Anzeige
4. August 2017, 11:37
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

“Ein ‘Weiter so’ wird es nicht geben”

Der Strukturwandel hin zur Industrie 4.0 wird in den nächsten Jahren auch die Immobilienwirtschaft erfassen. Die Entwicklung kann inbesondere für den Mittelstand wettbewerbsentscheidend sein, so Experten bei einer Tagung an der TU Darmstadt. Aber die Branche ist darauf nicht vorbereitet.

Industrie-4 0-digitalisierung-immobilien-produktion-roboter-hand-unternehmen-digitalisierung-internet-of-things-iot-gewerbe-produktion-maschine-shutterstock 478206340 in Ein Weiter so wird es nicht geben

Die Industrie 4.0 verändert den Bedarf an Produktionsflächen, noch ist die Immobilienwirtschaft darauf nicht eingestellt.

Die Digitalisierung der produzierenden Industrie wird nicht nur die Produkte und Prozesse, sondern insbesondere auch den Bedarf an immobilienwirtschaftlichen Produktionsflächen in den nächsten Jahren verändern.

Damit ist auch die Immobilienwirtschaft betroffen, vor allem der Mittelstand. Die Branche ist darauf nicht vorbereitet, so das Ergebnis einer Tagung an der TU Darmstadt mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft.

“Es kommt Bewegung in die Branche.Ein ‘Weiter so’ im Immobilienmanagement produktionsnaher Flächen wird es nicht geben”, sagt Professor Andreas Pfnür, Leiter des Fachgebiets Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre der TU Darmstadt. Die Diskussionsergebnisse der Expertentagung fassten Pfnür und sein Mitarbeiter Julian Seger in einem Whitepaper zusammen.

Hidden Champions besonders betroffen

Die Umstellung verlange, dass sich das Immobilienmanagement produktionsnaher Flächen an den sich ändernden Bedarf anpasse. So würden während der Umstellungsphase eventuell zwei Werkhallen benötigt und die Nachfrage nach Produktionsflächen könnte sich hin zu Büroimmobilien verschieben.

Besonders betroffen seien die Hidden Champions, die heimlichen, oft mittelständischen Weltmarktführer der deutschen Industrie. Sie geraten zunehmend nicht nur unter Digitalisierungszwang, sondern auch unter internationalen Wettbewerbsdruck – mit Auswirkungen auf das betriebliche Immobilienmanagement.

Mangelnde Ressourcen

Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Umfrage des Fachgebiets Immobilienwirtschaft der TU Darmstadt gezeigt, dass 88 Prozent der befragten immobilienwirtschaftlich einschlägigen Entscheider der Auffassung sind, dass die deutschen Unternehmen immobilienwirtschaftlich für den Strukturwandel nicht gut aufgestellt sind.

Besorgniserregend, so nun der Befund der jüngsten Expertenrunde, sind insbesondere die geringen eigenen immobilienwirtschaftlichen Ressourcen der Unternehmen. Es fehle in zwei Dritteln der produzierenden Unternehmen an Transparenz, Fachwissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Ressourcen, um die Nutzung der Immobilienbestände  den neuen Erfordernissen anpassen zu können.

Mangel an Investoren

Problematisch seien auch die im internationalen Vergleich hohen Eigentumsquoten deutscher Unternehmen. In Deutschland sein 86 Prozent der Produktionsflächen im Eigentum der produzierenden Unternehmen, in den USA dagegen nur 30 Prozent und in Asien gerade noch 20 Prozent.

Deutsche Unternehmen hätten die immobilienwirtschaftlichen Probleme weitgehend erkannt und die Lösung überwiegend im Verkauf ihrer Flächen suchen. Die zukünftig benötigten Flächen könnten dann etwa per “Real Estate as a Service” zurückgemietet werden. Unternehmen es aus der IT oder Logistik würden solche Komplettlösungsangebote schon nutzen.

Produzenten drohen Wettbewerbsnachteile

Allerdings seien derzeit kaum immobilienwirtschaftliche Dienstleister in der Lage, solche Lösungen bereitzustellen, und es fehle an Investoren, die im Falle von Projektentwicklungen die Rolle des Vermieters übernehmen können.

“Trotz des Marktvolumens von 600 Milliarden Euro seien produktionsnahe Immobilien immer noch in der Rolle der Exoten”, so Pfnür. Den produzierenden Unternehmen in Deutschland würden aufgrund des Engpasses bei flexibel an den Strukturwandel anpassbaren Flächen ernste internationale Wettbewerbsnachteile drohen.

“Es ist dringend an der Zeit, dass dieses Thema auf die Agenda von Politik und Top-Management deutscher Unternehmen gelangt, um die nötige immobiliare Infrastruktur für den Strukturwandel zu schaffen”, sagt Pfnür. (kl)

Foto: Shutterstock

Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 09/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

PKV – Nachhaltige Geldanlage – Wohnen auf Zeit – Hitliste der Maklerpools

Ab dem 16. August im Handel.

Special Investmentfonds

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Nachhaltig anlegen: Mehr Rendite mit gutem Gewissen
Gewinne im Fokus: Die besten Dividenden-Fonds

Versicherungen

GKV-Check: Nürnberger modifiziert BU

Bereits zu Jahresbeginn hat die Nürnberger Lebensversicherung das Bedingungswerk ihrer BU-Versicherung optimiert. Jetzt hat die Gesellschaft ein neues BU-Tarifpaket vorgestellt. Und bietet als erster Versicherer bei den BU-Gesundheitsfragen einen so genannten GKV-Check an.

mehr ...

Immobilien

Buwog-Minderheitsaktionäre erhalten Barabfindung von Vonovia

Die Minderheitsaktionäre der vom deutschen Vonovia-Konzern übernommenen Immobiliengesellschaft Buwog sollen für die Übertragung ihrer Aktien auf Vonovia eine Barabfindung von 29,05 Euro je Aktie bekommen. Das teilte das österreichische Unternehmen am Sonntag mit.

mehr ...

Investmentfonds

“Lira-Krise nicht überdramatisieren”

Die Krise in der Türkei sollte uns nicht zu stark beunruhigen, denn sie sei keine große Gefahr für den Euroraum. Diese Meinung vertrat Joachim Wuermeling, Vorstandsmitglied der Bundesbank in einem Interview gegenüber Bloomberg. Auch sei die Türkei in der Lage, eine Eskalation der Krise zu stoppen.

mehr ...

Berater

Deutsche Pfandbriefbank bleibt vorsichtig – Aktie unter Druck

Die Deutsche Pfandbriefbank (PBB) tritt nach einem starken ersten Halbjahr auf die Euphoriebremse. Konzernchef Andreas Arndt rechnet mit einem steigenden Wettbewerbsdruck, der auf die Profitabilität im Neugeschäft drückt.

mehr ...

Sachwertanlagen

Zweitmarkt: Reger Schiffsfonds-Handel

Die Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG verzeichnet einen für die Jahreszeit lebhaften Handelsmonat Juli. Bei Schiffsfonds kam es zu besonders vielen Vermittlungen und einem hohen Nominalumsatz.

mehr ...

Recht

Bauern müssen bei Rentenbeginn Hof nicht abgeben

Landwirte dürfen vom Staat nicht dazu verpflichtet werden, bei Renteneintritt ihren Hof abzugeben. Dies sei verfassungswidrig, entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe in einem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss vom 23. Mai über zwei Verfassungsbeschwerden.

mehr ...