20. Oktober 2016, 16:44
Teilen bei: Ihren XING-Kontakten zeigen | Ihren XING-Kontakten zeigen

BU: Zwischen Zahlenarmut, Konzeptberatung und Digitalisierung

Die vom Handelsblatt losgetretene Diskussion um die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) hat meine Neugier geweckt. Trotz der fast einhelligen Marktmeinung: Lässt sich die der BU zugeschriebene, herausragende Bedeutung belegen? Oder muss sie – am besten gleich digital – neu erfunden werden? Die Haff-Kolumne

BU: Zwischen Zahlenarmut, Konzeptberatung und Digitalisierung

Tobias Haff: “Solange die BU das einzige Produkt ist und damit der Wettbewerbsdruck hoch bleibt, wird sich auch durch Digitalisierung daran nichts ändern.”

Ich musste feststellen: Statistik und BU geht schwer zusammen. Es sind schlichtweg kaum Zahlen zu finden. Dass psychische Erkrankungen den Hauptauslöser darstellen und “Rücken” abgelöst haben, zählt inzwischen zum Allgemeinwissen. Die Zahl der BU-Fälle lässt sich dagegen nur erahnen.

Wenige Zahlen, kaum Daten und nur ein paar Fakten

Die Analysehäuser Morgen & Morgen und Franke und Bornberg gehen von rund 40.000 genehmigten Leistungsfällen pro Jahr aus. Rund 3,4 Milliarden Euro erhalten Kunden jährlich, schreibt der GDV. Lässt sich damit die herausgehobene Stellung des Produkts in der Beratung rechtfertigen? Zumindest in absoluter Geldleistung liegt die private Unfallversicherung fast gleich auf. Jedes Jahr werden rund 3,2 Milliarden Euro an Kunden ausgezahlt.

Auch schwere Krankheiten sind nicht zu unterschätzen. Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs – mehrere hunderttausend Fälle treten jedes Jahr bei Unter-65-Jährigen auf und sind eine Gefahr für die Arbeitskraft. Je mehr man schaut, um so weiter wird das Feld. Arbeitskraftabsicherung ist mehr als nur BU.

Konzept statt Einzelprodukt

Der Hype wurde sofort aufgegriffen. Passenderweise kündigte Getsurance, an dem der BU-Experte Franke und Bornberg beteiligt ist, gleich die Neuerfindung der BU an. In einem Interview wurde sogar von der Gründung des ersten deutschen, digitalen Lebensversicherers hierfür gesprochen. Spannend ist dabei weniger das Digitale, als der Gedankenansatz dahinter.

Denn es soll ein Beratungskonzept zur Arbeitskraftabsicherung entstehen. Das macht Sinn bei der Vielzahl an bestehenden Lösungen, die sich teils an verschiedenste Zielgruppen richten und oft stark abhängig von der jeweiligen Lebenssituation sind. Und angesichts der vielen Risiken, denen der Kunde gegenübersteht. Es ist Zeit in Konzepten zu planen und zu beraten.

Abwicklung bleibt auch digital komplex

Ob die Digitalisierung der wichtigste Stellhebel für eine bessere Beratung und Abwicklung ist, bleibt für mich aber offen. Risikolebensversicherungen lassen sich seit fünf Jahren zu 100 Prozent online abschließen. Das gilt in gleicher Weise für die BU. Die Abwicklung der Produkte ist weniger der Technik wegen kompliziert, sondern aufgrund ihrer Risikoprüfung.

Dies liegt an versicherungsmedizinischen Vorgaben durch den harten Prämien- und Leistungswettbewerb. Solange die BU das einzige Produkt ist und damit der Wettbewerbsdruck hoch bleibt, wird sich auch durch Digitalisierung daran nichts ändern. Umfassendere Beratungskonzepte und das Einbeziehen der unterschiedlichen Absicherungsprodukte können hier viel mehr ändern.

Tobias Haff ist COO des B2B-Insurtech-Unternehmens massUp. Davor hat er Procheck24, den B2B-Bereich des Vergleichsportals Check24, aufgebaut. Bereits seit 1997 entwickelt er Internetprojekte mit dem Fokus auf Finanzdienstleistungen. Er hat den Markt für unabhängige Ratenkreditvermittlung in Deutschland maßgeblich mitgeprägt, Produktinnovationen zur Einkommensabsicherung und Online-Vertriebstools für Finanzvermittler erfolgreich am Markt eingeführt.

Foto: Tobias Haff

Ihre Meinung



 

Versicherungen

Verivox: Kfz-Versicherungen um vier Prozent teurer

Die Preise für Kfz-Versicherungen sind seit November um vier Prozent gestiegen. Das zeigen Zahlen des Kfz-Versicherungsindex von Verivox. Der Abstand zwischen den günstigsten Tarifen und dem mittleren Marktsegment beträgt über 20 Prozent.

mehr ...

Immobilien

Bauboom sorgt für volle Auftragsbücher

Der Neubau von Immobilien boomt – und auch staatliche Investitionen in die Infrastruktur bescheren der Baubranche viele Aufträge. Das zeigen nun auch aktuelle Zahlen.

mehr ...

Investmentfonds

Kupfer und Kobalt mit Chancen

Experten gehen von einer anziehenden Kobalt-Nachfrage in 2020 aus. Beim Kupfer wird für Ende 2020 mit einer das Angebot übersteigenden Nachfrage gerechnet.

mehr ...

Berater

Netfonds Gruppe knackt eine Milliarde Euro in der Vermögensverwaltung

Die NFS Hamburger Vermögen GmbH, der Vermögensverwalter der Netfonds-Gruppe, konnte das Volumen in der Vermögensverwaltung erstmalig auf mehr als eine Milliarde Euro steigern. Einhergehend hierzu wachsen Strategie-, Kunden- wie Berateranzahl erneut deutlich.

mehr ...

Sachwertanlagen

KPMG: 2019 Rekordjahr für Risikokapital in Deutschland und Europa

Die Summe der Risikokapitalinvestitionen hat in Deutschland und in Europa vergangenes Jahr neue Rekordhöhen erreicht. Dies ist umso bemerkenswerter, als der weltweite Trend 2019 rückläufig war. Die Zahl der „Einhörner“ steigt auf 110.

mehr ...

Recht

Harte Zeiten für Verkehrs-Rüpel

Kurz gesagt: Es wird teurer, sich nicht an die Verkehrsregeln zu halten. Mit den für Februar anstehenden Neuerungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) will das Bundesverkehrsministerium dafür sorgen, dass es auf den Straßen sicherer, klimafreundlicher und gerechter zugeht. In diesem Rahmen werden auch zahlreiche neue Sinnbilder und Verkehrszeichen eingeführt.

mehr ...