„Fachlich auf der Höhe der Zeit bleiben“

Frank Rottenbacher, Vorstand des AfW– Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. (AfW) begrüßt das Bekenntnis der Branche zur Weiterbildung im Rahmen der Initiative „gut beraten“ äußert aber auch Kritik an der konkreten Umsetzung des Projekts.

„Wir hätten uns viel mehr Transparenz bei der Entstehung der Initiative gewünscht.“

Cash.: Wie stehen Sie zur Initiative „gut beraten“?

Rottenbacher: Der AfW begrüßt die Tatsache, dass Weiterbildung als Grundlage qualifizierter Beratung stärker in die Diskussion und in das Bewusstsein der Branche kommt.

Neben der inhaltlichen Komponente ist das Signal an die Kunden hervorzuheben, dass unsere Branche nicht stehen, sondern fachlich für den Kunden immer auf der Höhe der Zeit bleibt.

Haben Sie auch Kritikpunkte?

Wir hätten uns viel mehr Transparenz bei der Entstehung der Initiative und der Erstellung der „Spielregeln“ gewünscht. Der AfW war als der führende Berufsverband unabhängiger Finanzdienstleister nicht eingeladen und beteiligt.

Auch jetzt ist eine Mitarbeit des AfW in Gremien der Initiative nicht erwünscht. Damit bleiben die Interessen von 1.700 AfW-Mitgliedsunternehmen sowie der großen Pools, die sich der „Initiative Pools für Makler“ beim AfW angeschlossen haben, außen vor.

Die immer wieder – auch von der Presse – zu recht geforderte Zusammenarbeit der Verbände wird hier nicht umgesetzt. Wir bedauern dies ausdrücklich.

Wo sehen Sie konkrete Schwierigkeiten?

Die Kosten von einem Euro pro gemeldeten Punkt verteuern Weiterbildung aus unserer Sicht unnötig. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass große Unternehmen ihr Weiterbildungsbudget einfach erhöhen.

So könnten letztlich weniger Seminare durchgeführt werden, um diese Kosten wieder einzusparen und damit wäre das Ziel der Initiative ad absurdum geführt.

Wir würden uns auch eine Öffnung hin zu anderen Bereichen der Finanzberatung wünschen. Letztlich müssten auch Themen aus den Bereichen Finanz-/Vermögensanlagen sowie Immobilienfinanzierung bepunktet werden können.

Die Beratungsrealität unserer Mitglieder sieht jedenfalls so aus, denn die meisten AfW-Mitglieder vermitteln nicht nur Versicherungen. Auch die Tatsachen, dass die reine Anwesenheit bepunktet wird und man identische Seminare öfters wiederholen und jeweils die volle Punktzahl dafür erhalten kann, sind diskussionswürdig.

Abschließend stellt sich die Frage nach der Qualitätssicherung in den bepunkteten Seminaren. Zwar muss der Inhalt im voraus geplant werden, aber die Qualität der Dozenten wird nicht ermittelt oder überprüft.

Wie reagieren die Vermittler auf die Initiative?

Interessiert, aber aus unserer Sicht nicht besonders aktiv oder gar hektisch. Wir nehmen wahr, dass die meisten Vermittler die Punkte auf Messen „mitnehmen“. Eine strukturelle Herangehensweise oder gar Planung der eigenen Weiterbildungsaktivitäten können wir zur Zeit nicht beobachten, wir sind aber auch kein Bildungsdienstleister, bei dem ein Konto eröffnet oder Seminar besucht werden kann.

Interview: Julia Böhne

Foto: Christof Rieken

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