„Die Klagen gegen Vermittler nehmen zu“

Rechtsanwalt Nikolaus Sochurek von der Münchener Kanzlei Peres & Partner vertritt mehrere ehemalige Vermittler der blauen Infinus (Haftungsdach). Mit Cash.-Online hat er über die steigende Anzahl von Anlegerklagen gegen Vermittler und deren Erfolgsaussichten gesprochen.

Nikolaus Sochurek: „Bislang ist es keinem Anleger gelungen einen Anspruch gegen einen von uns vertretenen Vermittler durchzusetzen.“

Cash.: Die Razzia bei Infinus liegt nun schon rund 15 Monate zurück. Warum häufen sich erst in letzter Zeit die Klagen von Anlegern gegen Vermittler?

Sochurek: Zum einen handelt es sich meiner Einschätzung nach um einen Umstand der öffentlichen Wahrnehmung. Die Presseberichterstattung über Klagen gegen Vermittler hat in den vergangenen Monaten zugenommen, weil erste Prozesse zu einem Abschluss gelangt sind oder zumindest die erste Instanz beendet worden ist.

Tatsächlich ist es aber so, dass ein gewisser Anstieg zu verzeichnen ist. Dies könnte daran liegen, dass sich im Rahmen des Insolvenzverfahrens abzuzeichnen beginnt, dass die Insolvenzquoten nicht rosig aussehen dürften. Dieser Umstand könnte Anleger dazu veranlassen nunmehr auch wenig aussichtsreiche Ansprüche gegen Vermittler zu verfolgen.

Ein weiterer Faktor ist sicher, dass die Vorbereitung von Klagen gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Wir beobachten, dass bislang ganz überwiegend Kanzleien auf der Seite der Kunden agierten, die mit der Materie wenig vertraut waren und keinen Schwerpunkt im Bereich des Anlagerechts haben. Die spezialisierten Kanzleien, die auch auf Seiten von Anlegern agieren, haben bislang keine Klagen erhoben, soweit mir dies bekannt ist.

Woran liegt das Ihrer Ansicht nach?

Entweder liegt das daran, dass die Spezialisten in der Lage sind, die Erfolgsaussichten der Anleger bei Klagen gegen Vermittler realistisch einzuschätzen und daher von Klagen abraten. Es mag aber auch daran liegen, dass diese Kanzleien, die eine Vielzahl von Anlegern im vorgerichtlichen Bereich vertreten oder vertreten haben, mehr Zeit benötigen, um juristisch qualifizierte Klagen zu fertigen.

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Ein weiterer Punkt könnte es sein, dass die oftmals hinter den Anlegers stehenden Rechtsschutzversicherungen erst einmal ihre Deckungszusage abgeben müssen, bevor auf deren Kosten prozessiert werden kann, was erfahrungsgemäß auch Zeit in Anspruch nimmt.

 

Seite zwei: Keine Erfolgsaussichten für Anleger in Prozessen gegen Vermittler

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