstände des Eröffnungsvortrags von Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen.

Das Fußballspiel zählt zum einen wahrscheinlich deshalb dazu, weil es mit einem 5:4 für Paris das torreichste Champions-League-Halbfinalspiel aller Zeiten war. Zum anderen kommt es wohl auch nicht alle Tage vor, dass die halbe Sachwertbranche gemeinsam Fußball schaut. Der Kongress-Saal war zu diesem Zweck nach Abschluss des Vortragsprogramms kurzerhand zum Public Viewing auf der riesigen Leinwand umfunktioniert worden.


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Dabei dürften nicht wenige einen besonderen Blick auf den Unparteiischen gehabt haben. Denn kurz zuvor hatte der bekannte Top-Schiedsrichter und Unternehmer Deniz Aytekin auf dem VKS-Kongress über seine Gefühlswelt und seine Strategien in genau solchen Partien berichtet. In dem Vortrag ging es etwa um Entscheidungen unter Druck, den Umgang mit Menschen oder Strategien zum Teambuilding (und was sich für die Beratungspraxis daraus lernen lässt, versteht sich) – aber auch um konkrete Situationen auf dem Rasen aus Aytekins langer nationaler und internationaler Schiedsrichter-Laufbahn. Einige davon fanden sich sehr ähnlich auch in dem aktuellen Spiel wieder.

Der Vortrag von Bernd Raffelhüschen wiederum wird vielen – neben der beachtlichen inhaltlichen Tiefe – vor allem wegen des wohl einmaligen Settings in Erinnerung bleiben: Der bekannte Volkswirt meldete sich per Video-Zuschalte aus dem Krankenhaus – und zwar als Patient. Er hielt den Vortrag halb liegend direkt vom Krankenbett, das er wegen einer Beinverletzung hüten musste – trotz der ungewöhnlichen Umstände rhetorisch, technisch und inhaltlich mit hoher Qualität. 

„Deutschland so reich wie nie“

In seinem Vortrag betonte der renommierte Experte für Sozialpolitik zunächst: „So reich wie heute war Deutschland noch nie“. Durch die soziale Marktwirtschaft sei das Land auch „das friedfertigste Deutschland, das es jemals gab“. Anschließend beleuchtete Raffelhüschen indes sehr kritisch die aktuelle finanzielle und demografische Lage des Landes und die daraus resultierenden Herausforderungen für die Sozialsysteme.

Demnach ist die Staatsquote aktuell so hoch wie nie, sowohl die Sozial- als auch die Subventionsausgaben sind ebenfalls auf einem Allzeithoch, die Investitionsausgaben hingegen im Allzeittief und die geplante Staatsverschuldung auf Rekordniveau. Die bewährte soziale Marktwirtschaft werde immer mehr zu einer „marktorientierten Sozialwirtschaft“, so Raffelhüschen, womit er offenbar eine Vorstufe zur Planwirtschaft meint.

„Das steht doch in jedem Rentenbescheid“

Raffelhüschens zentrale These: Die deutschen Sozialsysteme sind auf Dauer nicht finanzierbar und die Babyboomer-Generation ist sowohl das Problem als auch dessen Verursacher. Er unterstrich die Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dass die gesetzliche Rentenversicherung nur eine Basisversorgung und keine Lebensstandardsicherung mehr sein kann. Er verstehe die Aufregung darüber auch gar nicht, denn der Umstand sei lange bekannt und stehe zudem in jedem Rentenbescheid, den die Versicherten jährlich erhalten.

„Die Rente mit 70 ist die Gleichbehandlung zwischen Generationen und müsste bis zum Jahr 2030 eingeführt werden“, so Raffelhüschen. Denn ohne die Anhebung des Rentenalters müsste der Beitragssatz auf 25 bis 28 Prozent steigen oder das Rentenniveau massiv sinken. Verursachergerechtigkeit könne aber nur unter Beibehaltung der Beiträge und Senkung der Leistungen gewahrt werden. Eine Anpassung erst ab 2035, wie derzeit geplant, sei zu spät, weil die Babyboomer-Generation bis dahin schon komplett in Rente sei und entsprechende Ansprüche fixiert sind.

In Bezug auf Immobilien betonte Raffelhüschen, dass die Nachfrage nach Wohnungen in Deutschland trotz des demografischen Wandels nie wieder „so niedrig wie heute“ sein werde. Die Neubautätigkeit reiche noch nicht einmal aus, um die Abschreibungen von einem Prozent pro Jahr auf den Gebäudebestand (also bei im Schnitt 100 Jahren angenommener Nutzungsdauer) zu kompensieren und die bestehende Lücke zu füllen. Zudem steige durch den sozio-demografischen Trend die Nachfrage um jährlich ein weiteres Prozent.

Tipps vom Rechtsanwalt

Weiterer externer Redner auf dem VKS Kongress war Rechtsanwalt Alexander Pfisterer-Junkert, der – nach einer morgendlichen Fragestunde mit individuellen Fragen der Teilnehmer – einen Überblick über den Status quo zum Maklerschutz und den richtigen Umgang mit Anlegerschutzanwälten gab. Dabei warnte der Jurist die Vermittler unter anderem davor, sich allein auf Künstliche Intelligenz (KI) im Umgang mit Haftungsfragen zu verlassen. 

Die weiteren Vorträge und Diskussionen, etwa zum deutschen Wohnimmobilienmarkt, dem Investmentvehikel ELTIF und den Auswirkungen der US-Politik auf US-Immobilieninvestments sowie zu einzelnen Produkten, bestritten VKS-Mitglieder. Als Moderator führte wie in den letzten Jahren Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung, durch den zweitägigen Kongress. Ein Team von Solvium Capital trug maßgeblich zur Organisation der Veranstaltung bei. Cash. war Medienpartner.

Mit 235 Vertriebsexperten aus Emissionshäusern, Finanzvertrieben, Maklerpools sowie spezialisierten Vermittlern von Publikums-AIF und anderen Sachwertanlagen erzielte der VKS Sachwert Kongress 2026 nach Angaben des Verbands einen neuen Teilnahmerekord. Das Kongresskonzept „Vermittler treffen Anbieter“ traf somit auf eine weiter steigende Nachfrage. 

„Der Austausch und die Impulse aus dem Vertrieb sind uns wichtig. Gerade weil die Änderung von etablierten Prozessen bei Anbietern etwas Zeit benötigt. Wir alle haben die Bereitschaft, zu lernen und die Kooperation weiter zu verbessern“, sagte Klaus Wolfermann, Vorsitzender des VKS. 

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