Europäische Banken im Aufschwung

Mehrere mögliche Krisen im europäischen Bankensektor wurden in den letzten Monaten verhindert. Das hat das Vertrauen in Bankanleihen gestärkt. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung auf dem Markt für nachrangige Schuldtitel.

ezb
Europäische Banken waren nie Teil des Wertpapierankaufprogramms der EZB und werden durch ein mögliches Ende nicht betroffen sein.

Die jüngsten Ereignisse im europäischen Bankenwesen haben die Aufmerksamkeit auf Anleihen der Finanzunternehmen Europas gelenkt. Während des jüngsten Policy Meetings hat das Global Investment Team von T. Rowe Price diese Entwicklungen und ihre Implikationen für den Bankensektor diskutiert.

In jüngerer Vergangenheit konnten eine Reihe möglicher Krisen abgewendet werden, so das Ergebnis des Treffens. Ein Beispiel sei Santanders Akquisition des in Not geratenen spanischen Kreditgebers Banco Popular für den symbolischen Betrag von einem Euro. Ein zweites Beispiel die Entscheidung der italienischen Regierung, die Monte dei Paschi die Siena zu sanieren und zwei notleidenden mittelgroßen Banken unter die Arme zu greifen.

Finanzielle Stabilität in Europa wurde gestärkt

Die Märkte hätten positiv reagiert und die Rettung als Zeichen dafür anerkannt, dass die europäischen Aufsichtsbehörden und Mitgliedsländer effektiv mit Problemen innerhalb des Bankensystems umgehen können.

„In diesen Fällen konnte verhindert werden, dass die Krise sich auf andere Banken ausweitet. Das hat dazu beigetragen, die finanzielle Stabilität in Europa aufrechtzuerhalten. Insgesamt ist das Stressniveau im Bankensektor gesunken, was sehr positiv ist“, sagt Steven Huber, Portfoliomanager bei T. Rowe Price und Mitglied des Global Investment Teams.

Für Investoren sei dabei die Erkenntnis wichtig, dass Inhaber von Senior Bonds, also vorrangiger Schuldtitel, geschützt wurden, unabhängig davon, wie die Aufsichtsbehörden mit den scheiternden Banken umgegangen ist.

„Im Gegensatz dazu haben die lokalen Aufsichtsbehörden in den meisten Fällen die Bereitschaft gezeigt, den Inhabern nachrangiger Schuldtitel starke Verluste zuzumuten“, sagt Steven Huber.

Markt nachrangiger Schuldtitel bleibt selektiv

Das habe dazu geführt, dass Senior Bonds noch knapper geworden sind. Interessanter sei die Reaktion im nachrangigen Bereich gewesen: Während die Spreads von Tier One und Tier Two leicht gestiegen seien, habe es nur wenige Zeichen von Schwäche bei den niedriger klassifizierten Additional Tier One (AT1) sowie bei den bedingten Pflichtwandelanleihen (Coco Bonds) gegeben.

„Die Performance der stark nachrangigen Schuldtitel europäischer Banken täuscht über die Tatsache hinweg, dass dieser Markt weiterhin sehr selektiv bleibt“, sagt Steven Huber.

„Abweichungen zwischen den größeren, bekannteren Banken und den weniger bekannten, mittelgroßen und kleinen Häusern werden aller Voraussicht nach bestehen bleiben. Das bedeutet, dass in dieser Assetklasse eine sorgfältige Analyse und Auswahl nach wie vor entscheidend ist.“

EZB-Politik beeinflusst Entwicklung nicht

Der Bankensektor insgesamt entwickelt sich laut T. Rowe Price positiv. Die Banken hätten eine bessere Kapitalausstattung und weniger notleidende Kredite. Mittelfristig würden zudem die Rückstellungen für Prozesskosten sinken. Auch das Wirtschaftswachstum in der Eurozone stütze die Bilanzen.

Anders als viele andere Unternehmen seien europäische Banken nie Teil des Programms zum Ankauf von Wertpapieren im Unternehmenssektor (CSPP) der Europäischen Zentralbank (EZB) gewesen. Deshalb seien sie auch nicht von möglichen Kapitalabflüssen gefährdet, sollte die EZB im nächsten Jahr ihre expansive Geldpolitik einschränken. (kl)

Foto: Shutterstock

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