5. Februar 2018, 08:49
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

Immobilienbranche warnt vor Büro-Mangel in Großstädten

Nach Jahren des Immobilienbooms und des Wirtschaftsaufschwungs finden Unternehmen in deutschen Großstädten nur schwer Büros. In zentralen Lagen von Berlin, München und Stuttgart sind die Enpässe besonderes gravierend.

Buerotuerme-berlin-shutt 1426129542 in Immobilienbranche warnt vor Büro-Mangel in Großstädten

Potsdamer Platz in Berlin: Das Angebot an Büroflächen in zentraler Lage ist geringer als die Nachfrage.

“Die Büroknappheit in den Metropolen verschärft sich immer weiter”, warnte Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Das treffe vor allem München, Berlin und Stuttgart.

“Sie sind im Zentrum faktisch voll vermietet.” Das hemme die wirtschaftliche Entwicklung der Städte. Steigende Mieten spüren vor allem kleine, weniger finanzkräftige Firmen.

Leerstandsquote auf niedrigem Niveau

In den sieben wichtigsten deutschen Metropolen standen 2017 nach vorläufigen Zahlen des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (JLL) 4,8 Prozent aller Büroflächen leer. Die durchschnittliche Leerstandsquote in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart sei so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Im Zuge des Wirtschaftsbooms, der die Erwerbstätigenzahlen hierzulande auf Rekorde treibt, brauchen Firmen mehr Büroraum. Und ebenso wie auf dem Wohnungsmarkt zieht es die Menschen in die Städte. “Jeder dritte deutsche Erwerbstätige arbeitet im Büro”, sagte Mattner. “Und 20 Prozent davon sind in Ballungsräumen tätig.”

Den Ansturm auf die Metropolen zeigt auch eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach sind in Berlin mehr als 500.000 Menschen im Büro tätig, ein Plus von 17 Prozent seit 2013. München kommt auf 380.000 (plus 13 Prozent). In Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg liege der Zuwachs bei je rund zehn Prozent.

Unternehmen bräuchten im Kampf um Talente aber attraktive Büros in zentraler Lage, sagte ZIA-Präsident Mattner. “Sind Firmen gezwungen, ins Umland auszuweichen, führt das auch zu einer Zersiedelung und mehr Verkehrsbelastung durch Pendler.”

Der Trend zum flexiblen Arbeiten sorgt zudem dafür, dass Coworking-Anbieter in den Innenstädten expandieren. Gerade in Berlin teilen sich Kreative Büros.

Engpässe in Berlin, München und Stuttgart

Besonders schwierig ist die Lage in der Hauptstadt, etwa in Berlin-Mitte, aber auch in München und Stuttgart. Im Münchner Westend und Schwabing-Nord sowie in der Stuttgarter Innenstadt gebe es “dramatische Engpässe”, schreibt JLL. Das lässt die Spitzenmieten klettern. In Berlin stiegen sie 2017 um elf Prozent.

Betroffen sind vor allem kleine Firmen wie Start-ups. “Berlin hat lange davon profitiert, dass Gründer dort billige Büros fanden”, sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. “Das hat sich gedreht.” Große Konzerne hingegen könnten sich steigende Mieten leisten.

Eine schnelle Entspannung erwartet ZIA-Präsident Mattner nicht. In München und Umland etwa fehlten bis 2021 rund 330.000 Quadratmeter Bürofläche. “Gerade junge Menschen wollen in den Städten nicht nur arbeiten, sondern auch wohnen.”

Büros stünden in Konkurrenz zu Wohnungen, Hotels, Handel und Logistikzentren. “In der Politik liegt der Fokus einseitig auf Wohnen”, kritisierte Mattner. Um mehr Büroraum zu schaffen, müssten Flächen verdichtet werden, etwa mit höheren Gebäuden und weniger Bauvorschriften.

