DAV zum Eiopa-Stresstest: „Ziel verfehlt“

Die deutschen Aktuare halten die Ergebnisse des diesjährigen Stresstests der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa für wenig aussagekräftig. „Im Grunde hätten die Aktuare hierfür gar nicht rechnen müssen“, sagte Dr. Wilhelm Schneemeier, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV).

"Inwiefern in einem derart stark regulierten Markt wie dem Versicherungssektor der Eiopa-Stresstest zusätzliche Erkenntnisse liefert, ist für uns nicht ersichtlich", erklärte DAV-Vorstandschef Wilhelm Schneemeier.
„Inwiefern in einem derart stark regulierten Markt wie dem Versicherungssektor der Eiopa-Stresstest zusätzliche Erkenntnisse liefert, ist für uns nicht ersichtlich“, erklärte DAV-Vorstandschef Wilhelm Schneemeier.

Um die Widerstandsfähigkeit des Versicherungssektors zu überprüfen, hatte Eiopa die Auswirkungen extremer Marktentwicklungen getestet. Hierfür wurden zwei Szenarien vorgegeben, in denen eine drastische Verschlechterung der Kapitalmärkte und der zukünftigen Zinsentwicklung angenommen wurde.

Diese Annahmen gehen laut DAV noch deutlich über das ohnehin schon extrem hohe Sicherheitsniveau hinaus, das von „Solvency II“ gefordert ist. Bereits unter diesem müssen die Versicherer sicherstellen, dass ihre Eigenmittel innerhalb eines Jahres in höchstens einem von 200 Fällen nicht ausreichend wären.

Die DAV weist darauf hin, dass auch die Bafin weitere Erhebungen durchführt, um zu einer differenzierten Einschätzung der Solvabilitätssituation der deutschen Versicherer zu gelangen. „Inwiefern in einem derart stark regulierten Markt wie dem Versicherungssektor der Eiopa-Stresstest zusätzliche Erkenntnisse liefert, ist für uns nicht ersichtlich“, erklärte Schneemeier.

Keine makroökonomische Analyse

Außerdem sieht die DAV in dem Stresstest das zentrale Ziel von Eiopa verfehlt, eine makroökonomische Analyse vorzunehmen. „Dafür genügt es nicht, sich nur auf die Versicherungsunternehmen zu konzentrieren“, so Schneemeier. Langfristerwartungen an den Zins seien auch für andere Marktsegmente von großer Bedeutung. So hätte eine lang andauernde Tiefzinsphase auch Auswirkungen auf Industrieunternehmen oder internationale Vorsorgeeinrichtungen.

Für eine adäquate Bewertung der Finanzmarktstabilität eines gesamten Wirtschaftsraums muss nach Ansicht des DAV-Vorstandsvorsitzenden die wirtschaftliche Situation aller wesentlichen Marktteilnehmer berücksichtigt werden. (kb)

Foto: DAV

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