Anzeige
19. März 2018, 14:57
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

IW empfiehlt Privatisierung kommunaler Wohnungen zur Schuldentilgung

Angesichts der vielerorts stark gestiegenen Immobilienpreise plädiert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für den Verkauf kommunaler Wohnungen. Der Zeitpunkt für gute Erlöse aus Privatisierungen sei günstig.

Wohnhaeuser-sozialwohnungen-shutt 606535367 in IW empfiehlt Privatisierung kommunaler Wohnungen zur Schuldentilgung

Rund zwölf Prozent der Wohnungen in Deutschland befinden sich im Besitz der Kommunen.

Würden hiesige Städte ihre oft großen Wohnungsbestände verkaufen, könnten sie ihre Schulden auf einen Schlag ganz oder teilweise loswerden, heißt es in einer am Montag veröffentlichten Studie.

Der Zeitpunkt sei gut: “Der Wert der Wohnungsbestände strebt seinem Höchststand entgegen”, erklärte IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer. “Die günstige Kombination aus niedrigen Zinsen, starker Zuwanderung und robuster Konjunktur wird nicht von Dauer sein.”

Vom Deutschen Mieterbund kam scharfe Kritik. Verkäufe kommunaler Wohnungen an Investoren seien angesichts der Wohnungsnot ein großer Fehler und historisch überholt.

Kommunen besitzen rund 2,3 Millionen Wohnungen

Die deutschen Kommunen besitzen laut der IW-Studie rund 2,3 Millionen Wohnungen – etwa 12 Prozent aller vermieteten Wohnungen hierzulande. Ihr Wert betrage den Bilanzen städtischer Wohnungsgesellschaften zufolge fast 138 Milliarden Euro, heißt es in dem Papier, das sich auf Daten aus dem Jahr 2015 stützt. Seither dürfte der Wert mit dem Anstieg der Immobilienpreise noch deutlich gewachsen sein.

So besitze die Wohnungsgesellschaft Saga in Hamburg nach jüngsten Zahlen rund 132.000 Wohnungen und erziele jährliche Mieteinnahmen von rund 893 Millionen Euro, gefolgt von der Degewo in Berlin mit 73.000 Wohnungen 430 Millionen Euro Mieteinnahmen. Die ABG in Frankfurt habe 51.000 Wohnungen und 458 Millionen Euro an Mieten verbucht.

Frankfurt könnte mit Wohnungsverkäufen mehr als elf Milliarden Euro einnehmen und sich komplett entschulden, erklärt das arbeitgebernahe Institut IW. Ähnlich sehe es in München mit einem denkbaren Erlös von 5,5 Milliarden aus. Berlin oder Hamburg könnten ihre Schulden zumindest deutlich senken. Wegfallende Mieteinnahmen stünden dann gesparten Schuldzinsen in den städtischen Haushalten gegenüber. Mit den Verkaufserlösen ließen sich etwa neue Viertel erschließen, schreiben die Forscher.

Mieterbund: Privatisierungen würden Wohnungsnot verschärfen

Soziale Bedenken hat das IW kaum: Kommunale Gesellschaften vermieteten Wohnungen zu ähnlichen Preisen wie private Anbieter. Arme Mieter dürften nicht unter Privatisierungen leiden.

Der Mieterbund lehnt solche Verkäufe strikt ab. “Wohnungspolitisch wäre das einer der größten Fehler überhaupt”, monierte der Verband. Kommunale Wohnungsgesellschaften sicherten bezahlbare Mieten. “Privatisierungen würden die Wohnungsnot noch verschärfen.” Zudem das Thema überholt sei. So habe die Stadt Dresden mit Verkäufen im großen Stil an Gagfah 2006 schlechte Erfahrungen gemacht.

Der Immobilienverwalter Gagfah ging später in Vonovia auf, dem größten deutschen Wohnungskonzern. Wie auch andere börsennotierte Verwalter wuchs Vonovia mit dem Kauf ehemaliger Arbeiterwohnungen. (dpa-AFX)

Foto: Shutterstock

Ihre Meinung



Cash.Aktuell

Cash. 01/2019

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Fonds Finanz – Robotik – Moderne Klassik – Finanzanalyse

Ab dem 18. Dezember im Handel.

Cash. 12/2018

Inhaltsverzeichnis Einzelausgabe bestellen Cash. abonnieren

Themen der Ausgabe:

Goldfonds – Rock’n’Roll – Fondspolicen – Nachrangdarlehen

Versicherungen

DVAG: Richtig versichert Skifahren

Pulverschnee, Sonnenschein und ordentlich Geschwindigkeit – Skifahren ist beliebt. Der Spaßfaktor ist hoch, die Verletzungsgefahr leider auch. Die DVAG klärt auf, welche Versicherungen wichtig sind und gibt Tipps zum sicheren Skifahren.

mehr ...

Immobilien

Dr. Klein: Boom im Osten, Rekorde im Norden

Ob nun Hamburg, Hannover, Berlin oder Dresden – im Norden und Osten der Bundesrepublik steigen die Immobilienpreise in allen Metropolregionen an. Trotzdem gibt es deutliche Preisunterschiede.

mehr ...

Investmentfonds

Davos: Kritik am Weltwirtschaftsforum

Heute beginnt das 49. Weltwirtschaftsforum in Davos unter der Überschrift: “Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution”. Kritik gibt es nicht nur an Besuchern wie dem brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, sondern auch am Motto.

mehr ...

Berater

Rechtsstreit mit dem Versicherer: Gefährliche Vakanzphase

Eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem privaten Krankenversicherer ist für den Versicherten nicht ohne Risiko. Für die Dauer des Prozesses ist sein Versicherungsschutz unter Umständen nicht mehr gewährleistet. Gastbeitrag von Rechtsanwalt Christof Bernhardt

mehr ...

Sachwertanlagen

Ernst Russ AG verliert beide Vorstände auf einen Schlag

Sowohl der Vorstandssprecher Jens Mahnke als auch Vorstandsmitglied Ingo Kuhlmann werden im Juni beziehungsweise Ende März aus der Ernst Russ AG (ehemals HCI Capital) ausscheiden. Ein bisheriges Aufsichtratsmitglied springt ein.

mehr ...

Recht

Pflegeunterhalt: Wenn Kinder für ihre Eltern haften

Die Deutschen werden immer älter. Damit wächst auch die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Die Kosten hierfür sind hoch. Vielfach benötigen Eltern in diesem Fall die finanzielle Hilfe ihrer Kinder. Für diesen Fall gibt es genaue Regeln, wie eine Übersicht des Arag-Rechtsschutzes zeigt.

 

mehr ...