Frankfurt hat noch Luft

Prekär ist die Lage aber nicht überall. Frankfurt etwa hat mit rund neun Prozent die höchste Leerstandsquote unter den deutschen Metropolen – obwohl Banken nach dem Brexit-Entscheid Jobs von London an den Main verlagern. Die Spitzenmieten im Finanzviertel, wo sich Banken Vorzeigebüros gesichert haben, kletterten laut dem Makler Colliers auf 41 Euro pro Quadratmeter. Das ist bundesweit Spitze.

“Die Banken wollen in die Hochhäuser im Zentrum und am liebsten in die oberen Etagen”, sagt Laura Müller von Colliers. “Da wird es enger.” Etwas außerhalb sehe es anders aus.

Im Stadtteil Niederrad läuft ein Projekt, um leere Büros in Wohnungen umzuwandeln. Laut Standortinitiative sollen rund 4.000 Wohnungen für über 10.000 Menschen entstehen. Auch wenn dort der Leerstand kräftig gesunken ist: Noch immer sind dort rund 90.000 Quadratmeter verwaist. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

Newsletter bestellen Alle News zu Objekten, Standorten und Finanzierungen... werktags 16.30 Uhr!

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 05/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Arbeitskraftabsicherung – Private Equity – Büroflächenmangel – Datenschutz

Rendite+ 1/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Marktreport Sachwertanlagen – Windkraft – Vermögensanlagen – Bitcoin & Co.

Ab dem 22. März im Handel.

Versicherungen

Universa baut Fondspalette aus und bringt neue Kfz-Versicherung

Die Universa Versicherungen, Nürnberg, stockt die Fondspalette auf und bietet jetzt fünf iShare-ETFs von Blackrock Asset Management an. Neben einem weltweiten und deutschen Aktienindex werden somit nun auch ETFs angeboten, die einen Aktienindex in Europa und in Schwellenländern sowie einen Index aus Unternehmensanleihen in der Eurozone nachbilden.

mehr ...

Immobilien

Deutsche wollen smarter wohnen

Das Smart Home gilt seit einigen Jahren als der Standard von morgen. Eine Deloitte-Studie zeigt: Das Interesse an diesen Anwendungen ist groß, der Datenschutz bleibt jedoch ein wichtiges Thema. Immerhin 13 Prozent der Haushalte verfügen bereits über einen intelligenten Lautsprecher. Bei der Art der bevorzugten Smart-Home-Lösungen gibt es zudem Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

mehr ...

Investmentfonds

BaFin präzisiert Vorschriften der MiFID II

Die Finanzaufsicht BaFin hat die Neufassung ihres Rundschreibens “MaComp” veröffentlicht und präzisiert darin unter anderem die Grundsätze zur “Zielmarktbestimmung” und diverse weitere neue Vorschriften. Zwei Punkte allerdings fehlen noch.

mehr ...

Berater

Neue Kooperationspartner der BCA AG

Der Oberurseler Maklerpool BCA präsentiert mit der xbAV Beratungssoftware GmbH sowie Honorar Konzept GmbH zwei Unternehmen, die ihre Services den BCA-Partnern zur Verfügung stellen.

mehr ...

Sachwertanlagen

Umbau von Aktionärsstruktur und Aufsichtsrat abgeschlossen

Die Lloyd Fonds AG teilt mit, dass die im März angekündigten Änderungen in ihrer Aktionärsstruktur nun umgesetzt und die üblichen Vorbehalte aufgehoben wurden. Zudem wurde der Aufsichtsrat mehrheitlich neu besetzt.

mehr ...

Recht

Bürgschaften sind keine nachträglichen Anschaffungen

Wird ein Gesellschafter im Insolvenzverfahren als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Anspruch genommen, so kann er dies nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten werten und somit auch nicht mehr steuermindernd geltend machen. Dies entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil (Aktenzeichen: IX R 36/15). Gastbeitrag von Holger Witteler, Kanzlei Husemann, Eickhoff, Salmen & Partner

mehr ...